Mit Pflanzen färben

Natürliche Farben fürs Textil

Die Wunder im Grünzeug

Workshops

Seit diesem Jahr gebe ich in Berlin Workshops zum Färben mit Pflanzen. Natürliche Farben habe ich in den letzten Jahren mit vielen Versuchen und umfangreicher Recherche untersucht, auf meinen Fensterbrettern stehen jederzeit kleine Färbversuche... Und nicht all das findet Platz bei STILL garments.

 

Aber mein Wissen daraus möchte ich in diesen Workshops teilen. Ich vermittle Grundwissen und Verständnis, damit ihr hinterher auch allein ohne Frust weiter experimentieren könnt, und eure Farben eine bessere Haltbarkeit haben, wenn das euer Ziel ist.

 

Und gleichzeitig möchte ich noch mehr zeigen: Besonders das experimentelle pflanzliche Färben hat eine ganz eigene Magie für mich – es ist nur in Teilen vorhersehbar, jeder Färbetopf ist neu, Ergebnisse sind nicht exakt reproduzierbar. Und das ist das Großartige! Es macht die Farben und Muster einzigartig. Jede_r Färber_in hat dabei eine eigene Handschrift, aber auch ganz andere Faktoren spielen mit. Die Wasserqualität spielt eine Rolle, die textilen Naturfasern sind nicht immer gleich, und auch das Leben der Pflanze – wie und wo wuchs sie, zu welchem Zeitpunkt wurde sie geerntet, ist sie frisch, oder getrocknet.

Lokal, saisonal, nachhaltig.

Deshalb arbeite ich auch am liebsten mit saisonalen und regionalen Pflanzen. Selbst in einer Stadt wie Berlin gibt es so viele Quellen für Farben! Ganz zu schweigen von dem, was färbt und üblicherweise im Biomüll in der Küche landet.


Wenn man diese Möglichkeiten einmal kennengelernt hat, sieht man all diese Dinge mit anderen Augen.

 

Ich laufe wach durch die Straßen, ich sehe, was grünt und blüht, plötzlich gibt es überall Ressourcen, deren wunderbare Eigenschaften man erst entdecken muss. Ich weiß auf einmal, an welcher Straßenecke welche Beeren wachsen, entdecke wieder, was ich als Kind einmal wusste, nämlich die Namen von mehr als nur drei oder vier Bäumen, und auf meiner inneren Karte meiner Heimatstadt orientiere ich mich daran, wo welche Bäume wachsen.

 

Nicht alle Farben muss ich vom anderen Ende der Welt bestellen. Wenn ich sie selbst sammele oder anbaue, weiß ich auch, dass sie fair sind. Denn bisher ist es in Deutschland schwierig, fair und nachhaltige Färberpflanzen zu bekommen.

       

Was es zu beachten gilt: Natürlich heißt nicht immer unbedenklich. Wie beim Pilze sammeln, sollte man auch beim Pflanzen sammeln wissen, womit man es zu tun hat. Manche Blätter und Beeren sind giftig – man würde ja auch nicht alles unbekannte essen, bei aller Neugier sollte man das beim Färben genauso halten.

Und wie ist es mit Waschen?

Die wohl meistgestellte Frage ist die nach der Haltbarkeit. Wie empfindlich sind pflanzliche Farben? So pauschal kann ich das nicht beantworten, wenngleich die meisten Farben nicht die hohe Beständigkeit synthetischer Farbstoffe haben.

Umweltbelastung durch synthetische Farben

Aber denken wir an Plastikpartikel, oder auch atomare Brennstäbe (ein drastischer Vergleich, ich weiß), lange Haltbarkeit ist nicht per se gut. Das synthetische Färben in der Textilindustrie ist für große Umweltschäden verantwortlich, belastet weltweit Gewässer und all die Menschen, die vor allem in den produzierenden Ländern exponiert sind. Nutzwasser der Betriebe gelangt in die Umwelt, und allen wäre gedient, wenn die Reststoffe darin schnell und natürlich abbaubar wären.
Genauso wenig wie die meisten Menschen wollen, dass in ihrer Kleidung Kinderarbeit steckt, möchte kaum jemand für seine T-Shirts Wasser oder Luft vergiften. Leider muss man damit aber rechnen, so wie große Teile der Textilindustrie im Moment arbeiten.

Stoffe, die leben und altern wie wir.

Um aber zur Haltbarkeit zurück zu kommen: Wenn man weiß, was man beim Färben tut, sind viele pflanzlich gefärbte Textilien in der Waschmaschine waschbar. Es empfehlen sich ein Feinwaschmittel und Schonwaschgang, Verzicht auf Weichspüler und Wäschetrockner – das sind alles Dinge, die gleichzeitig gut für die Faser sind, und Lieblingskleidungsstücke (wie die Umwelt) weniger strapazieren. Allerdings sollte man alles außer weißen Kleidungsstücken nie in der prallen Sonne trocknen, und ganz besonders pflanzlich gefärbte. Das war für unsere Großmütter noch selbstverständlich, die sich das zu nutze machten, um weiße Laken in der Sonne zu bleichen.

 

Pflanzliche Töne verändern sich einfach anders als synthetische. Sie verblassen oder schlagen in eine andere Nuance um, manche dunkeln nach. Das ist kein Makel, sondern eine ihnen ureigene Eigenschaft. Sie sind lebendig, ihre Veränderlichkeit gleicht der Alterung von Holz oder Leder, die dort als Patina geschätzt wird.

 

Für mich gleichen diese Textilien, die unsere zweite Haut sind, damit auch unserer eigenen Haut. Sie sind verletzlich, sie altern, das Leben hinterlässt seine Spuren. Ist man auf der Suche nach ewiger Jugend, so klingt das wohl erschreckend.

Doch so wie wir doch alle in Würde altern wollen, so tun das diese Stoffe. Wie das mit der Würde und den Falten geht, wissen wir alle nicht so genau. Aber ich bin mir sicher, dazu gehört Gelassenheit gegenüber dem Vergänglichen.

 

Werden und Vergehen gehören zusammen, dagegen kann man ankämpfen, oder die Poesie und Schönheit darin entdecken. Ich versuche, die Dinge für ihre Eigenheiten schätzen zu lernen. Was zuerst wie ein Makel aussehen mag, ist in Wahrheit das, was das Wesen ausmacht.

 

Extrapunkte gibt es, wenn man es schafft, diese Haltung auch sich selbst gegenüber einzunehmen. (Nachdem ich meinen 30. Geburtstag nun ein paar Tage hinter mir habe, denke ich darüber wieder vermehrt nach!)

 

Informationen zum nächsten Workshop am 11.12.2016.

Fragen zu Workshops? Möchtest du einen Workshop mit deinen Freunden, Kollegen oder zu einem Geburstag? Dann schicke mir eine Nachricht.


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