Indigo: Pigment aus Pflanzen gewinnen

Indigoblaue Fluessigkeit in einem Schraubglas, daneben ein kleineres Glas mit Indigoblättern, und Stoffe in blau und tuerkis

Kostbares Blau in grünen Blättern

Hast du Färberknöterich oder Waid in deinem Garten? Dann findest du hier die Anleitung, um daraus Indigo-Pigment zu gewinnen. Sie eignet sich für kleine und mittelgroße Mengen.

Indigo, oder genauer eine Indigo-Vorstufe, findet sich in verschiedenen Pflanzen. Und mindestens zwei davon kann man bei uns gut auch selbst anbauen. Das Magische daran ist, dass man den Pflanzen ihr Blau von außen kaum ansieht. Sowohl bei Färberknöterich Polygonum tinctorium als auch beim Waid Isatis tinctoria steckt die Indigovorstufe in den kräftig grünen Blättern. Erahnen kann man das, wenn die Blätter verletzt werden, oder vertrocknen – dann werden sie bläulich.

Diese Indigovorstufe kann aus den Blättern extrahiert werden und wird dann zum Indigo. Dabei bekommt man am Ende eine blaue Paste, oder blaues Pulver, wenn man sie trocknen lässt und dann das Pigment mahlt. Im Färberknöterich nennt man die Vorstufe übrigens Indican, im Waid auch Isatan. Der Prozess ähnelt sich in beiden Fällen – und es finden sich auf der ganzen Welt sehr verschiedene Methoden, an den Farbstoff zu gelangen. So wie es ja auch eine Vielzahl von Indigo-enthaltenden Pflanzen gibt.

Bevor durch den transatlantischen Handel, Kolonialisierung und nicht zuletzt Arbeit und Wissen versklavter Menschen in der “Neuen Welt” andere Formen von Indigo billiger und in größerer Menge nach Europa gelangten, war hier die wichtige Indigopflanze der Färberwaid. Waid wurde häufig erstmal zu sogenannten Waidkugeln geformt, fermentiert und getrocknet. In dieser Form war Waid dann bereit zum lagern, handeln oder färben. Du kannst aber auch mit der hier beschriebenen Methode Indigo aus Waid gewinnen.

In zum Beispiel Japan gibt es bis heute noch die ‘Sukumo’-Methode. Dabei kompostiert man größere Mengen Färberknöterich, wobei Feuchtigkeit und Wärme einen Zersetzungsprozess auslösen. Mit dem fermentierten Endprodukt wird dann direkt eine Küpe zum Färben angesetzt, wie mit den Waidbällen, statt erst das Pigment zu separieren.

Kurzer Exkurs: Färben mit einer Indigoküpe

Man muss also nicht unbedingt das reine Pigment aus den Blättern gewinnen, um mit Indigo zu färben. Aber das Pigment ist trocken sehr gut haltbar und eignet sich auch für andere Anwendungen. Es kann wie jedes andere Pigment verwendet werden, mit einem Binder zum Malen, man kann damit eigene Kreiden oder Wasserfarben herstellen.
Zum eigentlichen Indigofärben setzt man eine sogenannte Küpe an. Der Indigofarbstoff ist nicht wasserlöslich. Der Färbeprozess funktioniert deswegen anders als mit den meisten anderen Färberpflanzen. Eine Indigoküpe stellt ganz bestimmte Bedingungen her, damit es funktioniert mit dem Blaumachen. Zum einen braucht sie einen ziemlich alkalischen pH-Wert, und dazu ein Reduktionsmittel, das dem Indigomolekül Sauerstoff entzieht – dann ist es endlich bindungsbereit. In der Küpe nennt man das Indigomolekül dann wieder anders, Leocoindigo oder Indigoweiß. Dem Namen zum Trotz ist die Küpe nicht weiß, sondern (meist) gelblich. In dieser Form verbindet sich Indigo nun endlich mit (zum Beispiel) der textilen Faser. Wenn die gefärbten Garne oder Stoffe frisch aus der Küpe kommen sind sie deswegen zuerst Gelb, und färben sich an der Luft dann über Grün langsam zu Blautönen!

Wenn ich Pigment aus Färberknöterich extrahiere, trockne ich das am liebsten, einige Zeit kann man aber auch die Paste gekühlt aufbewahren. Pulver oder Paste, mit beidem kann man Küpen ansetzen.

Equipment zum Indigo extrahieren

Solange man nicht größere Mengen der Blätter verarbeitet, benötigt man nicht viele Gerätschaften zum Indigo extrahieren, wahrscheinlich hast du das meiste davon schon.
Man braucht einen Eimer oder eine Wanne, in die alle Blätter hineinpassen. Ich nehme meist einen Mörteleimer und eine Schüssel die oben hineinpasst zum Abdecken und Beschweren der Blätter. Dazu ein Sieb und Mulltuch oder feines Netz, um hinterher die Flüssigkeit abzugießen und alle Blätter zu entfernen.
Außerdem einen Schneebesen, (alternativ einen zweiten Eimer), für größere Mengen eine Bohrmaschine mit Farbmixer-Aufsatz.
Als Zutat braucht man Löschkalk (wie man sicher damit arbeitet, siehe weiter unten), und ich habe gern noch pH-Messstreifen (geht aber auch ohne). Zum Testen, ob die Flüssigkeit schon genug Indigo enthält, ist ein kleines Schraubglas hilfreich. Außerdem eine Maske, Handschuhe, Schutzbrille.
Um das Pigment später abzufiltern kann man Kaffeefilter verwenden, sehr dichte Gewebe, Siebdrucknetz o.ä. Für den letzten Schritt benutze ich gern noch große Gläser (wie Weckgläser oder leere Essiggurkengläser).

Indigo extrahieren: Blätter ernten

Für Hobby-Indigogärtner*innen ist vermutlich die Extraktion mit Wasser am einfachsten, wenn man nicht direkt mit frischen Blättern in der Salzmethode färben möchte.

Dafür wird erstmal geerntet. Dabei lasse ich von den Indigopflanzen knapp zwei Handbreit hoch stehen, so treiben die Pflanzen rasch wieder aus. Ich ernte zwei bis dreimal pro Sommer, bevor ich dann im Herbst die Pflanzen blühen lasse, um Samen zu ernten. Für gute Ernten braucht der Färberknöterich einen nahrhaften Boden, ich geb ihm auch regelmäßig Nachschub z.B. in Form von Brennnesseljauche. Ich habe öfter die Empfehlung gelesen, nach einigen sonnigen Tagen zu ernten, für einen idealen Farbstoffgehalt.

Weil es später im Prozess hilfreich* ist, entferne ich gern die Blätter vom Stängel. Das ist aber ziemlich viel Arbeit, du kannst die Stängel auch einfach mit fermentieren, auch wenn sie keinen Farbstoff enthalten. Die Stängel lassen sich einfach wieder bewurzeln, wenn du noch mehr Indigopflanzen haben möchtest, dafür stelle sie einfach in Wasser.
*Das Ausdrücken nach dem Fermentieren fällt mir ohne eine Presse so leichter. Manchmal entferne ich die Stängel auch, damit alles noch in meinen Eimer hineinpasst.

Blätter einweichen und fermentieren

Die Blätter kommen nun in einen Eimer oder eine Wanne, und sollten am besten beschwert werden. Sie werden mit Wasser aufgegossen, so dass alle Blätter richtig mit Wasser bedeckt sind. Ich nehme im Garten dafür kaltes Wasser, und warte dann einige Tage. Den Eimer mit den Blättern stelle ich in die Laube, aber er könnte sicher auch draußen stehen, wenn du ihn mit einem Netz abdeckst.

Die Blätter fermentieren nun im Wasser – das solltest du beobachten, denn die Dauer kann variieren. Ich bevorzuge die eher kühle und langsamere Variante (vor allem weil ich nicht immer täglich im Garten nachschauen kann), aber du kannst Wärme nutzen um den Prozess zu beschleunigen.
Du kannst zum Aufgießen warmes oder heißes (nicht kochend) Wasser verwenden, damit kürzt du die Sache ab. Oder du benutzt einen schwarzen Eimer, den du sonnig stellst. Dann solltest du deine Indigoblätter und die Flüssigkeit aber wirklich gut beobachten, denn so kann es sehr schnell gehen!

Der nächste Schritt braucht etwas Erfahrung. Wenn du also die Zeit hast, würde ich für den Anfang eher mehrere kleine Ernten empfehlen. Mit denen kannst du deine Erfahrungen machen, und für’s nächste Mal den Ablauf verbessern.

Je nach Temperatur dauert es nun einige Tage. Langsam kommt eine Fermentation in Gang, und die Indigovorstufe wird aus den Blättern gelöst. Die Blätter werden beim fermentieren blasser und etwas schleimig. Interessant ist vor allem die Farbe vom Wasser, und der Geruch – beides ist leider schwer zu beschreiben.

Zeichen, dass die Blätter fermentiert sind

Die Flüssigkeit wird mit der Zeit türkis bis aqua, changiert zwischen grün und blau, eine wirklich besondere Farbe. An der Oberfläche bildet sich ein schimmernder Film, aber der kann sehr dezent ausfallen, einige Bläschen steigen auf. An der Oberfläche gibt es kleine blaue Stellen – ich erkenne die gut an der Unterseite der weißen Schüssel, die ich zum Beschweren nehme. Die Blätter sind nicht mehr leuchtend grün. Und du solltest unbedingt auch die Nase einsetzen. Der Geruch wird mit der Zeit fruchtig, süßlich und ferment-ig, und vor allem wenn das ganze etwas zu lange fermentiert auch unangenehm faulig.

Überfermentiertes Indigopigment wird am Ende weniger blau, eher grünlich sein. Wenn du unsicher bist, geh zum nächsten Schritt über, und setze dann die Blätter nochmal mit frischem Wasser an. Diese Zweitfermentation mache ich inzwischen immer, um noch den letzten Rest Farbe zu bekommen.

Es ist lehrreich, mal absichtlich eine kleine Portion überfermentieren zu lassen, und das genau zu beobachten. Das habe ich anfangs (unabsichtlich) gemacht, und kenne den typischen Geruch vom Überfermentieren daher jetzt ziemlich gut.

Nach dem Fermentieren: Löschkalk

Für den nächsten Schritt braucht es jetzt noch eine weitere Zutat. Meist wird Löschkalk (Calciumhydroxid) verwendet. Wenn du damit das erste Mal arbeitest, lies dir genau die Gefahrenhinweise durch! Trage dabei Handschuhe und eine Atemschutzmaske, am besten auch eine Schutzbrille. Der feine Staub sollte nie in Augen und Atemwege gelangen. Gelöst in Wasser ist Löschkalk alkalisch (was man sich im Prozess hier zunutze macht), und kann ätzend sein. Zum Mischen von Löschkalk und Wasser immer den Kalk zum Wasser geben, nicht andersherum. Sonst staubt er sehr stark, und das solltest du unbedingt vermeiden.

Warum benutzt man hier Löschkalk, der ja wirklich nur mit Bedacht benutzt werden sollte? Zum einen brauchen wir den alkalischen pH-Wert, den man damit erreicht. Es gäbe dafür auch andere, weniger bedenkliche Mittel wie Waschsoda. Soda ist aber nicht so stark basisch und kann folgendes nicht: Denn zweitens wirkt der Löschkalk als ein ‘Flockungsmittel’ – er bindet Indigo an sich, das damit aus der Flüssigkeit ausfällt, sich absetzt und abgefiltert werden kann.

Flüssigkeit abgießen und belüften

So kannst du Testen, ob du schon Blau bekommst

Füll ein kleines Schraubglas mit der Flüssigkeit. Gib eine kleine Löffelspitze vom Löschkalk dazu. Schließe das Glas richtig – denn jetzt musst du es gründlich schütteln. Lass es kurz stehen. Wenn du nach einigen Minuten noch kein Blau siehst, ist deine Flüssigkeit noch nicht so weit. Ansonsten geht es jetzt los! (Diesen Tipp habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, von Iris von dreambird studio gelernt.)

Wenn du bereit bist für den nächsten Schritt, werden die Blätter aus der Flüssigkeit entfernt. Gieße sie durch ein mit einem Tuch ausgelegtes Sieb, im Tuch kannst du sie dann gut ausdrücken. Wenn du ein passendes Netz (zum Beispiel ein feines Wäschenetz) für deine Blätter hast, kannst du sie auch direkt darin fermentieren lassen. Die Blätter kommen auf den Kompost, oder wenn ein Teil davon noch gut grün aussieht/nicht alles schon sehr schleimig ist, kannst du sie ein zweites Mal fermentieren.

Mit der Flüssigkeit müssen jetzt zwei Dinge passieren: Der Löschkalk kommt dazu, bis ein ausreichender pH-Wert erreicht ist. Und die Flüssigkeit muss ‘belüftet’ werden. Ich finde es am besten, mit dem Kalk zu beginnen. Aber ich weiß, dass manche auch die umgekehrte Reihenfolge bevorzugen, also vielleicht probierst du auch beides mal aus.

Löschkalk und Luft dazu

Unter Einhaltung der Schutzregeln (nochmal, mit Löschkalk ist nicht zu spaßen) gebe ich kleine Mengen Löschkalk dazu. Ich beginne meist mit einem halben Esslöffel und rühre, bis er sich aufgelöst hat. Das hängt natürlich auch von der Wassermenge ab – auf zehn Liter würde ich 1 bis 1,5 Esslöffel Kalk geben. Mit dem Löschkalk verändert sich (oft, nicht immer) die Farbe der Flüssigkeit, sie wird gelblich oder cognacfarben. Mit einem pH-Streifen messe ich den pH-Wert, er sollte bei 10 oder 11 liegen. Zuviel vom Löschkalk schadet nicht direkt, aber verunreinigt am Ende das Pigment, es wird heller.
Wenn ich das erreicht habe, belüfte ich die Flüssigkeit. Entweder mit dem Schneebesen einige Minuten kräftig rühren, oder die Flüssigkeit zwischen zwei Eimern hin und her schütten, um Luft ‘einzuarbeiten’. (Wenn beides nicht da ist, kann auch mit einem Blumentopf der unten Löcher hat immer wieder Flüssigkeit geschöpft werden zum Belüften.) Das mache ich für zehn bis fünfzehn Minuten. Dabei verändert sich die Farbe der Flüssigkeit und vom Schaum, der dabei entsteht. Der wird zunächst dunkelblau, später wieder heller, fast weiß.

Warten: Indigo-Pigment muss sich absetzen

Wenn es soweit ist, lässt man die Flüssigkeit stehen, bis sich das Pigment am Boden absetzt. Das kann mal länger dauern, meist ist es bei mir am nächsten Tag soweit. Die Flüssigkeit* kann dann vorsichtig abgeschöpft werden, solange das Pigment nicht aufgewirbelt wird. Wenn das passiert, warte wieder bis es sich setzt. Wenn nur noch wenig Flüssigkeit übrig ist, gieße ich die meist durch Kaffeefilter in verschiedene große Gläser. So kann ich gut erkennen, ob Pigment entwischt ist, und sich am Boden sammelt. In den Filtern lasse ich mein Pigment dann trocknen.
Manche nehmen zum Filtern feine Seide (muss sehr eng gewebt sein), Siebdrucknetze oder spezielle wiederverwendbare Filter.

[*Die Flüssigkeit ist alkalisch. Wenn man bald eine Küpe ansetzen möchte, könnte man sie dafür aufbewahren. Wenn du sie z.B. auf den Kompost gießen möchtest, sollte der pH-Wert neutralisiert werden. Das geht schnell z.B. mit Zugabe von Essigessenz.]

Indigopaste

Wenn du dein Indigo als Paste aufbewahren möchtest, brauchst du gar keinen Filter. Du kannst es auf mehrere flache Behälter aufteilen, die du mit einem Netz abdeckst, und warten bis das überschüssige Wasser verdampft. Gekühlt, in gut verschlossenen Behältern, am besten bis zum Rand gefüllt, hält es sich auch mindestens Monate. Um eine Küpe anzusetzen ist eine Paste von Vorteil, weil das Pigment dann schon nass ist, und man es nicht durch langes Mörsern o.ä. wieder rehydrieren muss.

Das Pigment waschen

Das Pigment zu waschen ist nicht notwendig, man bekommt aber ein reineres, konzentriertes Pigment. Damit kann man andere Pflanzenstoffe entfernen, oder auch einen Überschuss Kalk lösen. Für ersteres nehme ich mein Pigment im Filter und spüle es mit Wasser durch. Um den Löschkalk zu entfernen braucht es etwas Säure, zum Beispiel in Wasser gelöste Zitronensäure. Wenn man das Pigment damit mischt, wird es schäumen, und anschließend spüle ich mit klarem Wasser.

Habe ich noch etwas vergessen? Hast du selbst schon Indigo extrahiert und noch Tipps?

Mehr lesen: Meine Buchempfehlung zum Arbeiten mit frischem Indigo, wie auch schon an anderer Stelle, ist John Marshalls “Soulful Dyeing for All Eternity. Singing the Blues”. Eine super Anlaufstelle für Fragen (und auch Teilen von Erfolgserlebnissen) ist die Gruppe Indigo Pigment Extraction Methods, die hat mir auch schon bei den ersten Versuchen geholfen.

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Plane deinen Färbergarten

Färbergarten planen: Färberpflanzen für Garten und Balkon

Ich gärtnere in einem Berliner Schrebergarten, mit begrenztem Platz, ohne Gewächshaus, und außer Färberpflanzen möchte ich auch Gemüse und Obst ernten. Diese Färberpflanzen hier sind meine “Grundausstattung”, und werden jedes Jahr wieder angebaut, auch wenn es eng ist… Ich färbe gerne mit ihnen, sie funktionieren in meinem Garten und bieten auch den Insekten was, denn der Garten ist ja nicht nur für mich.
Als ich damit anfing, war es für mich hilfreich, verschiedene Pflanzen anzubauen, um sie kennenzulernen – dafür von allem nur wenig.
Wenn du noch weniger Platz hast, nur in Töpfen gärtnerst, oder dich auf ein paar konzentrieren möchtest, hilft dir dieser Artikel bei der Entscheidung.

Die meisten Pflanzen ziehe ich in der Wohnung vor, anfangs nur auf den Fensterbrettern. Inzwischen habe ich noch ein Regal mit Pflanzenleuchten, weil der Platz sonst nicht für all das Gemüse und Färbepflanzen reicht. Noch ausführlicher über’s Vorziehen und die Ansprüche der Färberpflanzen habe ich im E-Book Farbe ernten geschrieben.

Pflanzen zum Gelb färben

Wau (Reseda luteola)

Der Wau ist zweijährig (meist zumindest), und bildet im ersten Jahr nur eine grundständige Blattrosette aus – eher unscheinbar, diese Färberpflanze. Wau ist aber eine der historisch wichtigen Färberpflanzen.
Der enthaltene Farbstoff Luteolin hat eine bessere Lichtechtheit als viele andere gelbe Farbtöne. Das Gelb ist intensiv, manchmal schon fast neon-grell, mit einer Tendenz zum Grünstich. Wenn du das mildern möchtest, mische Wau mit anderen Färberpflanzen.
Im zweiten Jahr bildet die Pflanze dann eine Blütenkerze mit vielen kleinen Blüten – traditionell wird dann geerntet. Du solltest Wau also für zwei Jahre den Platz reservieren.

Färberkamille (Anthemis tinctoria)

Färberkamille ist (auf dem Papier) eine mehrjährige Staude, wird aber häufig auch nur ein oder zwei Jahre alt. Ich habe eine Färberkamille im Garten, die vier Jahre lang wiederkam – zwischendurch habe ich sie kräftig zurückgeschnitten, wenn sie nicht gut aussah. Ich säe aber auch jedes Jahr ein paar neue Pflänzchen aus, da nicht alle Pflanzen so langlebig sind.

Zum Ernten pflücke ich regelmäßig die Blütenköpfe, und ein Rückschnitt einmal im Jahr kann die Pflanze verjüngen. Blüht lange, bis in den Winter hinein.
Ihr Gelbton ist weicher und wärmer als beim Wau.

Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Vielleicht hast du diese Pflanze schon im Garten, oder wunderst dich, dass ich sie hier mitzähle? Sie ist vielen ja geradezu ein Dorn im Auge, gilt als invasives Unkraut, andere schätzen sie als wichtige Bienenweide, Tee- und Heilpflanze. Als wenn das nicht reicht, Färberpflanze ist sie auch noch.
Die Goldrute verbreitet sich nicht nur über Samen, auch unterirdisch via Rhizom, und ist darin ziemlich gut. Ich lasse sie im Garten gern stehen, wo Platz ist (vor allem als Sichtschutz finde ich sie nicht schlecht in einem recht gut einsehbaren Schrebergarten…). An anderen Stellen buddele ich sie aus. Ich genieße, wie sie von Hummeln, Bienen und anderen Insekten besucht wird, freu mich an den gelben Blüten und ein Teil wandert in den Färbetopf.

Und wenn du vielleicht von Wau oder Färberkamille nur wenig hast, kannst du deinen Färbetopf mit Goldrute auffüllen! Möchtest du Blüten trocknen zum Färben im Winter, solltest du sie ernten, bevor sie richtig aufgeblüht sind. Sonst reifen sie noch aus und statt gelber Blüten hast du dann viele Samen mit dem fluffigen ‘Pappus’.

verschiedene Stoffe mit Goldrute gefärbt

Färberpflanzen für Apricot | Orange | Rost

Färber-Mädchenauge (Coreopsis tinctoria)

Das Färber-Mädchenauge wird auch Schöngesicht genannt, und ist eine filigrane einjährige Sommerblume, die recht hoch werden kann. Vielleicht bringst du sie in einem gemischten Blumenbeet unter. Oder du füllst ein Beet nur mit dieser Pflanze, das finde ich wunderschön. Ich pflanze sie im Gemüsegarten, da wo Ecken auf Beeten frei bleiben.
Im Sommer kannst du ziemlich regelmäßig Blüten ernten. Ich versuche immer nur einen Teil zu ernten, und beim nächsten Gartenbesuch dann den nächsten, so dass Blüten für die Insekten stehen bleiben.

Färbt apricot, je höher das Pflanze-Faser-Verhältnis ist, wird es ein Rostorange oder sogar fast Rotbraun auf Wolle.

Schwefelkosmee (Cosmos sulphureus)

Die Schwefelkosmee wird nicht so hoch wie das Schmuckkörbchen (Cosmos bipinnatus), das du vielleicht aus Gärten kannst. Du könntest die beiden kombinieren, und die Schwefelkosmee vor die höheren Sorten pflanzen. Ich reserviere zwischen Gemüsebeeten gern einfach einen Streifen für die Schwefelkosmee, als kleinen Farbfleck. Sie ist einjährig, also belegt das Beet nur eine Saison lang.

Auch hier kann man regelmäßig die Blüten ernten, die etwas größer, aber nicht so zahlreich sind wie beim Mädchenauge. Wenn man nur wenig Blüten nimmt zum Färben, bekommt man ähnlich wie beim Mädchenauge zarte Pfirsichtöne. Nimmt man mehr der Blüten, zeigt sich der Unterschied: Dann bekommt man intensive, leuchtende Orangetöne.

Färbertagetes (Tagetes erecta)

Die Färbertagetes wird besonders groß (bis etwa 80cm) und buschig – sie braucht im Färbergarten auf jeden Fall mehr Platz, als die niedrigen Tagetesvarianten, die man häufig aus Blumenbeeten an öffentlichen Plätzen kennt.
Wenn ihr Standort und Boden gut tun, wird diese Tagetes wirklich prächtig, und bildet viele ihrer großen Blüten. Tagetes sind gut zur Mischkultur, aber dann solltest du ausreichend Platz für sie einplanen. Dafür blüht sie dann ausdauernd, bis der erste Frost kommt.

Färbt verschiedene Gelb- und Orangetöne. Mit besonders intensivgelben Blüten habe ich auch schon unerwartet leuchtend Gelbgrün gefärbt.

Rot färben mit Pflanzen

Krapp, Färberröte (Rubia tinctorum)

Krapp enthält Farbstoffe in den Wurzeln, besonders das rot färbende Alizarin. Wenn du ihn anpflanzen möchtest, beachte dass er seinen Platz im Färbergarten länger als andere Pflanzen beansprucht. Die Pflanze ist mehrjährig, und damit die Wurzeln schön dick sind und reichlich Farbstoff enthalten, wird die Ernte erst nach zwei, besser drei Jahren empfohlen. Krapp kann in Beeten wachsen, ich habe ihn gern in großen Kübeln und Wannen. Das erleichtert die Wurzelernte, wenn die Zeit reif ist. Krapp wird recht hoch, oder eher lang – auch mit Stütze ranken die Stängel bei mir nicht so sehr hoch, sie fallen eher um. So bilden sie zum Teil auch Absenker. Blätter und Stängel haben kleine Widerhaken! Ich würde Krapp nicht zu dicht an einen Pfad oder deinen Sitzplatz pflanzen.

Krapp gehört zur Familie der Rötegewächse, zusammen mit anderen Pflanzen die du vielleicht schon kennst. Darunter die Labkräuter, wie das Wiesenlabkraut und Echtes Labkraut, oder der Waldmeister. Weniger bekannt ist vielleicht der Färbermeister.
Sie enthalten in ihren Wurzeln auch ein wenig der begehrten Farbstoffe. Aber ihre Wurzeln werden nicht so dick und kräftig wie die beim Krapp.

Du kannst natürlich mit frischen Wurzeln färben. Traditionell hat man die Wurzeln nach der Ernte noch trocknen lassen und gelagert. Dabei wandeln sich mit der Zeit Inhaltstoffe um, und die Färbungen werden stärker rot.

Pflanzen zum Blau färben

Färberknöterich (Polygonum tinctorum oder Persicaria tinctoria)

Färberknöterich wird auch Japanischer oder Chinesischer Indigo genannt. Die Pflanze ist einjährig, und wächst gut in Beeten und Gefäßen. Hauptsache, die Bedingungen stimmen: Sonnig und nährstoffreicher Boden. Wenn etwas nicht passt, bekommen die Blätter eine Rotfärbung. Das kann zum Beispiel zu intensive Sonne nach dem ersten Auspflanzen sein, besonders wenn die Pflanzen nicht abgehärtet wurden – das sollte aber wieder vorübergehen. Auch starke Winde und ausgetrocknete Böden können das verursachen. Der Farbstoffgehalt in den Blättern ist höher, wenn es den Pflanzen gut geht, und es viel Sonnenschein gibt.

Wie beim Waid gewinnt man Indigofarbstoff aus den Blättern. Das Pigment kann extrahiert werden oder eine Küpe direkt mit frischen Blättern gemacht werden. Der Färberknöterich eignet sich bestens für die Salzmethode, die simpelste Variante, natürlich blau zu färben.

Waid (Isatis tinctoria)

Waid gehört zu den Kreuzblütlern, das solltest du bei der Gartenplanung bedenken. Und er gehört zu den zweijährigen Pflanzen. Zur Indigogewinnung erntet man die Blätter im ersten Jahr – im zweiten Jahr enthalten sie weniger Farbstoff. Im zweiten Jahr blüht der Waid, und bildet eine hohe Blütenkerze mit vielen leuchtend gelben Blüten. Ein Insektenmagnet, der nach den Obstbäumen aber vor den meisten Sommerblumen blüht. Schon deshalb lasse ich alle Waidpflanzen zur Blüte kommen, und ernte die Samen. Die besten Samen kommen wieder zur Aussaat, die anderen nehme ich zum Färben – die sind für Bundle Dye schön. Wenn du nicht möchtest, dass sich Waid wild versamt, ernte alle Samenstände, oder schneide gleich die verblühten Stängel zurück.

Waid ist robust, was kühle Temperaturen betrifft. Wenn es drinnen eng ist, ziehe ich Waid nicht drinnen vor, sondern säe draußen.
Auch später im Jahr finde ich ihn etwas robuster als den Färberknöterich. Er gedeiht in nährstoffreichem Boden auch weitestgehend sich selbst überlassen, solange die niedrigen Pflanzen nicht überwuchert werden. Auch in heißen Sommern muss ich ihn seltener gießen. Leuchtet ja auch ein, Waid wurde in Europa schon sehr lang kultiviert und passt gut in unsere klimatischen Bedingungen. (…noch? frage ich mich, während ich tippe.)

Pflanzen die Lila | Grau | Petrol färben

Diese Pflanzen enthalten Anthocyane, deren Farbtöne je nach Faser und Färbeverhältnis variieren. Außerdem reagieren sie sensibel auf pH-Veränderung, und gehören zu den eher flüchtigen Farben.

Hopi Black Dye Sonnenblume (Helianthus annuus)

Diese Sonnenblume wird sehr hoch, und wird im Laufe des Sommers am besten abgestützt, damit sie bei Wind nicht umknickt. Sie ist also nicht gut für kleine Pflanzgefäße geeignet.
Sie hat meist eine große Hauptblüte, und viele weitere Nebenblüten. Sie ist eine traditionelle Färberpflanze der Hopi-Völker und zum Färben werden die dunklen Kerne geerntet. Ich nehme die Kerne am liebsten für Bundle Dye. Ich ernte nicht alle Blütenköpfe, sondern lasse auch welche im Garten – die Vögel freuen sich. Am Sonnenblumenbuffet habe ich auch den einzigen Buchfink im Garten gesehen.

Schwarze Stockrose (Alcea rosea ‘nigra”)

Stockrosen (auch Malven oder Bauernrose genannt) sind zwei- bis mehrjährig. Im ersten Jahr bilden sie nur eine Blattrosette, im zweiten bilden sie dann bis 2m hohe Blütenstängel. Die Blüten kannst du also erst im zweiten Jahr ernten. Ich zupfe die Blüten ab und trockne sie, nachdem sie sich wieder geschlossen haben. So können sich die Blumen noch versamen. Wenn alle Blüten vor der Samenreife zurückgeschnitten werden, treiben die Malven eher noch ein weiteres Jahr erneut aus.

Ähnlich wie die Sonnenblume würde ich die Stockrose nicht für Gefäße empfehlen, sie hat eine lange Pfahlwurzel und gedeiht besser, wenn sie nach unten ordentlich Platz hat.
Stockrosen nicht zu dicht pflanzen. Sie sind anfällig für Malvenrost, eine Pilzerkrankung. Stehen sie nicht luftig und können gut abtrocknen, sind sie besonders gefährdet.

Dunkle Blueten von schwarzer Stockrose
Schwarze Stockrose

Es gibt noch andere Blumen, die ähnlich färben: Zum Beispiel tiefdunkle Dahlien und Skabiosen oder die Schokoladenkosmee. Wenn du die zum Färben nehmen möchtest, würde ich Sorten mit den dunkelsten, fast schwarzen Blüten wählen.

Pflanzen für Kübel und Töpfe

Suchst du nach Färberpflanzen, die sich gut für den Balkon eignen? Als erstes fallen mir da Coreopsis und Schwefelkosmee ein. In großen Töpfen (ab etwa 18 Liter) habe ich auch schon prächtige große Färbertagetes gezogen.
Färbertagetes und das Färbermädchenauge werden recht hoch. Wenn das nicht gut zu deinem Standort passt: Es gibt kompaktere, niedrige Sorten von Coreopsis – und auch ganz verschiedene Tagetesarten. Färbertagetes eignen sich besonders gut für den Färbetopf, weil sie so große gefüllte Blüten haben, werden aber auch ziemlich groß. Kleinere Sorten mit kleineren Blüten, sind nicht so ergiebig, aber trotzdem toll für Bundle Dye. Besonders schön finde ich kleine Gewürztagetes – die duften wunderbar, vielleicht magst du sie auch im Tee. Und die kleinen filigranen Blüten sind wunderschön in Bundle Dye-Färbungen.

In ausreichend großen Kübeln oder Hochbeeten kannst du natürlich auch Färberkamille anpflanzen, Wau und Waid. Die letzten beiden haben Pfahlwurzeln, brauchen also nach unten mehr Platz als ein kleiner Topf oder Balkonkasten bieten. Und Krapp eignet sich auch gut für das Pflanzen in Behälter, das mache ich selbst auch im Garten so. Wähle kein zu kleines Gefäß (ich würde ab 20L wählen, besser mehr), dann überstehen die Krapppflanzen darin auch gut den Winter. Und trocknen im Sommer nicht zu schnell aus.

Grundsätzlich: Pflanzen in Kübeln u.ä. brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit. Sie trocknen schneller aus und müssen wahrscheinlich auch etwas mehr gedüngt werden – je weniger Erde in den Topf passt, umso mehr solltest du darauf achten.

Und wann ist eine gute Zeit zum Aussäen?

Informationen zum richtigen Zeitpunkt findest du auf Saattüten, oder hier bei meinen Saat-Empfehlungen. Aber natürlich hängt das auch von deinem Wohnort ab! Mit meinem Garten in Berlin kann ich mich gut an diese allgemeinen Empfehlungen halten. Es gibt aber auch in Deutschland Ecken, in denen es milder ist, und wo Aussaat und Auspflanzen schon früher möglich sind. Andernorts, zum Beispiel in Höhenlagen, ist beides erst später empfehlenswert.

Nicht zu früh vorziehen: Zurückrechnen vom letzten Frost

Wenn du neu bist in dem Thema, und keine Anprechperson mit Gartenerfahrung hast: Entscheidend ist vor allem, wann ist mit dem letzten Frost (oder Nächten unter sechs Grad, für empfindliche Pflanzen) zu rechnen. Wenn du kein Gewächshaus oder drinnen viel Platz mit kühler Temperatur und Pflanzlichtern hast, dann ist dieses Datum wichtig. Die Dauer der Sonnenstunden kann man auch noch betrachten, aber als nicht-gelernte Gärtnerin reicht mir die Temperatur zur Orientierung.

Für mich ist das Mitte Mai (2021 war es aber etwas später, und da wurde es für mich schon ganz schön eng, denn der Platz in der Wohnung wächst ja leider nicht mit den Pflanzen mit). Langsam wachsende Pflanzen wie Wau säe ich bis acht Wochen vor diesem Zeitpunkt aus, die meisten anderen eher sechs bis vier.
Sonnenblumen, die schnell wachsen, höchstens zwei bis drei Wochen früher – wenn die zu lange drinnen bleiben müssen, fehlt ihnen Licht und die Pflanzen können so nicht kräftig und robust heranwachsen.

Also, wenn du kein (beheiztes) Gewächshaus oder ähnliches hast: Säe lieber nicht zu früh aus, egal ob du draußen direkt säst, oder Pflanzen wie ich vorziehst.
Für mich genügt es, Färberpflanzen im April vorzuziehen, und die Sonnenblumen kommen erst im Mai dran.

Hast du noch Tipps für den Färbegarten, oder eine Frage? Eine Lieblingspflanze? Ziehst du Pflanzen vor wie ich, oder säst du direkt draußen?

Saatgut für den Färbegarten – und Tipps vom Vorziehen bis zur Ernte

Färberpflanzen aus der Küche: Färben mit Granatapfel

Stoffe faerben mit Granatapfel

Färben mit Granatapfel? Viele Pflanzen aus der Küche gehören zu den besonders flüchtigen, nicht farbechten Farben. Rotkohl oder Rote Bete zum Beispiel, auch wenn ihre Farbe erstmal verlockend ist. Aber ein paar verlässliche Färberpflanzen gibt es hier doch, und ganz besonders interessant ist da die Granatapfelschale!

Ich färbe nur ungern mit Essbarem – aber das Schöne ist ja, die Schale vom Granatapfel wird natürlich nicht gegessen, sondern landet auf dem Kompost. Oder im Färbetopf! Das ist also auch unter dem ‘Zero Waste’-Aspekt eine schöne Färberpflanze.

Der Granatapfelbaum (Punica granatum) ist bei uns nicht heimisch. Ursprünglich stammt er aus West- und Mittelasien. Im Mittelmeerraum kultiviert man ihn schon seit Jahrtausenden, und heute wird er weltweit angebaut, wo es das Klima erlaubt. Er verträgt leichte Fröste, und kann bei uns nur geschützt überwintern – je nach Lage reicht dafür ein ungeheiztes Gewächshaus. Falls du das hast, und noch Platz darin…

Die Schale von Granatäpfeln gehört zu den traditionellen Färberpflanzen im Mittelmeerraum und Westasien, für Töne von Beigegelb über Goldgelb zu Grau und Schwarz. Es gibt einige sehr alte schriftlich überlieferte Rezepte dafür. Dominique Cardon’s Natural Dyes nennt welche aus dem spätbabylonischen Reich, 626 bis 539 v. Chr.!

Auch die Rinde und Wurzeln wurden zum Färben genutzt. Außerdem wurden diese Bestandteile auch medizinisch verwendet. Eine spannende und wichtige Frucht also.

Möchtest du mehr über Pigmente aus Pflanzenfarben? Und hier findest du den Workshop zum Drucken mit Pflanzenfarben.

Zero Waste: Färben mit Kompost, und das auch im Winter

Weil ich auf das Färben neugierig war, habe ich irgendwann mal bei einem Saftstand auf dem Markt gefragt, ob ich nicht ein paar Granatapfelschalen haben dürfte. Und nach einigen Erklärungen durfte ich mir dann welche in meinen Beutel packen. Du findest auf dem Wochenmarkt bestimmt auch einen Händler, der Orangen- und Granatapfelsaft anbietet. Frag doch einfach mal nach den Schalen dort! So ist es auch einige der wenigen Färberpflanzen, die man hier im Winter finden kann, wenn auch nicht wildwachsend.

Granatapfelschalen trocknen zum Färben

In Rezepten zum Färben werden getrocknete Granatapfelschalen verwendet. Dafür kratze ich die Schalen gründlich aus mit einem Löffel, und trockne sie dann möglichst ohne Fruchtfleisch. Wenn du also selbst ab und zu einen Granatapfel isst, und so nur einzelne Schalen anfallen, und nicht wie bei mir eine ganze Tüte voll, ist das auch kein Problem. Trockne deine Schalen einfach einzeln, und sammle weiter, bis du genügend hast. Getrocknete Färberpflanzen lassen sich gut aufbewahren. Am besten geschützt vor Sonnenlicht, aber luftig, damit nichts feucht wird und schimmelt. Ich nehme dafür braune Papiertüten und Pappkartons.

Färberpflanze reich an Tannin

Granatapfelschalen sind eine besondere Färberpflanze, weil sie einen hohen Anteil an Tanninen enthalten. Bei vielen Pflanzen, die Gelb färben, sind dafür Flavonoide verantwortlich, hier aber nicht.
Tannine, die zu den Gerbstoffen gehören, haben eine doppelte Funktion beim Färben. Nicht nur zur Farbgebung, sondern oft werden sie auch im Vorbeiz-Prozess benutzt. Sie können Farben vertiefen und haltbarer machen.
Und in der Granatapfelschale sind sie der Grund dafür, dass man damit auch ungebeizte Fasern färben kann, und trotzdem haltbare Farben bekommt: ein eher zartes Gelb oder Beigegelb. Mit Aluminiumbeizen wird es zu einem kräftigeren Goldgelb, und mit Eisen reagieren die Tannine zu Grau bis Schwarztönen.

Färben mit Granatapfel

Die meisten Rezepte empfehlen zum Färben etwa 100% Granatapfelschalen – also soviel wie deine Faser wiegt.
Ich habe auch meist mit getrockneter Schale gefärbt, auch mal mit einem höheren %-Verhältnis – die Farben wurden nicht viel intensiver, eher etwas schmutziger, fand ich. Wenn die Schalen zwar trocken, aber noch recht “neu” waren, habe ich etwas reinere Gelbtöne bekommen. Bei Schalen, die schon einige Jahre getrocknet waren, fand ich die Töne weniger klar und leuchtend, etwas mehr Richtung Ocker. Falls dir das auch aufgefallen ist, oder du das gar nicht bestätigen kannst, schreib mir gern einen Kommentar dazu. Es interessiert mich sehr, ob andere auch diese Beobachtung gemacht haben!

Zum Vergleich habe ich auch mal mit frischen, nur über Nacht angetrockneten Schalen gefärbt. Die Farben waren zarter, ein schönes klares Gelb. (Wenn du frische Planzen zum Färben nimmst, solltest du immer mehr verwenden als bei trockenen. Sie enthalten viel Wasser, wodurch sie schwerer sind.)

Zum Färben zerbreche oder zerstoße die trockenen Schalen in kleinere Stücke. Ich weiche sie gern über Nacht ein, bevor ich sie dann am nächsten Tag sanft erhitze und dann wie gewohnt färbe.
Bei Eberhard Prinz (zweite Empfehlung hier) habe ich außerdem gelesen, dass Blüten und die Schalen unreifer Früchte rötlich färben sollen. Das konnte ich bisher noch nie testen, aber vielleicht findest du ja mal eine Gelegenheit dazu.

Mich hat auch interessiert, wie die Farben sich beim Kaltauszug entwickeln. Dafür habe ich frische Schalen zerschnitten und einige Tage in Wasser eingeweicht. Dieses Farbbad wirkte viel rötlicher als der Heißauszug, aber einen Unterschied in der Färbung machte es nur bei der Wolle. Der Heißauszug geht natürlich schneller, und es löst sich dabei auch mehr Farbstoff.

Mehr Lesen über den Granatapfel

Im Buch ‘Natural Dyes. Sources, Tradition, Technology and Science’ von Dominique Cardon habe ich jetzt nochmal zum Granatapfel nachgeschlagen. Darin sind dem Baum drei Seiten gewidmet. Wenn dich Geschichte von Färberpflanzen, Färbemethoden und das Chemische “hinter den Kulissen” vom Färben interessiert, ist das ein wirklich spannendes Buch. Ich lese es sehr langsam (es hat über 700 Seiten), und benutze es ansonsten als Nachschlagewerk. Das Original ist Französisch, und ins Englische wurde es zwar übersetzt, soweit ich weiß aber nicht ins Deutsche. Wenn du einen vergleichbaren Wälzer suchst, aber auf Deutsch, vielleicht ist dann Helmut Schweppe’s ‘Handbuch der Naturfarbstoffe’ (mein vorletzter Buchtipp hier) etwas für dich.

Vor allem aber bin ich in der Bibliographie von Cardon’s Buch auf einen weiteren Titel gestoßen, der mich neugierig macht. Der Granatapfel hat eine reiche Kulturgeschichte, ist unter anderem Symbol für Fruchtbarkeit und das Leben, und nun steht ‘Der Granatapfel. Symbol des Lebens in der alten Welt’ von Friedrich Muthmann, 1982, auf meiner Leseliste.

Hast du schon mit dem Granatapfel gefärbt? Oder vielleicht einen weiteren Granatapfel-Lesetipp für mich?


DIY: Tinte aus Pflanzen selbermachen

Tinte aus Pflanzen selbergemacht

Wie schon zu Ostern bin ich auch in der Adventszeit wieder kreativ geworden: Ich wollte gern eine Farbe oder Tinte aus Pflanzen herstellen, mit der ich Karten und Geschenkanhänger zeichnen kann. Am liebsten aus Pflanzen, die einfach zu bekommen sind. Einige Tage nach dieser Überlegung tauchte eine Avocado in der Küche auf, und da wusste ich auch, wie ich das Ganze anstelle.* Tinte aus Avocadokernen!

Natürlich musste ich das unbedingt ausprobieren, als wegen Weihnachten eigentlich sehr viel zu tun war. Aber vielleicht ist das ja auch ein Projekt für dich.

Für meine Tinten habe ich den frischen Kern und die Schale einer Avocado benutzt. Wie beim Färben könntest du stattdessen auch getrocknete oder gefrorene Kerne benutzen, und du musst auch nicht Kerne und Schale zusammen benutzen. Ich habe beides frisch verwendet, kurz nachdem die Avocado gegessen wurde. Und mit einer einzigen Avocado kannst du auf jeden Fall schon was anfangen für dieses Projekt!

*Wenn du ungern Avocados einkaufst, oder sie dir gar nicht schmecken, kannst du in Restaurants oder Cafés fragen, ob sie ein paar Kerne für dich aufheben. Hol sie dann nur rasch ab, damit sie nicht anfangen zu schimmeln.

Das brauchst du für deine Pflanzentinte

  • Schale und Kern einer Avocado
  • Waschsoda ist toll, aber es geht auch ohne
  • einen kleinen Topf (für dieses Projekt benötigst du nicht unbedingt einen extra Färbetopf, da nur Lebensmittel(-reste) und eventuell Soda benutzt werden)
  • ein Teesieb oder ähnliches
  • verschließbares Glas zum Aufbewahren
  • Pinsel oder Federn

Tinte aus Avocadokernen Nr. 1: Pur

Tinte Nr. 1: Nach mehrmaligem Erhitzen im Laufe einiger Tage, und reudziert. Oben pur, in der Mitte mit etwas Gummi Arabicum.

Für meinen ersten Versuch habe ich den Kern der Avocado in kleine Würfel geschnitten, und auch die Schale in kleinere Stücke gerissen. Zusammen habe ich sie dann im Topf mit wenig Wasser bedeckt, kurz erhitzt und dann ohne weitere Hitze ziehen lassen. Ich wollte nicht viel Energie dafür verbrauchen, und hatte auch Geduld. Deswegen habe ich in den nächsten zwei Tagen die Hitze oben auf dem Herd vom Backen im Ofen benutzt, um die Farbe der Tinte zu intensiveren. Wenn du deine Tinte stark erhitzt, weil es schneller gehen soll, achte auf den Wasserstand. Wenn viel Wasser verdunstet, gieße etwas nach. Aber nicht zuviel, damit deine Tinte nicht verwässert.

Wenn du mit deiner Farbintensität zufrieden bist, kannst du das ganze durch ein feines Sieb gießen, oder durch ein Mulltuch abseihen.

Entweder zeichnest du mit der Tinte nun direkt, oder du erhitzt sie noch einmal vorsichtig, um die Flüssigkeit noch zu reduzieren. Ich habe das hier kurz gemacht, da mir die Farbe sonst etwas zu zart war.

Schneller + dunkler, Tinte aus Avocadokernen Nr. 2: Mit Waschsoda

Tinten Nr. 2 mit Soda – von auch ohne Erhitzen war die Tinte von Anfang an dunkler als Tinte Nr. 1 in den ersten Tagen.

Für meinen zweiten Versuch habe ich die gleiche Schale und Kern noch einmal benutzt. Diesmal habe ich sie nicht nur mit frischem Wasser bedeckt, sondern auch eine Löffelspitze Waschsoda dazugegeben. Und obwohl ich sie auch vorher schon benutzt hatte, ist die Tinte hier dunkler geworden, und das schon vor dem Erhitzen.

Waschsoda hat einen alkalischen pH-Wert, und es genügt schon eine sehr sparsame Menge. Du wirst die Wirkung schnell sehen! Die Farbstoffe in Avocadokern und -schale gehören zu denen, die sich gut für einen „alkalischen Farbauszug“ eignen. Der veränderte pH-Wert beeinflusst nicht nur, wie die Farbe aussieht, sondern hilft in dem Fall auch, schnell mehr Farbe aus dem Pflanzenmaterial zu locken.

Also wenn du Waschsoda zu Haus hast, würd ich das sehr empfehlen!* Mir gefällt auch die kräftigere Farbe sehr gut, vor allem geht es aber wirklich viel schneller. In dem Fall musst du deine Tinte wahrscheinlich nur kurz erhitzen, bis sie kräftig aussieht.

Und das Schöne ist, dass wirklich ziemlich viel Farbe in nur einem Kern + Schale steckt! Wenn du mehr Tinte brauchst, wiederhole das Ganze einfach. Ich habe diese Tinte über drei Tage so stehen lassen, und in der Zeit nur die aufsteigende Hitze vom Brot backen für den Topf benutzt.

Waschsoda wird auch Reine Soda oder kalzinierte Soda genannt, und du findest sie in Drogerien bei den Reinigungsmitteln oder Waschpulvern. Wenn du sie benutzt, beachte die Hinweise auf der Verpackung, sie sollte nicht in die Augen kommen.

*Vielleicht hast du ersatzweise andere alkalische Hilfsstoffe im Haus. Du könntest auch Natron oder Backpulver ausprobieren. (Aber ohne Gewähr, ich setze immer auf Waschsoda).

Tinte aus Pflanzen andicken

Tinte mit Gummi Arabicum angedickt zum Stempel. Die organische Struktur vom Papier ist sichtbar.

Besonders die Farbe der Avocados wird ohnehin schnell etwas andicken, wenn du sie bei kleiner Hitze reduzierst.

Es gibt aber auch verschiedene natürliche Verdickungsmittel, schon lange für Tinten verwendet werden. Die können auch verhindern, dass sich Feststoffe in der Tinte schnell am Boden absetzen.
Ich habe dafür gemahlenen Gummi Arabicum benutzt. Die dickere Tinte ließ sich dann auch für meine Stempel benutzen – ich hatte dafür kein gutes Stempelkissen, sondern nur Küchenpapier. Wenn du Stempelfarbe machen möchtest, solltest du dir dafür einen geeigneten Stoff suchen, dann funktioniert es auf jeden Fall besser als bei mir!

Du könntest mit anderen Harzen experimentieren, Stärke, Honig, Gelatine…

Pflanzentinte aufbewahren

Die Tinte hält sich gekühlt und gut verschlossen Tage bis Wochen im Kühlschrank. Das hängt auch von den benutzten Pflanzen ab, und davon, ob/welche Zutaten zum Andicken dazugibst.

Einige ätherische Öle, wie Nelkenöl, beugen auch Schimmel vor. Du kannst an dein Glas mit Tinte ein bis zwei Tropfen davon geben. Bitte sparsam dosieren und auch hier die Sicherheitshinweise auf der Verpackung beachten, ätherische Öle sind enorm konzentriert und sollten daher sehr bedacht benutzt werden.

Färben mit Kompost: Andere Pflanzen zum Ausprobieren

Für mehr Tintenexperimente mit Zutaten von zu Hause kannst du gelbe oder rote Zwiebelschalen nehmen. Oder Granatapfelschalen, Teesatz von schwarzem Tee und im nächsten Herbst wieder die grünen Hüllen von Walnüssen.

All diese Pflanzen(teile) sind recht gut zugänglich, und landen ohnehin im Kompost. Bevor das passiert, kann man mit ihnen noch färben! Oder in unserem Fall Tinte machen.

Vom bereits benutzten Schwarztee würde ich für das Projekt etwas mehr sammeln, da der anders als die anderen Zutaten ja schon einmal aufgegossen wurde.

Du merkst vielleicht, ich nehme nicht gern ganze Lebensmittel zum Färben, sondern deren Abfälle, auch wenn es nur um wenig Tinte geht.

Farbechtheit von pflanzlichen Farben

Aber die hier aufgezählten Pflanzen(-abfälle) sind nicht nur wegen dem Minimal-Waste-Gedanken eine gute Wahl. Sie enthalten alle bestimmte Farbstoffe, die von Hause aus eine recht gute Haltbarkeit mitbringen. Zwiebelschale und Walnusshülle besitzen besondere Farbstoffe, die auch ohne Beize in der Lage sind, sich mit Fasern zu verbinden (substantive Farbstoffe). Und Avocadoschale-/kern, Granatapfelschale sowie schwarzer Tee enthalten Tannine. Tannine gehören zu den Gerbstoffen und können helfen, Farben haltbarer zu machen.
Diese Tinte hält sicher nicht für die Ewigkeit, aber sie wird auch nicht in kürzester Zeit verblassen.

Flüchtige Farben – nicht alle Pflanzen können färben

Diese besonderen Eigenschaften haben andere erstmal sehr farbige Pflanzen aus dem Küchenbereich nicht: Spinat, rote Bete, Rotkohl, allerlei blaue und rote Beeren liefern flüchtige, also kurzlebige Farben. Denn sie sind zwar von außen bunt, aber haben nicht die zum Färben wichtigeren Inhaltsstoffe. Ich esse sie deswegen lieber, als damit zu färben. Aber für ein kleines Projekt, zum Beispiel auch mit Kindern, können die natürlich auch mal interessant sein!

Tinte aus Pflanzen für Fortgeschrittene

Ich wollte meine Tinte erstmal einfach und auch “kindgerecht” halten. Wenn du dich mit dem Färben schon auskennst, und Beizsalze hast, kannst du aber auch damit experimentieren. Die Kombination aus Beize und Farbstoff kann wie beim Färben auch bei der Tinte die Farbechtheit verbessern.

Alle Avocado-Tinten – zweite von links mit Eisenessig, links alle gemischt.

Ich habe an meine Avocado-Tinte noch wenig selbst angesetzten Eisenessig gegeben. Die Farbe wird damit, wie erwartet, sofort viel dunkler. Dafür neigt die Eisen-Avocadotinte auch mehr dazu, sich am Boden abzusetzen. Wenn dich das stört, verzichte auf das Eisen, oder gib etwas Gummi Arabicum dazu.

Walnusshüllen-Tinte, die dunklere ist mit etwas Eisenessig gemischt.

Mir gefällt das Zeichnen mit der Tinte so gut, dass ich schon die nächste angesetzt habe! Diesmal mit den äußeren Walnusshüllen, die ich zum Färben immer im Atelier habe.

Ich habe früher viel gezeichnet und auch mit Acrylfarben gemalt. Weil ich die Materialien nicht mochte, habe ich mit der Zeit einfach damit aufgehört. Mit Farbe gearbeitet habe ich stattdessen beim Färben mit Pflanzen. Diese einfache DIY-Tinte hat sicher nicht die Beständigkeit vieler gekaufter Farben, dafür weiß ich was drin ist. Für mich schließt sich da ein Kreis, und das waren bestimmt nicht meine letzten Tinten-Versuche!

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Färberpflanzen im November: Färben mit Laub

Seide, Baumwolle und Wolle gefaebrt mit Eicheln

Der Herbst hat Einzug gehalten, die Pflanzen des Sommers sind verblüht, und die Bäume werfen ihr Laub ab. Alles bereitet sich auf den Winter vor. Wir ziehen uns zurück, und zehren von der Ernte der Vormonate.

Wie ist es beim Färben mit Pflanzen? Gibt es da überhaupt noch was zu finden, wenn wir im November draußen nach Färberpflanzen suchen?

Das hängt sicher auch vom Wetter in deiner Region ab, aber ich würde sagen, ja. (Auch wenn ich den Sommer über schon manches für die kalte Jahreszeit gesammelt und getrocknet habe.)

Ich habe auf meinem Spaziergang heute, Anfang November, zum Beispiel noch Walnusslaub gefunden. Besonders wenn Bäume etwas geschützter stehen, kann man auch im November noch Schätze finden. Im vorigen Jahr habe ich im November auch einige Zapfen von Erlen gesammelt, und karamellfarbenes Laub von Rotbuchen. Wenn ich jetzt noch etwas sammle, dann aber vor allem, was ich am Boden finde.

Färben mit Walnussblättern

Im letzten Jahr habe ich mal einen Färbe-Vergleich gemacht: Mit Walnussblättern, die ich früher im Jahr grün gesammelt und dann getrocknet hatte, und solchen, die sich schon am Baum leuchtend gelb verfärbt hatten. Welche färben besser, gibt es einen Unterschied, habe ich mich gefragt.
Mein Fazit war, dass auch die verfärbten Herbstblätter noch intensiv gefärbt haben. Auch spät im Jahr gibt es also noch was zum Färben! Die Zeit der grünen Walnusshüllen, mit denen man so gut färben kann, ist ja nun schon vorbei. Aber Walnussblätter lassen sich glücklicherweise noch länger finden.

Weinroter Blickfang – Blutpflaumen-Blätter

In meinem Lieblingspark steht eine prächtige Blutpflaume. Hier finde ich nach windigen Tagen immer reichlich Laub auf dem Boden, und nehme auch mal nur eine Handvoll Blätter mit. Du findest immer nur wenig davon? Dann kannst du die Blätter auch trocknen, und so weitersammeln, bis du genug für einen kleinen Farbtopf hast. Oder du probierst dich im Bundle Dye oder Eco Print aus – dann genügt auch eine kleine Menge Blätter!

Nach einem heftigeren Sturm vor einigen Tagen hat “meine” Blutpflaume leider gleich einen großen Ast verloren. So konnte ich ausnahmsweise meinen Sammelbeutel mit den Blättern ganz füllen. (Wenn du dich auch nach einem Sturm auf die Suche machen möchtest, sei vorsichtig. Äste könnten auch später noch runterfallen, wenn der Baum beschädigt wurde.)

mit Blutpflaume gefärbte Stoffe

Sammeln mit Verantwortung

Einige Bäume, wie junge Rotbuchen, behalten im Winter ihre Blätter am Baum, während alle anderen Laubbäume kahl sind. Das schützt die jungen Bäume vermutlich über den Winter. Die sollten wir also nicht entblättern für unseren Färbetopf.
Beim Sammeln von Zapfen, Eicheln oder anderen Früchten solltest du auch deine Umgebung beobachten. Gibt es nur wenig davon? Dann überlasse die Wildfrüchte Vögeln und anderen Tieren. Für die ist das wichtige Nahrung. Gibt es reichlich, sammle ich auch mal eine kleine Menge zum Färben.

Färben mit buntem Herbstlaub

Ich sammle also gern Blätter vom Boden, wie bei der Blutpflaume… Entweder nach Stürmen, wenn ganze Zweige mit noch grünen Blättern unten landen, und ich sie auf einem Spaziergang einfach von den Wegen aufheben kann. Oder im Herbst, wenn die Bäume ihr Blätterkleid abwerfen.

Nicht nur mit dem verfärbtem Herbstlaub der Walnuss, sondern auch mit dem von Eiche und Buche habe ich noch schöne Töne gefärbt. Wenn du Blätter vom Boden sammelst, sollten die aber noch möglichst frisch und intakt sein, nicht aufgeweicht oder schon ganz fragil. Blätter die schon lange auf dem Boden liegen oder über Tage in Pfützen eingeweicht sind, würde ich nicht mehr mühselig einsammeln. Wenn sie noch in einem guten Zustand sind (sich die Blattstruktur also noch anfühlt wie bei Blättern am Baum) dann lohnt sich das experimentieren beim Farben bestimmt!

Hast du noch Ideen zu dem Thema? Oder sammelst du im Herbst lieber gar nichts mehr?

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Interessieren dich außer den Pflanzen auch Färbepilze? Dann ist dieses Buch vielleicht genau das Richtige:

Wilde Färberpflanzen sammeln

Wiese mit Faerberpflanzen, bluehender Wilder Moehre

Die sommerliche Fülle an Pflanzen und Blüten lockt gerade! Zum dran Schnuppern beim Spazieren, zum verträumt Anstarren beim auf-der-Wiese-liegen oder zum Sammeln und Färben.
Wenn du beim Sammeln von Wildpflanzen ganz neu bist, dann möchte ich dir dafür ein paar Punkte zur Orientierung geben. Und am Ende stelle ich dir noch drei Pflanzen vor, die du bestimmt finden wirst.

Pflanzen sorgen für uns – Pflanzen stellen Nahrung her, Medizin, Fasern, die uns kleiden und wärmen, sind uns bei Regen auch mal ein Dach über dem Kopf, und Farbstoffe enthalten sie auch. Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen, oder? Wenn ich mir das bewusst mache, empfinde ich große Dankbarkeit dafür. Und ich möchte diese Großzügigkeit mit Rücksicht und Respekt erwidern.

Bei aller Fülle, der Wald, die Wiese, ist kein Supermarkt – nicht alles ist immer in zuverlässiger Menge „erhältlich“, und die Regale werden auch nicht regelmäßig aufgefüllt. Das heißt auf gar keinen Fall, dass wir uns von den Pflanzen in unserer Umgebung fern halten sollen, im Gegenteil – es bedeutet, dass wir sie kennenlernen sollten.

Kennst du deinen Ort?

Das ist zum rücksichtsvollen Sammeln wichtig – wo befinde ich mich? In geschützten Gebieten sollte nicht gesammelt werden. In Parks und Gartenanlagen können verschiedene Regeln gelten. Besonders an Orten die von vielen Menschen besucht werden, wie innerstädtischen Parks, sammle ich lieber Laub oder zum Beispiel Eicheln, wenn sie auf den Boden gefallen sind (oder nach Schnittarbeiten). Gibt es an einem Ort nur wenige Blüten, oder sind gerade die allerersten Frühblüher erwacht? Dann haben Insekten, die Pollen oder Nektar sammeln, Vorrang.
Ein schöner Nebeneffekt vom “Ort kennenlernen” ist auch das Zuhause-Gefühl, das vielleicht mit der Zeit wächst, wenn du den Ort, die Pflanzen um dich herum eine Weile genauer beobachtest!

Lerne die Pflanze kennen

….die du pflücken möchtest. Es gibt einige Giftpflanzen, manche davon sind fast schon Doppelgänger von ungiftigen Pflanzen. Es gibt so viele Färberpflanzen, dass es meist eine gute Alternative zu giftigen Pflanzen gibt.

Wenn du unsicher bist, fotografiere die Pflanze, dann kannst du sie bestimmen lassen (oder dein Glück mit einer Bestimm-App versuchen). Ein Foto vom Standort, und eines von den Blättern, dem Stiel, der Blüte/Frucht – damit kann man sogar besser bestimmen, als mit einem Zweig oder einem einzelnen abgepflückten Blatt. Und die Pflanze kann an Ort und Stelle bleiben. Am allerbesten lerne ich auf Wildpflanzen-Führungen von anderen Menschen. Da prägen sich mir die Merkmale von Pflanzen viel besser ein, als beim Nachschlagen in Büchern.

Aber zurück zum Sammeln: Nur mitnehmen, wenn du die Pflanze erkennst. Und nur abschneiden, wenn du sie auch mitnehmen möchtest. Vielleicht kennst du diese Regel auch vom Pilzesammeln?

Es gibt natürlich auch seltene, geschützte Pflanzen – vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit (leider) nicht so groß, dass du eine solche findest. Aber auch deshalb ist es wichtig, keine unbekannten Pflanzen zu pflücken.

Bist du im Wald unterwegs, oder auf unberührten Wiesen? Ab April und den Sommer über solltest du dich beim Sammeln auf den Wegen halten, besonders, wenn du mit dem Ort und der Tierwelt nicht so vertraut bist. Bodenbrütende Vögel und andere Tiere sollten in dieser Jahreszeit möglichst ungestört bleiben. Die gute Nachricht ist, dass es entlang von Wegen ohnehin oft auffallend vielseitige Pflanzen gibt!

Und wie läuft das Sammeln nun ab?

Also, du bist nicht in einem besonders geschützten Gebiet, die Pflanzen vor dir sind nicht selten. Wie sammelst du nun?
Überraschenderweise gibt es zur rechtlichen Seite dazu eine sehr anschauliche Vorgabe: Die „Handstraußregelung“:
„Jeder darf danach wild lebende Blumen, (…) sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Ich habe schon verschiedene Versionen davon gehört – nimm nicht mehr als du benötigst, und nur, wenn ausreichend wächst.

Ernte so, dass es auch hinterher noch unberührt aussieht – für mich heißt das, ich ernte nur, wenn es viele Pflanzen gibt, und nehme von jeder einzelnen nur wenig (Blüten/Blätter…). Ich ernte zum Beispiel beim Beifuß die Spitzen, statt ganzer Pflanzen. Das regt sogar noch zum Wachstum an. Eine Freundin sagte vor kurzem „wenn ein Insekt auf der Blüte, ein Vogel auf einem Ast sitzt, haben sie Vorrang” und sie lässt ihnen die Pflanzen. Auf einer Veranstaltung von Wildwärts gab es den Tipp „ein Teil für dich, ein Teil für die Pflanze, und ein Teil für die Feen“ – der natürlich vor allem für Kinder sehr einprägsam ist!

Geben und Nehmen

In Braiding Sweetgrass von Robin Wall Kimmerer (seit Kurzem auch auf Deutsch erhältlich) gibt es zur Honorable Harvest, der ehrbaren Ernte, ein ganzes Kapitel, das wirklich zu lesen lohnt. In ihrer indigenen Tradition sind Respekt und Gegenseitigkeit, auch gegenüber nicht-menschlichen Wesen wie Pflanzen, wichtige Werte. Das heißt unter anderem – nimm nie das erste und nie das letzte was du siehst (also unter Umständen nichts). Die Pflanzen sorgen für uns, wie können wir das respektvoll erwidern? Die Natur ist großzügig, sie schenkt – und wo man beschenkt wird, nimmt man nur, was man verbrauchen kann, man teilt, man stiehlt nicht. Es ist nicht der Platz für Gier, denn es gibt keinen Mangel. Pflanzen werden vor dem Ernten um Erlaubnis gebeten – besonders das klingt für uns erstmal ungewohnt. Vielleicht kannst du trotzdem für dich davon einiges mitnehmen?

Ich ernte in der freien Wildbahn keine Wurzeln zum Färben. So können Stauden wieder austreiben. Ich lasse Blüten stehen, damit sie Samen bilden können. Und für störrische Stiele ist es gut, Schere oder Messer dabeizuhaben, um nicht versehentlich ganze Pflanzen zu entwurzeln. Ich sammle in Stoffbeuteln oder Papiertüten, in denen vorher Obst oder Gemüse war, so kann man die Pflanzen gut luftig transportieren. Und wenn ich dran denke, habe ich noch eine Plastiktüte dabei, um etwas anderes zu sammeln, umherliegenden Müll nämlich. Für ein bisschen praktische Gegenseitigkeit zwischen mir und meiner Umwelt.

Drei Färberpflanzen, die du bestimmt finden kannst

Zumindest sehe ich diese drei Pflanzen zur Zeit ständig, auch wenn ich durch die Stadt spaziere.

Beifuß, Artemisia vulgaris

…ist eine traditionelle Heilpflanze, die früher sehr vielseitig benutzt wurde. Man hat mit ihr auch fettige, schwere Speisen gewürzt, um die Verdauung zu unterstützen. Für beides wird der Beifuß heute wohl nur noch selten genutzt, also warum nicht mal zum Färben testen?

Du erkennst den Beifuß vor allem an seinen gefiederten Blättern mit der typischen hellen, silbergrauen Unterseite.

Ich habe ihn zum Färben kurz vor der Blüte geerntet. Aber wenn du wie viele auf Beifuß allergisch reagierst, lässt du diese Pflanze vielleicht gleich ganz stehen. Meinen Beifuß-Strauß habe ich vom Straßenrand geerntet, auf dem Weg zu unserem Gärtchen. Dort sieht man ihn sehr häufig, auch auf Brachen, an Baustellen und in Parks, die nicht ständig gemäht werden.

Ich bin die Straße ein Stück entlang spaziert, mit Schere wegen der festen Stängel, und habe von jeder Pflanze nur wenige Spitzen geerntet. Und dabei auch schon viel Goldrute erspäht, die auch bald in der ganzen Stadt erblühen wird.

Stoffe und Wolle gefaerbt in hellen Grüntönen, mit einem getrockneten Beifuß-Blatt

Kanadische Goldrute, Solidago canadensis

Über die Goldrute kannst du an anderer Stelle auch ausführlich lesen. Sie gehört auf jeden Fall zu den Färberpflanzen, die reichlich wachsen, und ist wie der Beifuß auch eine Heilpflanze. Du kannst zum Färben sowohl Blätter als auch Blüten verwenden. Ich ernte besonders gern die Blütenstände mit den oberen Blättern, bevor die Knospen sich öffnen.

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man die Goldrute auch jetzt, Mitte Juli schon überall. Aber sobald sie im späten Sommer blüht, ist sie mit den leuchtend gelben Blüten wirklich nicht zu übersehen!

In einigen Gegenden gibt es sogar die Empfehlung, diese Pflanze zu entfernen, da sie sich mit ihren Rhizomen stark ausbreiten kann. Sie kann in bestimmten Biotopen andere Pflanzen verdrängen, und so hat die Kanadische Goldrute, einst als Zierpflanze eingeführt, meist keinen guten Ruf.

In meinem Garten darf sie bleiben. Ich ernte, und entferne, wo sie überhand nimmt. Damit färbe ich dann, oder mach mir auch mal einen Tee. Und genieße ansonsten die Blüten, und die Scharen von Insekten, die sie anlocken.

Also, vielleicht gibt es bei dir in der Nähe ja auch Aktionen, um in besonders geschützten Landschaften die Goldrute zu entfernen? Dann kannst du dabei nach Herzenslust ernten. Das gilt aber nicht überall: Ansonsten gelten für die Goldrute aber die selben Regeln wie für andere Wildpflanzen. Aber einen Färbetopf kann man mit dieser häufigen Pflanze sicher füllen.

Wilde Möhre, Daucus carota

Weil ich die wunderbaren Doldenblüten dieser Pflanze so liebe, ernte ich sie tatsächlich nicht. Du kannst nämlich stattdessen auch mit dem Grün von Karotten färben – in beiden Fällen kannst du leuchtende Gelbtöne färben.
Aber dieses Jahr habe ich sie teils in so großer Menge gesehen, dass ich doch einen Strauß hätte pflücken können. Und die Wilde Möhre eignet sich gut, weil sie anders als viele andere Doldenblütler gut und sicher identifizierbar ist. In dieser Familie gibt es einige giftige Pflanzen, und viele Doldenblütler sehen sich doch ziemlich ähnlich. Zum Beispiel ist der Wiesenkerbel, als ungiftige Färberpflanze, sehr leicht mit dem giftigen Taumel-Kälberkropf oder dem sehr giftigen Gefleckten Schierling zu verwechseln.

Also, die Wilde Möhre unterscheidet sich einerseits durch die Form ihrer Blütenstände, die wie feine, dichte Nester oder Spitzendeckchen aussehen. Und du kannst nach der Haupt-Dolde Ausschau halten – die hat bei der Wilden Möhre in der Mitte eine rote oder fast schwarze Blüte. Die hat bei uns keiner der giftigen Doldenblütler. Zum Färben kannst du Blütenstände und Blätter ernten.

Ich habe viele interessante Gespräche zu diesem Thema gehabt, die diesen Artikel inspiriert haben. Zum Beispiel mit Julia vom Berliner Zauberkraut, die biologische Reiniger herstellt, und Tash von Avantgarden.Life, die unter anderem Pflanzen-Führungen anbietet.

Und hier hat Julia auch noch etwas zum Thema geschrieben, mit Beiträgen aus der Hexenküche Community.

Noch zum Abschluss: Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen. Du solltest keine unbekannten Pflanzen sammeln oder damit färben. Ich übernehme keine Haftung für etwaige negative Folgen.

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Außer Färbepflanzen gibt es auch noch Pilze, mit denen man färben kann!

Was brauche ich wirklich: Equipment zum Pflanzenfärben

Loeffel, Siebe, Tuecher, was brauchst du zum Faerben mit Pflanzen

Das ist eine Frage, die wir in Workshops oft besprochen haben: Welches Equipment zum Pflanzenfärben brauchst du wirklich am Anfang? In den Atelierworkshops konnten alle immer gut sehen und ausprobieren, was benutzt wird, und wofür. In den Onlineworkshops geht das leider nicht ganz so gut. Aber du musst trotzdem nicht in eine riesige Ausstattung investieren, wenn du das Färben mit Pflanzen probieren möchtest. Wenn du also deshalb zweifelst, ob das Färben was für dich ist, dann gibt dir dieser Artikel einen guten Überblick.

Zuerst mal: Eine wichtige Grundregel beim Färben ist, Töpfe, die zum Färben benutzt werden, gehören nicht mehr in die Küche. Das gleiche gilt natürlich für Löffel, Messbecher und ähnliches: Equipment zum Pflanzenfärben sollte nicht mehr für Lebensmittel verwendet werden.

Auch wenn Pflanzen und Mineralien natürlichen Ursprungs sind, können sie giftige, oder reizende Stoffe enthalten. Mit der Zeit können sich solche Stoffe auch anreichern. Deshalb die Empfehlung, lieber gleich zu Anfang wenigstens einen Topf zum Färben zu reservieren.

Sicher kannst du dir, wenn du mit dem Färben beginnst, nicht gleich eine komplette Färbeküche ausstatten – das musst du auch gar nicht! Für den Anfang genügt wirklich ein Topf in einer für dich geeigneten Größe. Und dazu ein paar günstigere Dinge, die du vielleicht auch schon zuhause hast.

Töpfe zum Färben

Die Mehrzahl meiner Färbetöpfe kommen aus Second Hand-Läden oder von den Kleinanzeigen. Wenn du es nicht sehr eilig hast, lohnt es sich, danach Ausschau zu halten.

Gut eignen sich Töpfe aus nicht-reaktivem Material – die also nicht mit deinem Färbesud reagieren. Vor allem für den Anfang ist das die beste Wahl, finde ich. Das können Edelstahltöpfe sein, oder auch Emailletöpfe, solange deren Beschichtung unbeschädigt ist. Diese Töpfe verhalten sich beim Färben neutral, lassen sich am leichtesten reinigen und können für alles benutzt werden.

Andere Töpfe, aus Kupfer oder Eisen, können grundsätzlich auch zum Färben benutzt werden – da kannst du dir zunutze machen, dass das Metall reagiert, und damit auch die Farbtöne beeinflusst. Spuren von Eisen machen Farben zum Beispiel dunkler, und etwas stumpfer. Du kannst dir sicher vorstellen, das Färben kann damit noch etwas abenteuerlicher werden! Denn dann gibt es noch einen weiteren Faktor, der die Farben beeinflussen kann.

Außer einfachen Töpfen in verschiedenen Größen und Kochplatten habe ich im Atelier noch andere Töpfe, die ich sehr häufig benutze: Elektrische Einkochtöpfe. Wenn du ohnehin auf der Suche nach Töpfen mit knapp 30L Volumen bist, dann ist vielleicht so ein Wecktopf (kennst du vielleicht auch als Glühweintopf vom Weihnachtsmarkt) das Richtige. Die haben in der Regel ein eingebautes Thermostat (das einigermaßen zuverlässig ist), und oft auch noch eine Zeitschalt-Automatik.

Gefäße, Gefäße, Gefäße

Neben Töpfen auch sehr praktisch: Eimer, besonders mit Deckel! Vor allem wenn du erstmal nur einen Färbetopf besitzt. Klingt so banal, aber ich die gehören bei mir zum meistbenutzten Equipment zum Pflanzenfärben. In verschließbaren Eimern kannst du auch mal Pflanzenmaterial einweichen, einen Farbsud aufbewahren, oder Beizflüssigkeiten „parken“, bis du sie benutzen möchtest. Sehr, sehr praktisch! Ich habe im Atelier auch Plastikwannen und große Emailleschüsseln, aber für den Anfang würde ich eher verschließbare Behälter empfehlen. Die sind einfach am vielseitigsten. Solche Eimer gibt es in Baumärkten recht günstig. Du kannst auch mal in Restaurants und Imbissen nachfragen, die haben Joghurt und Ähnliches oft in großen Eimern aus stabilem Kunststoff, die man umsonst bekommen kann. Besonders praktisch: Eimer, die innen eine Liter-Skala haben. Einen Milliliter-genauen Messbecher brauche ich eigentlich selten – wenn es wirklich auf Genauigkeit ankommt, dann wiege ich Flüssigkeiten einfach ab.

Für kleinere Mengen genügen natürlich auch Gläser: Mit Schraubdeckel oder Bügelverschluss, von beidem habe ich mehr, als mir lieb ist. Sind einfach praktisch! Und wenn du Gläser von Lebensmitteln wiederverwendest, auch noch quasi umsonst. In denen können auch getrocknete Färberpflanzen aufbewahrt werden, sie sollten dann aber am besten in einem Schrank, also nicht ständig im Sonnenlicht stehen.

Abwiegen und Rühren

Wenn du mit mineralischen Beizen arbeitest, dann ist eine Waage wichtig. Die muss nicht unbedingt auf Nachkommazahlen genau sein. Es reicht meistens eine schlichte Küchenwaage. Eine präzise Feinwaage brauche ich nur, wenn ich Druckpasten herstelle – wenn du das nicht vorhast, dann brauchst du darin nicht zu investieren.

Und klar, wenigstens einen Löffel zum Portionieren solltest du wahrscheinlich in deiner Färbewerkstatt haben. Ich (und auch alle in den Workshops im Atelier) können auf einen Blick Lebensmittellöffel und Färbelöffel unterscheiden: Für’s Färben, und nur dafür, habe ich langstielige Teelöffel (wahrscheinlich heißen die Latte-Macchiato-Löffel?). Vor allem jetzt, da ich wieder häufiger zuhause färbe, statt nur im Atelier, finde ich das sehr praktisch. Aber egal wie du das löst, Hauptsache du weißt, welcher Löffel in deine Färbewerkstatt gehört.

Zum Umrühren benutze ich inzwischen tatsächlich am liebsten glatt geschnitzte Äste. Eine super low-Budget-Lösung, wie ich finde. Ansonsten gibt es im Künstlerbedarf oder Baumarkt auch langstielige Rührhölzer, und auch extra langstielige Holzlöffel. Beides ist oft günstig, aber meistens etwas rau. Die sind nicht so gut für empfindliche Stoffe.

Abgießen und filtern

Es gibt schöne und robuste Edelstahlsiebe – aber die gehören nicht zum unverzichtbaren Equipment zum Pflanzenfärben. Ich finde die einfachste und günstigste Variante sind Tücher wie Käseleinen oder Mullwindeln. Die lassen sich auch gut ausdrücken, wenn du sie zum abseihen vom Färbesud benutzt.

Und sind überhaupt sehr praktisch, um all die Kleckse und Pfützen aufzuwischen.

Die Siebe, die ich daneben am meisten benutze, sind einfache Spargel- oder Nudeleinsätze, die bei einigen Second-Hand-Töpfen dabei waren.

Sicherheit

Für das Beizen und Färben mit Pflanzen solltest du dir dicke Gummihandschuhe zulegen. Wenn du mit fein gemahlenen Pulvern arbeitest, oder auch großen Mengen getrockneter Pflanzen (die beim Abwiegen auch krümeln/stauben), außerdem eine gut sitzende (Staub-)Maske.

Je nachdem wo du arbeitest, kannst du auch eine dicke Folie oder Zeitungspapier gebrauchen, um deine Arbeitsfläche abzudecken. Wenn du in der Küche färbst, solltest du offene Lebensmittel u.ä. beiseite räumen, und nach dem Färben alles einmal gut abwischen.

Bonusmaterial

Ein Thermometer für Beizen und Färbetöpfe – sehr praktisch, aber sicher nichts, was am Anfang unverzichtbar ist. Es macht das Arbeiten schon leichter, und ich möchte es nicht mehr missen. Wenn zum Beispiel Beize oder ein Krapp-Färbebad eine bestimmte Temperatur nicht überschreiten sollen. Aber es geht auch ohne, wenn man den Färbetopf gut im Auge behält, und eher vorsichtig erhitzt.

Hast du noch andere Ideen für eine schnell und günstig eingerichtete Färbeküche? Oder ein “Bonuswerkzeug”, das dir sehr lieb ist, wie mir das Thermometer?

Foto von Faerbetoepfen aus Edelstahl, Text: Was brauchst du zum Pflanzenfaerben? Faerbekueche fuer's kleine  Budget.
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Ostereier mit Pflanzen färben

Eier faerben mit Blueten, Tee und Zwiebeln

Ostereier mit Pflanzen färben kann ein einfaches und spannendes Projekt mit Kindern sein – oder du machst es einfach für dich selbst, so wie ich in diesem Jahr!

Jetzt steht schon das zweite Ostern während der Coronapandemie bevor. Zwar habe ich schon lange keine Ostereier mehr gesucht, aber als Kind war das mein allerliebstes Familienfest. Und um mich etwas zu trösten, dass Familienbesuche nicht möglich sind, habe ich an dieses mir früher so liebe Ritual angeknüpft, und mal wieder selbst Ostereier gefärbt. Deswegen geht es hier auch ausnahmsweise nicht um das Färben von Textilem.

Es gibt verschiedene Methoden dafür, und eigentlich musst du dabei nur zwei Dinge beachten: Eierschalen nicht zerbrechen, und ausschließlich lebensmittelsichere Pflanzen verwenden.

Ich habe mich für eine Kontaktfärbung der Ostereier entschieden: Im Prinzip werden die Eier dabei zu kleinen Bundle-Dye-Bündeln. Ich habe die (rohen) Eier mit den Färbepflanzen zusammen in kleine Stoffstücke eingewickelt. Färbst du mit Kindern? Dann koche die Eier einfach vor. Ich habe Webstoffe genommen, die ich ohnehin überfärben möchte – du könntest auch etwas Elastisches verwenden, Jersey, Feinstrümpfe, dann liegen die Pflanzenteile noch platter an der Eierschale an.


Und dann: Ab in den Kochtopf, zum hart kochen und färben – die Dauer ist von der Größe der Eier abhängig. (Sollte eine Schale rissig werden, dann gehört das Ei in den Kühlschrank und sollte bald gegessen werden. Intakte, hartgekochte Eier, die nicht abgeschreckt werden, können auch bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.) Lass das Ganze nach der Kochzeit noch auskühlen. Dann kannst du die Ostereier auswickeln und die Pflanzenteile entfernen. Ich habe einen Pinsel und auch vorsichtig einen feuchten Schwamm dafür benutzt. Ganz besonders erstrahlen deine gefärbten Eier, wenn du sie mit einem kleinen Tröpfchen Öl einreibst.


Möchtest du möglichst viele Farbnuancen und Abdrücke erkennen, dann verwende dafür weiße Eier. Ich hatte zwei sehr helle und drei dunkle Eier. Benutzt du verschiedene Pflanzen, und möchtest nicht, dass die Pflanzen sich vermischen, dann solltest du die Eier lieber dämpfen, statt sie wie ich zusammen in einen Topf mit Wasser zu geben.

Pflanzen zum Eierfärben

Ich habe in der Küche gestöbert nach Pflanzen zum Färben, und mich für gelbe und rote Zwiebelschalen entschieden, Hibiskusblütentee, und dazu noch ein paar getrocknete Blüten aus dem Garten – Orange Cosmea, Färbermädchenauge und Färberkamille, Stockrose.
Die Kamillenblüten sind recht dick und liegen nicht so gut an, alles andere hat aber gut geklappt. Meine Favoriten: Mal wieder die bescheidene Zwiebelschale, und Hibiskusblüten.

Was auch sicher gut geht: Streifen von Rotkohl, roter Bete, violetter Möhre. Gerade beim Schreiben frage ich mich, ob nicht auch schwarze Linsen ein lustiges Muster machen! Das Tolle am Färben der Ostereier ist ja, dass die Farben vergänglich sein dürfen – und alles hier genannte, das in Violett- und Blautönen färben gehört zu diesen eher flüchtigen Farben (Rote Bete, Rotkohl, violette Blüten…). Für das Färben von Stoffen und Kleidung eignen sich diese Pflanzen deswegen nur bedingt. Aber die Ostereier werden ja nicht allzu alt!


Wie immer gilt, auch Natürliches kann giftig sein. Wenn du schon verschiedene Färberpflanzen zu Hause hast – nicht alle davon sind als lebensmittelsicher zugelassen, bitte recherchiere dazu einmal, bevor du sie für Essbares benutzt! Krapp zum Beispiel wurde früher medizinisch und als Lebensmittelfarbstoff verwendet, aber heute nicht mehr.

Für einfarbige Eier kannst du stattdessen auch Farbsude herstellen: Dafür die Pflanzen mit genügend Wasser bedecken und köcheln, bis der Sud kräftig aussieht. Zutaten aus der Küche könnten zum Beispiel gelbe oder rote Zwiebelschalen sein, Kurkuma, Rotkohl, Rote Bete, Hibiskustee…
Ich wünsch dir viel Freude beim Eierfärben!


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Bücher über’s Färben mit Pflanzen: (m)eine Top 5

Buecher zum Faerben mit Pflanzen

Färbe-Bücher für alle: Kreative, Botaniker*innen und Geschichts-Interessierte

In meinen Workshops, die nun für einige Zeit auf Eis liegen, gibt es nicht nur Färbetöpfe und Lernen durch’s Machen. Auch immer viele Färbeproben zum Ansehen, und Bücher über’s Färben mit Pflanzen zur Inspiration.
Die Färbeworkshops sind ja noch mehr als gemeinsames Lernen und Entdecken. Ein Raum für Gemeinschaft und Austausch (was uns wohl allen gerade am meisten fehlt); das Ausprobieren ohne vorher viel Werkzeug oder Material kaufen zu müssen; das Durchstöbern verschiedener Färbebücher, und vielleicht dabei genau dasjenige Buch zu entdecken, das zu einer*m passt. Und wenigstens letzteres geht ja vielleicht auch hier ganz gut!

Suchst du noch nach einem Buch, in dem du dich den Winter über vertiefen kannst? Ich habe eine ganze Reihe von Büchern über das Färben, und noch einige andere auf der ewigen Wunschliste… Ich bin aber auch schon seit ich lesen kann ein echter Bücherwurm. Am Ende fiel mir die Auswahl nicht ganz leicht, doch diese fünf hier habe ich am häufigsten in der Hand! Einige davon gibt es leider nur auf Englisch, aber alle fünf sind toll zum Schmökern, aus ganz verschiedenen Gründen.

Jenny Dean: Wild Color. The Complete Guide to Making and Using Natural Dyes

Von diesem Buch gibt es einige Ausgaben (meine ist von 2010 Watson-Guptill Publications) – soweit ich weiß, sind sie inhaltlich weitgehend gleich. (Lasse mich gerne berichtigen, wenn das nicht stimmt.)

Das ist meine große Empfehlung, um ins Färben einzusteigen, wenn die Sprache Englisch keine Hürde ist. Das Buch beginnt mit einer historischen Einleitung, und bietet danach einen wirklich umfangreichen Überblick über verschiedene Fasern, Pflanzen, Methoden – dabei bleibt es auch für Anfänger*innen gut verständlich. Aber auch mit fast zehn Jahren Färb-Erfahrung schlage ich immer mal wieder darin nach!
Besonders schön finde ich den zweiten Teil „The Dye Plants“. Auf ein bis zwei Seiten gibt es Hintergrundwissen zu Pflanze, Anbau, Ernte und Färben. Auch ein Foto und am Rand einen kleinen Farbindex. Mit all den Variablen beim Pflanzenfärben ist klar, der Index ist eher eine Inspiration als der exakte Ton, den man selbst Färben wird. Aber trotzdem finde ich ihn ganz hilfreich und inspirierend beim Durchblättern.

Auch nicht ganz unwichtig, die Autorin ist Britin und färbt vor allem mit den Pflanzen, die sie umgeben – aber der Pflanzenteil ist auch für deutsche Leser*innen relevant. Mit Ausnahme einiger historischer Färberpflanzen aus Mittelamerika sind sie fast alle auch hier zu finden. Anders als zum Beispiel manche Bücher mit Fokus auf US-amerikanischer Flora, die zwar schön und interessant sind, aber mit Pflanzen arbeiten, die es hier schlicht nicht gibt.

Ein Buchtipp für alle, die mit dem Pflanzenfärben beginnen möchten. Und für die, die schon Erfahrungen haben, aber gern noch ein gutes Standardwerk zum Thema hätten.

Eberhard Prinz: Färberpflanzen. Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin

2009/2014 Schweizerbart

Ein großartiges Buch für alle, die selbst Pflanzen zum Färben sammeln möchten. Es beginnt mit Kapiteln über die verschiedenen Naturfarbstoffe, das Färben und Hilfsstoffe. Aber den Großteil des Buches macht das Kapitel „Färberpflanzen“ aus. Und das ist auch der Teil, in dem ich immer wieder schmökere.

Auf 250 Seiten (in meiner Ausgabe von 2014) gibt es Pflanzenportraits. Ein ganzseitiges Foto jeder Pflanze, eine kurze Beschreibung, wie damit gefärbt werden kann, häufig Einordnungen zur Lichtechtheit, und dazu Hinweise zur sonstigen kulturellen oder medizinischen Nutzung. Ist eine Pflanze giftig, wird immer darauf hingewiesen – sehr wichtig, bei aller Euphorie für’s experimentelle Entdecken von Pflanzen.

Zu jeder Pflanze gibt es einen kurzen Steckbrief mit Herkunft der Pflanze, dem ungefähren Färbeton, Genaueres zu den wichtigsten enthaltenden Farbstoffen und Stichworte zu den Ländern, in denen sie traditionell verwendet wurde.

Ein schönes Färbebuch für Botanik-Interessierte!

Joy Boutrup, Catherine Ellis: The Art and Science of Natural Dyes. Principles, Experiments, and Results.

2018 Schiffer Publishing

Bisher ist dieses Buch nur auf Englisch erschienen – und ich finde es herausragend. Die Autorinnen bringen hier jahrzehntelange Erfahrung und Fachwissen aus Textilkunst, Chemie und Textiltechnik und historischen Färbetechniken zusammen.

Ich würde es eher denen empfehlen, die bereits Erfahrungen mit dem Färben haben, und ihr Verständnis vertiefen möchten. Denn neben praktischen Anleitungen geht es hier viel um die „Mechanismen“ beim Färbe; also warum funktioniert etwas mal so, und auf einer anderen Faser ganz anders? Es bespricht auch Techniken wie das Drucken, und ausführlich organische Indigoküpen.

Alle Themen sind mit Fotos und vereinzelt Illustrationen bebildert, aber es ist insgesamt ein sehr textlastiges Färbebuch.

Möchtest du mit Pflanzenfarben auch komplexe textile Techniken erkunden, verschiedene Farben und Techniken kombinieren, Drucken, Färben, Entfärben? Dann wirst du dieses Buch sehr hilfreich finden. Ansonsten ist es das ideale Färbebuch für alle Chemie-Begeisterten (zu denen ich mich auch zählen würde).

Helmut Schweppe: Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis

1993 Nikol Verlag

Dieses Buch gibt es nur noch gebraucht zu kaufen, aber oft zu recht verträglichen Preisen, verglichen mit anderen vergriffenen Büchern – und es ist mit 800 Seiten ein echter Wälzer. Ich habe mich auch gefragt, ob es deshalb überhaupt auf diese Liste gehört.

Doch ich bin mir sicher, nicht nur ich habe früher gern Lexika gewälzt, Illustrationen studiert und dabei bisher fremde Wörter, Orte, Personen kennengelernt – und dieses Handbuch ist genau dafür einfach perfekt!

Zwar können wir heute schnell fast alles mit einer Suchmaschine online finden, aber das Blättern in einem dicken Lexikon hat doch einen ganz besonderen Charme. Behandelt wird die Geschichte der Naturfarbstoffe von „ganz früher“ bis ins 19. Jahrhundert mit vielen Tabellen der genutzten Pflanzen. Es listet die verschiedenen Farbstoffgruppen in der Natur, auch mit Strukturformeln (und das auf etwa 400 Seiten). Im letzten Teil geht es ausführlich um die verschiedenen Nachweismöglichkeiten dieser Farbstoffe. Das ist für Färber*innen zwar nicht so alltagsrelevant, aber doch ganz spannend, denn so können historische Stoffe oder Textilfragmente untersucht und bestimmt werden.

Dieses Buch ist das richtige für die, die gern in einem dicken Buch schmökern und querlesen, oder immer mal wieder ganz bestimmte Pflanzen oder Regionen nachschlagen möchten.

Dominique Cardon, Iris Brémaud: Le Cahier de Couleurs d’Antoine Janot. Workbook, Antoine Janot’s Colours.

2020 CNRS Editions

Diesem kleinen Büchlein über historisches Färben mit Pflanzen folgen hoffentlich noch weitere. Es ist eine zweisprachige Ausgabe. Auf Französisch und Englisch gibt es einen Einblick in Arbeit und Farbpalette des französischen Meisterfärbers Antoine Janot aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Autorinnen haben mit viel Recherchearbeit Puzzleteile zusammengesetzt, und schriftliche Rezepte mit noch erhaltenen textilen Färbeproben ergänzt. Bei der Reproduktion der Farben wurde großer Wert darauf gelegt, möglichst nah am Original zu sein.
Das Buch ist eher als Inspiration denn als Anleitung gedacht, einige der Zutaten sind heute nicht mehr gebräuchlich. Die wunderbaren Farben und deren Namen zwischen bildhaft, poetisch und drastisch (Dead leaf, Rotten olive green, Wine soup) sind ein Vergnügen. Und der kleine Einblick in die Präzision, mit der der Färber Janot gearbeitet und an Farbrezepten geknobelt hat wirklich beeindruckend.

Dieses Buch ist genau das richtige, wenn du dich für die Geschichte dieses Handwerks interessierst.

Weiterlesen und Horizont erweitern

Diese Liste hat natürlich nicht den Anspruch, vollständig oder abschließend zu sein. Es gibt noch einige andere Bücher zum Färben mit Pflanzen, die ich sehr wertvoll finde, und auch etliche, auf die ich noch sehr neugierig bin! Vielleicht hast du ja einen anderen Buchtipp, den du teilen möchtest? Ich habe mir für’s nächste Jahr vorgenommen, besonders nach Büchern mit einer anderen Perspektive aufs Thema zu suchen – nach Büchern zum Thema von BIPoC Autor*innen – schreib mir gerne, wenn du dazu eine Empfehlung hast!

PS:
Interessieren dich eher historische Färbungen, aber ganz praxisnah? Mit Jenny Dean’s „A Heritage of Colour. Natural Dyes Past and Present“ gibt es dazu auf knapp 160 Seiten auch ein sehr lesenswertes Büchlein. Hier nähert sich die Autorin experimentell und praktisch dem an, wie historisch in Großbritannien gefärbt wurde.

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Pflanzenfärben 1×1: Diese Stoffe kannst du mit Pflanzen färben

Brennprobe mit Naturfasern und Synthetikfaser-Mix

Um das Färben mit Pflanzen gut zu verstehen, solltest du nicht nur Pflanzen kennenlernen, sondern auch deine Stoffe. Stoffe, gewebt oder gestrickt, umgeben uns ständig. Gleichzeitig wissen wir oft nicht viel über sie und ihre Eigenschaften, wenn wir sie nicht zufällig durch Studium oder ähnliches erkundet haben. Geht’s dir auch so? Dann bekommst du hier einen kleinen Überblick!

Beim Färben mit Pflanzen bekommst du die besten Ergebnisse auf Stoffen aus natürlichen Fasern. Das können tierische Fasern wie Seide, Wolle und andere Tierhaare sein, oder pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Leinen oder Hanf.
Stoffe aus verschiedenen dieser Naturfasern (zum Beispiel einen Stoff aus Baumwolle und Wolle) kannst du ebenso mit Pflanzen färben. Dabei richtest du dich dann nach der empfindlichsten Faser in der Mischung: In dem Beispiel wäre das die Wolle, die bei zu großer Hitze/Reibung verfilzen könnte.

Hast du einen Stoff, der neben einer Naturfaser auch synthetische Fasern, wie zum Beispiel Polyester, enthält? Dann kommt es beim Färben darauf an, wie groß der synthetische Anteil ist. Grundsätzlich kannst du auch ganze Kleidungsstücke färben. Die werden aber in den allermeisten Fällen mit Polyestergarn genäht – und die Nähte nehmen in dem Fall die Farbe nur leicht oder gar nicht an.
Hast du Stoffe, die schon länger im Schrank lagen oder die du geschenkt bekommen hast, und weißt gar nicht, woraus sie genau bestehen? Dann zeige ich dir weiter unten eine einfache Methode, um es herauszufinden.

Mit diesem Trick kannst du die Stoffe unterscheiden

Hast du auch so ein Schulfach oder Modul im Studium, das sich im Nachhinein als eines der spannendsten entpuppt hat? Das dir jetzt in verschiedenen Lebenslagen ganz unerwartet hilft? Nach über zehn Jahren Abstand: Textilkunde ist dieses Fach für mich. Ich kann mich daran besser erinnern als an vieles aus meinem (Modedesign-)Studium – das hätte ich damals nie geglaubt, und so besonders spannend fand ich es auch nicht.
Und was kann daran für dich interessant sein? Die Lupe zum Fadenzählen habe ich nach der letzten Klausur wohl nie benutzt, aber seitdem etliche Male eine Brennprobe gemacht, um Fasern zu erkennen. Griff und Optik von Stoffen geben natürlich schon Hinweise auf die Zusammensetzung, aber die Brennprobe verrät einem noch mehr. Vielleicht ist das alles schon ein alter Hut für dich? Ich hatte vorher noch nie davon gehört und finde es wahnsinnig nützlich.

So machst du eine Brennprobe

Nimm für die Brennprobe am besten eine Pinzette, und such dir eine feuerfeste Unterlage. Von deinem Stoff kannst du einen schmalen Streifen schneiden. Hast du den Verdacht, dass der Stoff aus verschiedenen Fasern besteht, versuche diese einzeln zu testen. Dafür kannst du besonders Webstoffe an der Schnittkante etwas aufribbeln. Dann “pflückst” du dir Garne aus der Schuss- und Kettrichtung (die ist parallel zur Webkante) und die für die Brennprobe nehmen.

Im Video ist die Reihenfolge von oben nach unten: Mix Baumwolle-Synthetik; Baumwolle; Seide; Wolle; Mix Wolle-Synthethik.
Wenn du genau hinschaust, kannst du da schon einige Unterschiede zwischen den Fasern erkennen – achten solltest du bei einer Brennprobe auf folgendes:

  • Ist der Stoff leicht entzündlich? Wie verhält sich die Flamme: lebhaft flackernd, oder erlischt sie schnell? Ist sie hell, eher dunkel, bläulich?
  • Wonach riecht der Rauch?
  • Wie sieht die Asche oder der Brennrückstand aus? Wenn ein fester Rückstand bleibt, kannst du ihn zerreiben?

Baumwolle, Leinen, Hanf: Schaut man sich Gewebe aus diesen pflanzlichen Fasern genauer an, sind Baumwollwebgarne in der Regel glatter/regelmäßiger. Am Brennverhalten kann man sie aber nicht so gut unterscheiden. Baumwolle brennt schnell und mit einer hellen Flamme, sie glüht nach und lässt sich leicht auspusten. Der Rauch riecht wie beim Verbrennen von Papier, auch die Asche sieht ähnlich aus, und ist sehr fein.
Wolle: Die Flamme erlischt schnell, im Vergleich zu Baumwolle ist sie gedämpfter. Der Rauch riecht nach verbranntem Haar. Es bleibt ein blasiger, schwarzer Rückstand, der sich aber leicht zerbröseln oder zerreiben lässt.
Seide: Brennverhalten, Geruch, Rückstand wie bei Wolle – lässt sich aber optisch und am Griff meist gut von Wolle unterscheiden.

Fasermischungen aus Natur- und Synthetikfasern

Im Video zeige ich noch zwei Mischfasern, die uns im Alltag häufig begegnen.
Baumwolle und Polyester: Der Stoff brennt rasch und hell, rußt, und schmilzt tropfenförmig. Der Rauch riecht nicht nach Papier, sondern verbranntem Plastik. Es bleibt ein glänzender, schwarzer Rückstand, der sich nicht verreiben lässt. (Erst anfassen, wenn es abgekühlt ist!)
Wolle und Polyester: Dieses Strickgarn könnte man optisch für reine Wolle halten. Bei der Brennprobe wird der Unterschied sichtbar. Die Flamme brennt hell und lebhaft. Es riecht leicht nach verbranntem Haar, aber auch aromatisch nach Plastik. Der Brennrückstand lässt sich nicht vollständig zerbröseln.

Wenn du noch mehr lesen möchtest, bei Wikipedia gibt es eine Tabelle, die besonders die verschiedenen synthetischen Fasern noch genauer nach ihrem Brennverhalten listet.

Tencel, Modal, Viskose – synthetische Fasern aus natürlichen Rohstoffen

Außerdem gibt es noch die auf den ersten Blick etwas verwirrenden synthetischen Zellulosefasern: zum Beispiel Tencel, Modal, Viskose. Die werden alle synthetisch hergestellt, aber haben den gleichen Grundbaustein wie natürliche Pflanzenfasern, Zellulose. Wenn du zur Herstellung und Nachhaltigkeit dieser Fasern noch mehr lesen möchtest, empfehle ich dir sehr diesen Artikel von Fashion Changers.
Von allen dieser Stoffe habe ich verschiedene Proben gefärbt. Dabei haben nicht alle Stoffe die Farben gleich gut angenommen. Ich vermute, die Unterschiede haben mit der Veredelung der Faser oder der Textilkonstruktion zu tun. Aber grundsätzlich kannst du diese Stoffe auch mit Pflanzen färben!

Und Jersey mit Pflanzen färben?

Ob dein Stoff gewebt ist, oder eine Maschenware wie Jersey, ist also nicht so entscheidend. Wichtig ist sozusagen der Inhalt, die Faserzusammensetzung. Jersey wird manchmal schon fast synonym für elastische Synthetik-Mix-Stoffe verwendet. Jersey ist per se durch die Herstellung schon elastisch, auch wenn er nur aus reiner Baumwolle besteht. Wenn man sich Jersey ganz genau anschaut, kann man sehen, dass er aus Maschen besteht, wie eine Strickmütze, nur viel kleiner, und denen verdankt er seine Dehnbarkeit.