Kategorie: Färberpflanzen

Färberpflanzen im November

Seide, Baumwolle und Wolle gefaebrt mit Eicheln

Der Herbst hat Einzug gehalten, die Pflanzen des Sommers sind verblüht, und die Bäume werfen ihr Laub ab. Alles bereitet sich auf den Winter vor. Wir ziehen uns zurück, und zehren von der Ernte der Vormonate.

Wie ist es beim Färben mit Pflanzen? Gibt es da überhaupt noch was zu finden, wenn wir im November draußen nach Färberpflanzen suchen?

Das hängt sicher auch vom Wetter in deiner Region ab, aber ich würde sagen, ja. (Auch wenn ich den Sommer über schon manches für die kalte Jahreszeit gesammelt und getrocknet habe.)

Ich habe auf meinem Spaziergang heute, Anfang November, zum Beispiel noch Walnusslaub gefunden. Besonders wenn Bäume etwas geschützter stehen, kann man auch im November noch Schätze finden. Im vorigen Jahr habe ich im November auch einige Zapfen von Erlen gesammelt, und karamellfarbenes Laub von Rotbuchen. Wenn ich jetzt noch etwas sammle, dann aber vor allem, was ich am Boden finde.

Färben mit Walnussblättern

Im letzten Jahr habe ich mal einen Färbe-Vergleich gemacht: Mit Walnussblättern, die ich früher im Jahr grün gesammelt und dann getrocknet hatte, und solchen, die sich schon am Baum leuchtend gelb verfärbt hatten. Welche färben besser, gibt es einen Unterschied, habe ich mich gefragt.
Mein Fazit war, dass auch die verfärbten Herbstblätter noch intensiv gefärbt haben. Auch spät im Jahr gibt es also noch was zum Färben! Die Zeit der grünen Walnusshüllen, mit denen man so gut färben kann, ist ja nun schon vorbei. Aber Walnussblätter lassen sich glücklicherweise noch länger finden.

Weinroter Blickfang – Blutpflaumen-Blätter

In meinem Lieblingspark steht eine prächtige Blutpflaume. Hier finde ich nach windigen Tagen immer reichlich Laub auf dem Boden, und nehme auch mal nur eine Handvoll Blätter mit. Du findest immer nur wenig davon? Dann kannst du die Blätter auch trocknen, und so weitersammeln, bis du genug für einen kleinen Farbtopf hast. Oder du probierst dich im Bundle Dye oder Eco Print aus – dann genügt auch eine kleine Menge Blätter!

Nach einem heftigeren Sturm vor einigen Tagen hat „meine“ Blutpflaume leider gleich einen großen Ast verloren. So konnte ich ausnahmsweise meinen Sammelbeutel mit den Blättern ganz füllen. (Wenn du dich auch nach einem Sturm auf die Suche machen möchtest, sei vorsichtig. Äste könnten auch später noch runterfallen, wenn der Baum beschädigt wurde.)

mit Blutpflaume gefärbte Stoffe

Sammeln mit Verantwortung

Einige Bäume, wie junge Rotbuchen, behalten im Winter ihre Blätter am Baum, während alle anderen Laubbäume kahl sind. Das schützt die jungen Bäume vermutlich über den Winter. Die sollten wir also nicht entblättern für unseren Färbetopf.
Beim Sammeln von Zapfen, Eicheln oder anderen Früchten solltest du auch deine Umgebung beobachten. Gibt es nur wenig davon? Dann überlasse die Wildfrüchte Vögeln und anderen Tieren. Für die ist das wichtige Nahrung. Gibt es reichlich, sammle ich auch mal eine kleine Menge zum Färben.

Färben mit buntem Herbstlaub

Ich sammle also gern Blätter vom Boden, wie bei der Blutpflaume… Entweder nach Stürmen, wenn ganze Zweige mit noch grünen Blättern unten landen, und ich sie auf einem Spaziergang einfach von den Wegen aufheben kann. Oder im Herbst, wenn die Bäume ihr Blätterkleid abwerfen.

Nicht nur mit dem verfärbtem Herbstlaub der Walnuss, sondern auch mit dem von Eiche und Buche habe ich noch schöne Töne gefärbt. Wenn du Blätter vom Boden sammelst, sollten die aber noch möglichst frisch und intakt sein, nicht aufgeweicht oder schon ganz fragil. Blätter die schon lange auf dem Boden liegen oder über Tage in Pfützen eingeweicht sind, würde ich nicht mehr mühselig einsammeln. Wenn sie noch in einem guten Zustand sind (sich die Blattstruktur also noch anfühlt wie bei Blättern am Baum) dann lohnt sich das experimentieren beim Farben bestimmt!

Hast du noch Ideen zu dem Thema? Oder sammelst du im Herbst lieber gar nichts mehr?

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Wilde Färberpflanzen sammeln

Wiese mit Faerberpflanzen, bluehender Wilder Moehre

Die sommerliche Fülle an Pflanzen und Blüten lockt gerade! Zum dran Schnuppern beim Spazieren, zum verträumt Anstarren beim auf-der-Wiese-liegen oder zum Sammeln und Färben.
Wenn du beim Sammeln von Wildpflanzen ganz neu bist, dann möchte ich dir dafür ein paar Punkte zur Orientierung geben. Und am Ende stelle ich dir noch drei Pflanzen vor, die du bestimmt finden wirst.

Pflanzen sorgen für uns – Pflanzen stellen Nahrung her, Medizin, Fasern, die uns kleiden und wärmen, sind uns bei Regen auch mal ein Dach über dem Kopf, und Farbstoffe enthalten sie auch. Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen, oder? Wenn ich mir das bewusst mache, empfinde ich große Dankbarkeit dafür. Und ich möchte diese Großzügigkeit mit Rücksicht und Respekt erwidern.

Bei aller Fülle, der Wald, die Wiese, ist kein Supermarkt – nicht alles ist immer in zuverlässiger Menge „erhältlich“, und die Regale werden auch nicht regelmäßig aufgefüllt. Das heißt auf gar keinen Fall, dass wir uns von den Pflanzen in unserer Umgebung fern halten sollen, im Gegenteil – es bedeutet, dass wir sie kennenlernen sollten.

Kennst du deinen Ort?

Das ist zum rücksichtsvollen Sammeln wichtig – wo befinde ich mich? In geschützten Gebieten sollte nicht gesammelt werden. In Parks und Gartenanlagen können verschiedene Regeln gelten. Besonders an Orten die von vielen Menschen besucht werden, wie innerstädtischen Parks, sammle ich lieber Laub oder zum Beispiel Eicheln, wenn sie auf den Boden gefallen sind (oder nach Schnittarbeiten). Gibt es an einem Ort nur wenige Blüten, oder sind gerade die allerersten Frühblüher erwacht? Dann haben Insekten, die Pollen oder Nektar sammeln, Vorrang.
Ein schöner Nebeneffekt vom „Ort kennenlernen“ ist auch das Zuhause-Gefühl, das vielleicht mit der Zeit wächst, wenn du den Ort, die Pflanzen um dich herum eine Weile genauer beobachtest!

Lerne die Pflanze kennen

….die du pflücken möchtest. Es gibt einige Giftpflanzen, manche davon sind fast schon Doppelgänger von ungiftigen Pflanzen. Es gibt so viele Färberpflanzen, dass es meist eine gute Alternative zu giftigen Pflanzen gibt.

Wenn du unsicher bist, fotografiere die Pflanze, dann kannst du sie bestimmen lassen (oder dein Glück mit einer Bestimm-App versuchen). Ein Foto vom Standort, und eines von den Blättern, dem Stiel, der Blüte/Frucht – damit kann man sogar besser bestimmen, als mit einem Zweig oder einem einzelnen abgepflückten Blatt. Und die Pflanze kann an Ort und Stelle bleiben. Am allerbesten lerne ich auf Wildpflanzen-Führungen von anderen Menschen. Da prägen sich mir die Merkmale von Pflanzen viel besser ein, als beim Nachschlagen in Büchern.

Aber zurück zum Sammeln: Nur mitnehmen, wenn du die Pflanze erkennst. Und nur abschneiden, wenn du sie auch mitnehmen möchtest. Vielleicht kennst du diese Regel auch vom Pilzesammeln?

Es gibt natürlich auch seltene, geschützte Pflanzen – vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit (leider) nicht so groß, dass du eine solche findest. Aber auch deshalb ist es wichtig, keine unbekannten Pflanzen zu pflücken.

Bist du im Wald unterwegs, oder auf unberührten Wiesen? Ab April und den Sommer über solltest du dich beim Sammeln auf den Wegen halten, besonders, wenn du mit dem Ort und der Tierwelt nicht so vertraut bist. Bodenbrütende Vögel und andere Tiere sollten in dieser Jahreszeit möglichst ungestört bleiben. Die gute Nachricht ist, dass es entlang von Wegen ohnehin oft auffallend vielseitige Pflanzen gibt!

Und wie läuft das Sammeln nun ab?

Also, du bist nicht in einem besonders geschützten Gebiet, die Pflanzen vor dir sind nicht selten. Wie sammelst du nun?
Überraschenderweise gibt es zur rechtlichen Seite dazu eine sehr anschauliche Vorgabe: Die „Handstraußregelung“:
„Jeder darf danach wild lebende Blumen, (…) sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Ich habe schon verschiedene Versionen davon gehört – nimm nicht mehr als du benötigst, und nur, wenn ausreichend wächst.

Ernte so, dass es auch hinterher noch unberührt aussieht – für mich heißt das, ich ernte nur, wenn es viele Pflanzen gibt, und nehme von jeder einzelnen nur wenig (Blüten/Blätter…). Ich ernte zum Beispiel beim Beifuß die Spitzen, statt ganzer Pflanzen. Das regt sogar noch zum Wachstum an. Eine Freundin sagte vor kurzem „wenn ein Insekt auf der Blüte, ein Vogel auf einem Ast sitzt, haben sie Vorrang“ und sie lässt ihnen die Pflanzen. Auf einer Veranstaltung von Wildwärts gab es den Tipp „ein Teil für dich, ein Teil für die Pflanze, und ein Teil für die Feen“ – der natürlich vor allem für Kinder sehr einprägsam ist!

Geben und Nehmen

In Braiding Sweetgrass von Robin Wall Kimmerer (seit Kurzem auch auf Deutsch erhältlich) gibt es zur Honorable Harvest, der ehrbaren Ernte, ein ganzes Kapitel, das wirklich zu lesen lohnt. In ihrer indigenen Tradition sind Respekt und Gegenseitigkeit, auch gegenüber nicht-menschlichen Wesen wie Pflanzen, wichtige Werte. Das heißt unter anderem – nimm nie das erste und nie das letzte was du siehst (also unter Umständen nichts). Die Pflanzen sorgen für uns, wie können wir das respektvoll erwidern? Die Natur ist großzügig, sie schenkt – und wo man beschenkt wird, nimmt man nur, was man verbrauchen kann, man teilt, man stiehlt nicht. Es ist nicht der Platz für Gier, denn es gibt keinen Mangel. Pflanzen werden vor dem Ernten um Erlaubnis gebeten – besonders das klingt für uns erstmal ungewohnt. Vielleicht kannst du trotzdem für dich davon einiges mitnehmen?

Ich ernte in der freien Wildbahn keine Wurzeln zum Färben. So können Stauden wieder austreiben. Ich lasse Blüten stehen, damit sie Samen bilden können. Und für störrische Stiele ist es gut, Schere oder Messer dabeizuhaben, um nicht versehentlich ganze Pflanzen zu entwurzeln. Ich sammle in Stoffbeuteln oder Papiertüten, in denen vorher Obst oder Gemüse war, so kann man die Pflanzen gut luftig transportieren. Und wenn ich dran denke, habe ich noch eine Plastiktüte dabei, um etwas anderes zu sammeln, umherliegenden Müll nämlich. Für ein bisschen praktische Gegenseitigkeit zwischen mir und meiner Umwelt.

Drei Färberpflanzen, die du bestimmt finden kannst

Zumindest sehe ich diese drei Pflanzen zur Zeit ständig, auch wenn ich durch die Stadt spaziere.

Beifuß, Artemisia vulgaris

…ist eine traditionelle Heilpflanze, die früher sehr vielseitig benutzt wurde. Man hat mit ihr auch fettige, schwere Speisen gewürzt, um die Verdauung zu unterstützen. Für beides wird der Beifuß heute wohl nur noch selten genutzt, also warum nicht mal zum Färben testen?

Du erkennst den Beifuß vor allem an seinen gefiederten Blättern mit der typischen hellen, silbergrauen Unterseite.

Ich habe ihn zum Färben kurz vor der Blüte geerntet. Aber wenn du wie viele auf Beifuß allergisch reagierst, lässt du diese Pflanze vielleicht gleich ganz stehen. Meinen Beifuß-Strauß habe ich vom Straßenrand geerntet, auf dem Weg zu unserem Gärtchen. Dort sieht man ihn sehr häufig, auch auf Brachen, an Baustellen und in Parks, die nicht ständig gemäht werden.

Ich bin die Straße ein Stück entlang spaziert, mit Schere wegen der festen Stängel, und habe von jeder Pflanze nur wenige Spitzen geerntet. Und dabei auch schon viel Goldrute erspäht, die auch bald in der ganzen Stadt erblühen wird.

Stoffe und Wolle gefaerbt in hellen Grüntönen, mit einem getrockneten Beifuß-Blatt

Kanadische Goldrute, Solidago canadensis

Über die Goldrute kannst du an anderer Stelle auch ausführlich lesen. Sie gehört auf jeden Fall zu den Färberpflanzen, die reichlich wachsen, und ist wie der Beifuß auch eine Heilpflanze. Du kannst zum Färben sowohl Blätter als auch Blüten verwenden. Ich ernte besonders gern die Blütenstände mit den oberen Blättern, bevor die Knospen sich öffnen.

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man die Goldrute auch jetzt, Mitte Juli schon überall. Aber sobald sie im späten Sommer blüht, ist sie mit den leuchtend gelben Blüten wirklich nicht zu übersehen!

In einigen Gegenden gibt es sogar die Empfehlung, diese Pflanze zu entfernen, da sie sich mit ihren Rhizomen stark ausbreiten kann. Sie kann in bestimmten Biotopen andere Pflanzen verdrängen, und so hat die Kanadische Goldrute, einst als Zierpflanze eingeführt, meist keinen guten Ruf.

In meinem Garten darf sie bleiben. Ich ernte, und entferne, wo sie überhand nimmt. Damit färbe ich dann, oder mach mir auch mal einen Tee. Und genieße ansonsten die Blüten, und die Scharen von Insekten, die sie anlocken.

Also, vielleicht gibt es bei dir in der Nähe ja auch Aktionen, um in besonders geschützten Landschaften die Goldrute zu entfernen? Dann kannst du dabei nach Herzenslust ernten. Das gilt aber nicht überall: Ansonsten gelten für die Goldrute aber die selben Regeln wie für andere Wildpflanzen. Aber einen Färbetopf kann man mit dieser häufigen Pflanze sicher füllen.

Wilde Möhre, Daucus carota

Weil ich die wunderbaren Doldenblüten dieser Pflanze so liebe, ernte ich sie tatsächlich nicht. Du kannst nämlich stattdessen auch mit dem Grün von Karotten färben – in beiden Fällen kannst du leuchtende Gelbtöne färben.
Aber dieses Jahr habe ich sie teils in so großer Menge gesehen, dass ich doch einen Strauß hätte pflücken können. Und die Wilde Möhre eignet sich gut, weil sie anders als viele andere Doldenblütler gut und sicher identifizierbar ist. In dieser Familie gibt es einige giftige Pflanzen, und viele Doldenblütler sehen sich doch ziemlich ähnlich. Zum Beispiel ist der Wiesenkerbel, als ungiftige Färberpflanze, sehr leicht mit dem giftigen Taumel-Kälberkropf oder dem sehr giftigen Gefleckten Schierling zu verwechseln.

Also, die Wilde Möhre unterscheidet sich einerseits durch die Form ihrer Blütenstände, die wie feine, dichte Nester oder Spitzendeckchen aussehen. Und du kannst nach der Haupt-Dolde Ausschau halten – die hat bei der Wilden Möhre in der Mitte eine rote oder fast schwarze Blüte. Die hat bei uns keiner der giftigen Doldenblütler. Zum Färben kannst du Blütenstände und Blätter ernten.

Ich habe viele interessante Gespräche zu diesem Thema gehabt, die diesen Artikel inspiriert haben. Zum Beispiel mit Julia vom Berliner Zauberkraut, die biologische Reiniger herstellt, und Tash von Avantgarden.Life, die unter anderem Pflanzen-Führungen anbietet.

Und hier hat Julia auch noch etwas zum Thema geschrieben, mit Beiträgen aus der Hexenküche Community.

Noch zum Abschluss: Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen. Du solltest keine unbekannten Pflanzen sammeln oder damit färben. Ich übernehme keine Haftung für etwaige negative Folgen.

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Bücher über’s Färben mit Pflanzen: (m)eine Top 5

Buecher zum Faerben mit Pflanzen

Färbe-Bücher für alle: Kreative, Botaniker*innen und Geschichts-Interessierte

In meinen Workshops, die nun für einige Zeit auf Eis liegen, gibt es nicht nur Färbetöpfe und Lernen durch’s Machen. Auch immer viele Färbeproben zum Ansehen, und Bücher über’s Färben mit Pflanzen zur Inspiration.
Die Färbeworkshops sind ja noch mehr als gemeinsames Lernen und Entdecken. Ein Raum für Gemeinschaft und Austausch (was uns wohl allen gerade am meisten fehlt); das Ausprobieren ohne vorher viel Werkzeug oder Material kaufen zu müssen; das Durchstöbern verschiedener Färbebücher, und vielleicht dabei genau dasjenige Buch zu entdecken, das zu einer*m passt. Und wenigstens letzteres geht ja vielleicht auch hier ganz gut!

Suchst du noch nach einem Buch, in dem du dich den Winter über vertiefen kannst? Ich habe eine ganze Reihe von Büchern über das Färben, und noch einige andere auf der ewigen Wunschliste… Ich bin aber auch schon seit ich lesen kann ein echter Bücherwurm. Am Ende fiel mir die Auswahl nicht ganz leicht, doch diese fünf hier habe ich am häufigsten in der Hand! Einige davon gibt es leider nur auf Englisch, aber alle fünf sind toll zum Schmökern, aus ganz verschiedenen Gründen.

Jenny Dean: Wild Color. The Complete Guide to Making and Using Natural Dyes

Von diesem Buch gibt es einige Ausgaben (meine ist von 2010 Watson-Guptill Publications) – soweit ich weiß, sind sie inhaltlich weitgehend gleich. (Lasse mich gerne berichtigen, wenn das nicht stimmt.)

Das ist meine große Empfehlung, um ins Färben einzusteigen, wenn die Sprache Englisch keine Hürde ist. Das Buch beginnt mit einer historischen Einleitung, und bietet danach einen wirklich umfangreichen Überblick über verschiedene Fasern, Pflanzen, Methoden – dabei bleibt es auch für Anfänger*innen gut verständlich. Aber auch mit fast zehn Jahren Färb-Erfahrung schlage ich immer mal wieder darin nach!
Besonders schön finde ich den zweiten Teil „The Dye Plants“. Auf ein bis zwei Seiten gibt es Hintergrundwissen zu Pflanze, Anbau, Ernte und Färben. Auch ein Foto und am Rand einen kleinen Farbindex. Mit all den Variablen beim Pflanzenfärben ist klar, der Index ist eher eine Inspiration als der exakte Ton, den man selbst Färben wird. Aber trotzdem finde ich ihn ganz hilfreich und inspirierend beim Durchblättern.

Auch nicht ganz unwichtig, die Autorin ist Britin und färbt vor allem mit den Pflanzen, die sie umgeben – aber der Pflanzenteil ist auch für deutsche Leser*innen relevant. Mit Ausnahme einiger historischer Färberpflanzen aus Mittelamerika sind sie fast alle auch hier zu finden. Anders als zum Beispiel manche Bücher mit Fokus auf US-amerikanischer Flora, die zwar schön und interessant sind, aber mit Pflanzen arbeiten, die es hier schlicht nicht gibt.

Ein Buchtipp für alle, die mit dem Pflanzenfärben beginnen möchten. Und für die, die schon Erfahrungen haben, aber gern noch ein gutes Standardwerk zum Thema hätten.

Eberhard Prinz: Färberpflanzen. Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin

2009/2014 Schweizerbart

Ein großartiges Buch für alle, die selbst Pflanzen zum Färben sammeln möchten. Es beginnt mit Kapiteln über die verschiedenen Naturfarbstoffe, das Färben und Hilfsstoffe. Aber den Großteil des Buches macht das Kapitel „Färberpflanzen“ aus. Und das ist auch der Teil, in dem ich immer wieder schmökere.

Auf 250 Seiten (in meiner Ausgabe von 2014) gibt es Pflanzenportraits. Ein ganzseitiges Foto jeder Pflanze, eine kurze Beschreibung, wie damit gefärbt werden kann, häufig Einordnungen zur Lichtechtheit, und dazu Hinweise zur sonstigen kulturellen oder medizinischen Nutzung. Ist eine Pflanze giftig, wird immer darauf hingewiesen – sehr wichtig, bei aller Euphorie für’s experimentelle Entdecken von Pflanzen.

Zu jeder Pflanze gibt es einen kurzen Steckbrief mit Herkunft der Pflanze, dem ungefähren Färbeton, Genaueres zu den wichtigsten enthaltenden Farbstoffen und Stichworte zu den Ländern, in denen sie traditionell verwendet wurde.

Ein schönes Färbebuch für Botanik-Interessierte!

Joy Boutrup, Catherine Ellis: The Art and Science of Natural Dyes. Principles, Experiments, and Results.

2018 Schiffer Publishing

Bisher ist dieses Buch nur auf Englisch erschienen – und ich finde es herausragend. Die Autorinnen bringen hier jahrzehntelange Erfahrung und Fachwissen aus Textilkunst, Chemie und Textiltechnik und historischen Färbetechniken zusammen.

Ich würde es eher denen empfehlen, die bereits Erfahrungen mit dem Färben haben, und ihr Verständnis vertiefen möchten. Denn neben praktischen Anleitungen geht es hier viel um die „Mechanismen“ beim Färbe; also warum funktioniert etwas mal so, und auf einer anderen Faser ganz anders? Es bespricht auch Techniken wie das Drucken, und ausführlich organische Indigoküpen.

Alle Themen sind mit Fotos und vereinzelt Illustrationen bebildert, aber es ist insgesamt ein sehr textlastiges Färbebuch.

Möchtest du mit Pflanzenfarben auch komplexe textile Techniken erkunden, verschiedene Farben und Techniken kombinieren, Drucken, Färben, Entfärben? Dann wirst du dieses Buch sehr hilfreich finden. Ansonsten ist es das ideale Färbebuch für alle Chemie-Begeisterten (zu denen ich mich auch zählen würde).

Helmut Schweppe: Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis

1993 Nikol Verlag

Dieses Buch gibt es nur noch gebraucht zu kaufen, aber oft zu recht verträglichen Preisen, verglichen mit anderen vergriffenen Büchern – und es ist mit 800 Seiten ein echter Wälzer. Ich habe mich auch gefragt, ob es deshalb überhaupt auf diese Liste gehört.

Doch ich bin mir sicher, nicht nur ich habe früher gern Lexika gewälzt, Illustrationen studiert und dabei bisher fremde Wörter, Orte, Personen kennengelernt – und dieses Handbuch ist genau dafür einfach perfekt!

Zwar können wir heute schnell fast alles mit einer Suchmaschine online finden, aber das Blättern in einem dicken Lexikon hat doch einen ganz besonderen Charme. Behandelt wird die Geschichte der Naturfarbstoffe von „ganz früher“ bis ins 19. Jahrhundert mit vielen Tabellen der genutzten Pflanzen. Es listet die verschiedenen Farbstoffgruppen in der Natur, auch mit Strukturformeln (und das auf etwa 400 Seiten). Im letzten Teil geht es ausführlich um die verschiedenen Nachweismöglichkeiten dieser Farbstoffe. Das ist für Färber*innen zwar nicht so alltagsrelevant, aber doch ganz spannend, denn so können historische Stoffe oder Textilfragmente untersucht und bestimmt werden.

Dieses Buch ist das richtige für die, die gern in einem dicken Buch schmökern und querlesen, oder immer mal wieder ganz bestimmte Pflanzen oder Regionen nachschlagen möchten.

Dominique Cardon, Iris Brémaud: Le Cahier de Couleurs d’Antoine Janot. Workbook, Antoine Janot’s Colours.

2020 CNRS Editions

Diesem kleinen Büchlein über historisches Färben mit Pflanzen folgen hoffentlich noch weitere. Es ist eine zweisprachige Ausgabe. Auf Französisch und Englisch gibt es einen Einblick in Arbeit und Farbpalette des französischen Meisterfärbers Antoine Janot aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Autorinnen haben mit viel Recherchearbeit Puzzleteile zusammengesetzt, und schriftliche Rezepte mit noch erhaltenen textilen Färbeproben ergänzt. Bei der Reproduktion der Farben wurde großer Wert darauf gelegt, möglichst nah am Original zu sein.
Das Buch ist eher als Inspiration denn als Anleitung gedacht, einige der Zutaten sind heute nicht mehr gebräuchlich. Die wunderbaren Farben und deren Namen zwischen bildhaft, poetisch und drastisch (Dead leaf, Rotten olive green, Wine soup) sind ein Vergnügen. Und der kleine Einblick in die Präzision, mit der der Färber Janot gearbeitet und an Farbrezepten geknobelt hat wirklich beeindruckend.

Dieses Buch ist genau das richtige, wenn du dich für die Geschichte dieses Handwerks interessierst.

Weiterlesen und Horizont erweitern

Diese Liste hat natürlich nicht den Anspruch, vollständig oder abschließend zu sein. Es gibt noch einige andere Bücher zum Färben mit Pflanzen, die ich sehr wertvoll finde, und auch etliche, auf die ich noch sehr neugierig bin! Vielleicht hast du ja einen anderen Buchtipp, den du teilen möchtest? Ich habe mir für’s nächste Jahr vorgenommen, besonders nach Büchern mit einer anderen Perspektive aufs Thema zu suchen – nach Büchern zum Thema von BIPoC Autor*innen – schreib mir gerne, wenn du dazu eine Empfehlung hast!

PS:
Interessieren dich eher historische Färbungen, aber ganz praxisnah? Mit Jenny Dean’s „A Heritage of Colour. Natural Dyes Past and Present“ gibt es dazu auf knapp 160 Seiten auch ein sehr lesenswertes Büchlein. Hier nähert sich die Autorin experimentell und praktisch dem an, wie historisch in Großbritannien gefärbt wurde.

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Natürlich gelb färben mit Goldrute

Gelbe Stoffe gefaerbt mit Goldrute und Faerbetopf

Ab dem späten Sommer ist sie kaum zu übersehen, steht in voller Blüte: Dann ist der Zeitpunkt gekommen zum Gelb färben mit Goldrute. Wenn ich meinen Garten heute, am 1. September 2020, mit Bildern aus den Vorjahren vergleiche, begann ihre Blütezeit wohl dieses Jahr schon früher als in den Vorjahren. Aber es ist trotzdem noch nicht zu spät dafür!

Ich zähle die Goldrute im Garten mit zu den Färberpflanzen, und sie wächst dort ganz ohne mein Zutun. Die ausdauernde Staude vermehrt selbst sich durch Samen, vor allem aber über Rhizome (also unterirdisch) und ist bei uns vom Nachbarsgarten übergewandert. Ich ernte sie reichlich, und wo sie Beete zu übernehmen droht, buddel ich sie aus.

Am häufigsten sieht man bei uns die Kanadische Goldrute, Solidago canadensis. Sie gilt als sogenannter Neophyt, wurde also nach 1492 in Europa eingeführt. Der Name lässt es anklingen, sie ist in Nordamerika heimisch. „Neophyt“, eingeschleppte invasive Art, beides klingt erstmal nicht so gut. Aber in Deutschland ist die Kanadische Goldrute, die nicht in böser Absicht eingewandert ist, sondern als geschätzte Zierpflanze nach Europa gebracht wurde, tatsächlich nur in begrenzten Gebieten ökologisch problematisch. In den meisten Gebieten hat sie laut dem Bundesamt für Naturschutz „relativ wenig Auswirkungen auf schutzwürdige Elemente der Tier- und Pflanzenwelt“. Also Entwarnung. Und nicht nur das, die Goldrute ist durchaus wertvoll. Sie blüht spät und wird von Insekten umschwirrt, gilt als Heilpflanze – und sie färbt!

Färben mit Goldrute

Ich sammle gern auch Goldrute, um sie zu trocknen und im Winter damit zu färben, habe aber schon häufiger gehört, dass viele Färber*innen damit nicht so gute Ergebnisse hatten.

Nachtrag: Ich vermute, dass diese gemischten Farbergebnisse mit trockener Goldrute etwas mit der Wasserqualität zu tun haben könnte. Mein Berliner Leitungswasser ist einerseits sehr hart, und hat dabei einen neutralen bis minimal alkalischen pH-Wert. Ist dein Wasser sehr weich/sauer, und du hast keinen Erfolg mit dieser Färbepflanze, probiere doch mal Kreide (Calciumcarbonat) zuzusetzen. Hier hat Catherine Ellis über den Zusammenhang von gelben Farbstoffen und pH-Wert geschrieben, sehr interessant!

Einfach und direkt tolle, leuchtende Gelbtöne färbst du am besten mit frischer Goldrute. Im Vergleich mit anderen gelben Pflanzenfarbstoffen, wie der Färberkamille und dem Färberwau, nehme ich bei der Goldrute eher mehr Pflanzenmaterial für intensive Farbergebnisse. Aber weil sie ja praktisch überall und in Massen wächst, ist das kein Problem, solange der Färbetopf groß genug ist!
Gelb Färben kann man mit den Blüten, oder mit Blüten und Blättern, ersteres färbt etwas reinere Töne. Ich achte beim Erhitzen der Pflanzenteile und beim Färben darauf, dass es nicht zu heiß wird. Wenn der Sud länger sprudelnd kocht, passiert es manchmal, dass die Stoffe statt einem satten Gelb eher einen bräunlichen Stich bekommen.

Wie immer beim Färben mit Pflanzen: gut Ding will Weile haben. Auch die Vorbereitung von Stoff oder Wollgarn ist wichtig. Besonders auf pflanzlichen Stoffen wie Baumwollgewebe ist das Vorbeizen sehr wichtig (also generell, aber hier noch viel wichtiger als bei manch anderer Färberpflanze). Auf Wolle und Seide werden die Färbungen der Goldrute in jedem Fall kräftiger – was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, mit Baumwollstoffen zu experimentieren!

Hier habe ich soviel Goldrute gesammelt, wie in meinen Topf passte. Ich habe weder Pflanzen noch Stoffproben abgewogen – aber alle Stoffe waren vorher schon gebeizt. Und immer wieder finde ich es spannend, wie sich unterschiedliche Beizen auf die Farbe auswirken! Die Blüten habe ich mit Wasser aufgegossen, und sie in etwa zwei Stunden langsam erwärmt und simmern lassen. Zum Färben habe ich alles durch ein Tuch gegossen, die Blüten ausgedrückt, und dann Stoffe und Wollgarn hineingegeben. Und nach der ersten Runde habe ich noch weitere Stoffe gefärbt, um den Farbsud zu erschöpfen.

Goldrute trocknen für den Winter

Zum Trocknen schneide ich die Triebe der Goldrute so ab, dass ich vor allem Blüten und wenige Blätter ernte. Wenn es schon kleine Seitentriebe gibt, schneide ich oberhalb davon, damit es hier bald wieder blüht. Am besten ist es die Blüten zu ernten, bevor sie sich vollkommen geöffnet haben. Später geerntete Blüten reifen beim Trocknen zu flauschigen Samen aus.
Zum Trocknen hänge ich die Blüten in Sträußen kopfüber auf, oder lege sie auf Papier oder ein Gitter. Der Platz dafür sollte trocken und schattig sein – ich mache das direkt in der Gartenlaube. Danach bewahre ich sie in großen Papiertüten oder Stoffbeuteln auf. Möchtest du Platz sparen? Dann streife die trockenen Blätter und Blüten von den Stängeln ab, bevor du sie verpackst.

Wenn ich dann mit der Goldrute färben möchte, weiche ich die trockenen Pflanzenteile erst einmal über Nacht kalt ein, bevor ich sie vorsichtig erhitze.

Einfach blau färben mit Indigo: Salz und frischer Färberknöterich

Frische Blaetter von Japanischem Indigo zum Faerben

Diese Methode zum blau färben mit Indigo ist mir inzwischen besonders lieb, weil sie so zugänglich ist. Ohne viel Zubehör kann ich direkt von den Pflanzen im Garten das Indigoblau aus frisch gepflückten Blättern kneten. Am besten funktioniert es mit den frischen Blättern vom Färberknöterich (auch Japanischer Indigo), Polygonum tinctorum. Aber auch mit Waid, Isatis tinctoria, ergaben sich schöne Farben, wenn auch heller. Alles was es dazu braucht, ist eine kleine Menge Salz und den Stoff. Im Vergleich zu den verschiedenen Küpen, mit denen man sonst blau färbt, ist das eine enorme Vereinfachung!

Ein japanisches Rezept geht um die Welt

Vor der Anleitung noch ein wenig Kontext: Zum ersten Mal habe ich von dieser „salt rub method“ in einer Facebook-Gruppe gelesen. „Indigo pigment extraction methods“ empfehle ich allen Indigo-Interessierten. Eine globale Community stellt hier spannende Fragen und teilt Experimente. Die Gruppe ist eine echte Bereicherung! Egal ob du in Kübeln gärtnerst oder auf einem großen Acker, hier findest du andere, die das gleiche probieren, hilfreiche Dokumente und einen Platz für Fragen, die trotzdem noch auftauchen. Gegründet hat die Gruppe Brit Boles, als seaspellfiber bei Instagram zu finden.
Aus der Gruppe kenne ich dieses Video, in dem eine japanische Indigofärberin unter anderem die Salz-Methode demonstriert. Sehr sehenswert! Die Färberei liegt nördlich von Kyoto. Mit Japanisch-Kenntnissen kannst du dich auf der Webseite ja mal umschauen.

Und so färbst du blau mit Indigo und Salz

Diese Methode funktioniert am besten auf tierischen Fasern wie Seide und Wolle. Pflanzliche Fasern kannst du mit Sojamilch vorbehandeln, wenn du sie mit dieser Methode färben möchtest.
Pflücke die Blätter vom Färberknöterich – für eine kräftige Farbe sollte es wenigstens das Doppelte vom Stoffgewicht in Blättern sein. Arbeite möglichst rasch nach dem Pflücken: diese Methode funktioniert dank der Enzyme in der Pflanze, und die werden durch Wärme mit der Zeit abgebaut.
Ich zerrupfe die Blätter einmal, und beginne einen Esslöffel Salz dazuzugeben. Nun wird die Blattmasse mit dem Salz geknetet, bis mehr und mehr Flüssigkeit austritt – je nach Menge der Blätter gebe ich noch etwas Salz dazu. Anschließend gebe ich den Stoff (vorher in Wasser eingweicht und ausgedrückt) in die Masse, und massiere die Flüssigkeit in den Stoff. Wenn du Wolle färbst kann das Reiben die Fasern filzen. In dem Fall knete nur vorsichtig die Flüssigkeit in die Faser.


Je nach Erntezeitpunkt und Faser variieren die Töne von Blau bis zu eher türkisgrünen Tönen. Besonders variabel waren meine Farbergebnisse mit Waidblättern – richtige Blautöne habe ich nur mit dem Färberknöterich bekommen. Möchtest du Blau färben, wie man es sich eher unter Indigo vorstellt, dann empfehle ich dir, eher in einer Küpe zu färben.
Aber auch mit der Salzmethode kannst du Töne vertiefen. Dafür färbst du mehrmals nacheinander. Allerdings brauchst du dafür dann wieder frische Indigoblätter, anders als bei einer Küpe, in der man etliche Farbzüge nacheinander färben kann.
Ich hoffe, du probierst diese Methode aus! Ich freue mich jedes Jahr darauf, wenn die Pflanzen endlich soweit sind.

Lokale Farbe, globaler Kontext

Ich finde es großartig, und wichtig, Färberpflanzen ganz lokal und unkompliziert zu erleben. So wird der Garten oder Hinterhof zur Ressource, und wir können selbst Stoffe färben mit Mitteln, die verständlich und greifbar sind. Für mich ist das ein ganz wichtiger Teil einer gelebten nachhaltigen Kleiderkultur. Und es ist so ein tolles, ermächtigendes Erlebnis! Gleichzeitig frage ich mich mehr und mehr, wo die Grenze zu kultureller Aneignung ist. Auch in diesem Fall. (Viele interessante Gedanken dazu gibt es in den Beiträgen zu #decolonisethegarden bei Instagram.)


Die (Weiter-)Verbreitung von Pflanzen ist „natürlich“, und Teil ihrer Überlebensstrategie. Auch gibt es eine lange Geschichte von Menschen, die Pflanzen gehegt, kultiviert und mit sich genommen und damit weiterverbreitet haben. Aber ich möchte genau hinschauen, wie leicht wird die Realität der Kolonialisierung umerzählt und unsichtbar gemacht. Wie der Rest unserer Welt sähen auch unsere Gärten sehr anders aus ohne Beutezüge der Kolonialmächte. Die nicht nur Sklaven, Waren, Reichtum, fremde Pflanzen verschifften, sondern dabei auch die Idee, dass die Welt unser Garten ist, in dem wir uns überall bedienen können. Ungerechterweise dürfen sich nur manche bedienen, und andere ackern, um den Garten zu pflegen, und selbst ureigene Kulturtechniken und religiöse Praktiken sind Teil des Selbstbedienungsbüffets. Die Idee ist tief verankert und trägt quasi eine Tarnkappe – lange habe ich sie deswegen gar nicht bemerkt. Umso mehr ein Grund, jetzt genauer hinzugucken. Hast du dazu Gedanken? Wir können uns gern in den Kommentaren dazu austauschen!

Zum Abschluss noch eine Buchempfehlung für alle, die selbst Indigo anbauen und ernten möchten: John Marshalls „Soulful Dyeing for All Eternity. Singing the Blues“. Es lohnt sich wirklich, auch wenn der Import nicht günstig ist. Es ist definitiv eines meiner liebsten Bücher.

Färberpflanzen im Garten – Sommer

Collage von zwei Bildern: links ein orangeleuchtender Strauß von Schwefelkosmee, rechts ein Koerbchen voller Blüten von Ringelblume, Mädchenauge und Schwefelkosmee

Neue Webseite, neuer Blog – zum Sprung ins kalte Wasser gibt es einen kurzen Rundgang zu den Färberpflanzen im Garten. Im Frühjahr habe ich viel Saatgut für Färberpflanzen verschickt, und natürlich selbst auch vorgezogen. Statt wie geplant mit einem neuen Workshop zum Färbergarten zu starten, gab es mit Corona plötzlich überhaupt keine Workshops mehr – deshalb habe ich meine Anzucht auf Instagram geteilt. Den ganzen Prozess gibt es bei Instagram noch in den Highlights gespeichert. Und hier geht es jetzt weiter.

Blau: Die Indigo-Pflanzen

Färberknöterich, Polygonum tinctorum, und Waid, Isatis tinctoria, zwei so verschiedene Pflanzen für denselben Farbstoff, das kostbare Indigo. Der Waid, zuerst angeschlagen nach einem Hagel im Juni, nun etwas angeknabbert, ist noch kleiner als im letzten Jahr um diese Zeit. Vom Knöterich gab es sogar schon eine erste Ernte, vor allem um die Pflanzen nach dem Ausknipsen der Triebe zu mehr und buschigerem Wachstum zu ermuntern. Ich bin gespannt, denn nach zwei sehr warmen Sommern ist dieser bisher immer wieder recht kühl, und auch windig, nicht das ideale Klima für den Knöterich. Auch beim Waid hängt der Farbstoffgehalt eng mit der Menge an Sonnenstunden zusammen.

Färbende Blüten ernten

Auf größere Indigoernten warte ich also noch. Und hoffe, es wird bald wieder sonniger dafür! Bei den blühenden Färberpflanzen hat das Ernten aber inzwischen begonnen – Tagetes, Tagetes erecta (in diesem Jahr habe ich zwei verschiedene großblütige Arten), leuchtende Schwefelkosmee, Cosmos sulphureus, und das filigrane Färber-Mädchenauge, Coreopsis tinctoria.

…und Ringelblume, Calendula officinalis, auch diese Blüten können zum Färben verwendet werden. Aber die sammle ich lieber, um damit Ölauszüge herzustellen.

Etwas holprig läuft bisher das Thema gelbe Färberpflanzen im Garten: Färberwau, Reseda luteola, und Färberkamille, Anthemis tinctoria. Von beiden gab es schon die ersten Ernten, aber ob es da gut weitergeht, weiß ich nicht. Jungpflanzen vom Wau sind im Frühjahr immer wieder verschwunden, ob durch Vögel oder Schnecken, ich weiß es nicht. Übrig geblieben sind nur wenige Pflanzen. Im Herbst werde ich diese zweijährige Pflanze dann wieder aussäen, für den nächsten Versuch.


Besonders die zweijährigen Färberkamille-Pflanzen haben schon üppig geblüht, und dann sind einige binnen weniger Tage eingegangen, stark von Läusen befallen. In dem Fall vertraue ich sonst auf Nützlinge wie die Marienkäferlarven und Zeit, aber das Rezept scheint diesmal nicht funktioniert zu haben. Bleibt die Zuversicht, dass die übrigen Pflanzen sich behaupten!

Rote Färberpflanzen im Garten

Und zuletzt noch ein Blick auf den Krapp, auch Färberröte, Rubia tinctorum. Wenn ich mich tatsächlich traue, steht dort am Ende des Sommers endlich eine Ernte an. Das ist etwas Besonderes: als einzige der Pflanzen, die ich zum Färben anbaue, sitzt der begehrte Farbstoff hier in den Wurzeln. Die Ernte wird erst ab dem dritten Jahr empfohlen. Dann sind die Wurzeln schön dick und kräftig.
Ich habe auch zwischendurch nicht geschummelt, und schon die ein oder andere Wurzel ausgebuddelt zum Testen: Das kann man durchaus machen (mit Vorsicht), wenn die Neugier groß ist. Die älteren Krapppflanzen blühen zur Zeit. Viele der Blüten wirken etwas angeknabbert, weshalb es im Herbst wohl wieder nur eine Handvoll Samen zu ernten gibt. Die Pflanzen aus diesem Jahr wachsen und ranken langsam aber sicher – sie haben auch noch drei Sommer Zeit, bevor hier die Ernte ansteht.