Kategorie: mit Pflanzen färben

Bücher über’s Färben mit Pflanzen: (m)eine Top 5

Buecher zum Faerben mit Pflanzen

Färbe-Bücher für alle: Kreative, Botaniker*innen und Geschichts-Interessierte

In meinen Workshops, die nun für einige Zeit auf Eis liegen, gibt es nicht nur Färbetöpfe und Lernen durch’s Machen. Auch immer viele Färbeproben zum Ansehen, und Bücher über’s Färben mit Pflanzen zur Inspiration.
Die Färbeworkshops sind ja noch mehr als gemeinsames Lernen und Entdecken. Ein Raum für Gemeinschaft und Austausch (was uns wohl allen gerade am meisten fehlt); das Ausprobieren ohne vorher viel Werkzeug oder Material kaufen zu müssen; das Durchstöbern verschiedener Färbebücher, und vielleicht dabei genau dasjenige Buch zu entdecken, das zu einer*m passt. Und wenigstens letzteres geht ja vielleicht auch hier ganz gut!

Suchst du noch nach einem Buch, in dem du dich den Winter über vertiefen kannst? Ich habe eine ganze Reihe von Büchern über das Färben, und noch einige andere auf der ewigen Wunschliste… Ich bin aber auch schon seit ich lesen kann ein echter Bücherwurm. Am Ende fiel mir die Auswahl nicht ganz leicht, doch diese fünf hier habe ich am häufigsten in der Hand! Einige davon gibt es leider nur auf Englisch, aber alle fünf sind toll zum Schmökern, aus ganz verschiedenen Gründen.

Jenny Dean: Wild Color. The Complete Guide to Making and Using Natural Dyes

Von diesem Buch gibt es einige Ausgaben (meine ist von 2010 Watson-Guptill Publications) – soweit ich weiß, sind sie inhaltlich weitgehend gleich. (Lasse mich gerne berichtigen, wenn das nicht stimmt.)

Das ist meine große Empfehlung, um ins Färben einzusteigen, wenn die Sprache Englisch keine Hürde ist. Das Buch beginnt mit einer historischen Einleitung, und bietet danach einen wirklich umfangreichen Überblick über verschiedene Fasern, Pflanzen, Methoden – dabei bleibt es auch für Anfänger*innen gut verständlich. Aber auch mit fast zehn Jahren Färb-Erfahrung schlage ich immer mal wieder darin nach!
Besonders schön finde ich den zweiten Teil „The Dye Plants“. Auf ein bis zwei Seiten gibt es Hintergrundwissen zu Pflanze, Anbau, Ernte und Färben. Auch ein Foto und am Rand einen kleinen Farbindex. Mit all den Variablen beim Pflanzenfärben ist klar, der Index ist eher eine Inspiration als der exakte Ton, den man selbst Färben wird. Aber trotzdem finde ich ihn ganz hilfreich und inspirierend beim Durchblättern.

Auch nicht ganz unwichtig, die Autorin ist Britin und färbt vor allem mit den Pflanzen, die sie umgeben – aber der Pflanzenteil ist auch für deutsche Leser*innen relevant. Mit Ausnahme einiger historischer Färberpflanzen aus Mittelamerika sind sie fast alle auch hier zu finden. Anders als zum Beispiel manche Bücher mit Fokus auf US-amerikanischer Flora, die zwar schön und interessant sind, aber mit Pflanzen arbeiten, die es hier schlicht nicht gibt.

Ein Buchtipp für alle, die mit dem Pflanzenfärben beginnen möchten. Und für die, die schon Erfahrungen haben, aber gern noch ein gutes Standardwerk zum Thema hätten.

Eberhard Prinz: Färberpflanzen. Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin

2009/2014 Schweizerbart

Ein großartiges Buch für alle, die selbst Pflanzen zum Färben sammeln möchten. Es beginnt mit Kapiteln über die verschiedenen Naturfarbstoffe, das Färben und Hilfsstoffe. Aber den Großteil des Buches macht das Kapitel „Färberpflanzen“ aus. Und das ist auch der Teil, in dem ich immer wieder schmökere.

Auf 250 Seiten (in meiner Ausgabe von 2014) gibt es Pflanzenportraits. Ein ganzseitiges Foto jeder Pflanze, eine kurze Beschreibung, wie damit gefärbt werden kann, häufig Einordnungen zur Lichtechtheit, und dazu Hinweise zur sonstigen kulturellen oder medizinischen Nutzung. Ist eine Pflanze giftig, wird immer darauf hingewiesen – sehr wichtig, bei aller Euphorie für’s experimentelle Entdecken von Pflanzen.

Zu jeder Pflanze gibt es einen kurzen Steckbrief mit Herkunft der Pflanze, dem ungefähren Färbeton, Genaueres zu den wichtigsten enthaltenden Farbstoffen und Stichworte zu den Ländern, in denen sie traditionell verwendet wurde.

Ein schönes Färbebuch für Botanik-Interessierte!

Joy Boutrup, Catherine Ellis: The Art and Science of Natural Dyes. Principles, Experiments, and Results.

2018 Schiffer Publishing

Bisher ist dieses Buch nur auf Englisch erschienen – und ich finde es herausragend. Die Autorinnen bringen hier jahrzehntelange Erfahrung und Fachwissen aus Textilkunst, Chemie und Textiltechnik und historischen Färbetechniken zusammen.

Ich würde es eher denen empfehlen, die bereits Erfahrungen mit dem Färben haben, und ihr Verständnis vertiefen möchten. Denn neben praktischen Anleitungen geht es hier viel um die „Mechanismen“ beim Färbe; also warum funktioniert etwas mal so, und auf einer anderen Faser ganz anders? Es bespricht auch Techniken wie das Drucken, und ausführlich organische Indigoküpen.

Alle Themen sind mit Fotos und vereinzelt Illustrationen bebildert, aber es ist insgesamt ein sehr textlastiges Färbebuch.

Möchtest du mit Pflanzenfarben auch komplexe textile Techniken erkunden, verschiedene Farben und Techniken kombinieren, Drucken, Färben, Entfärben? Dann wirst du dieses Buch sehr hilfreich finden. Ansonsten ist es das ideale Färbebuch für alle Chemie-Begeisterten (zu denen ich mich auch zählen würde).

Helmut Schweppe: Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis

1993 Nikol Verlag

Dieses Buch gibt es nur noch gebraucht zu kaufen, aber oft zu recht verträglichen Preisen, verglichen mit anderen vergriffenen Büchern – und es ist mit 800 Seiten ein echter Wälzer. Ich habe mich auch gefragt, ob es deshalb überhaupt auf diese Liste gehört.

Doch ich bin mir sicher, nicht nur ich habe früher gern Lexika gewälzt, Illustrationen studiert und dabei bisher fremde Wörter, Orte, Personen kennengelernt – und dieses Handbuch ist genau dafür einfach perfekt!

Zwar können wir heute schnell fast alles mit einer Suchmaschine online finden, aber das Blättern in einem dicken Lexikon hat doch einen ganz besonderen Charme. Behandelt wird die Geschichte der Naturfarbstoffe von „ganz früher“ bis ins 19. Jahrhundert mit vielen Tabellen der genutzten Pflanzen. Es listet die verschiedenen Farbstoffgruppen in der Natur, auch mit Strukturformeln (und das auf etwa 400 Seiten). Im letzten Teil geht es ausführlich um die verschiedenen Nachweismöglichkeiten dieser Farbstoffe. Das ist für Färber*innen zwar nicht so alltagsrelevant, aber doch ganz spannend, denn so können historische Stoffe oder Textilfragmente untersucht und bestimmt werden.

Dieses Buch ist das richtige für die, die gern in einem dicken Buch schmökern und querlesen, oder immer mal wieder ganz bestimmte Pflanzen oder Regionen nachschlagen möchten.

Dominique Cardon, Iris Brémaud: Le Cahier de Couleurs d’Antoine Janot. Workbook, Antoine Janot’s Colours.

2020 CNRS Editions

Diesem kleinen Büchlein über historisches Färben mit Pflanzen folgen hoffentlich noch weitere. Es ist eine zweisprachige Ausgabe. Auf Französisch und Englisch gibt es einen Einblick in Arbeit und Farbpalette des französischen Meisterfärbers Antoine Janot aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Autorinnen haben mit viel Recherchearbeit Puzzleteile zusammengesetzt, und schriftliche Rezepte mit noch erhaltenen textilen Färbeproben ergänzt. Bei der Reproduktion der Farben wurde großer Wert darauf gelegt, möglichst nah am Original zu sein.
Das Buch ist eher als Inspiration denn als Anleitung gedacht, einige der Zutaten sind heute nicht mehr gebräuchlich. Die wunderbaren Farben und deren Namen zwischen bildhaft, poetisch und drastisch (Dead leaf, Rotten olive green, Wine soup) sind ein Vergnügen. Und der kleine Einblick in die Präzision, mit der der Färber Janot gearbeitet und an Farbrezepten geknobelt hat wirklich beeindruckend.

Dieses Buch ist genau das richtige, wenn du dich für die Geschichte dieses Handwerks interessierst.

Weiterlesen und Horizont erweitern

Diese Liste hat natürlich nicht den Anspruch, vollständig oder abschließend zu sein. Es gibt noch einige andere Bücher zum Färben mit Pflanzen, die ich sehr wertvoll finde, und auch etliche, auf die ich noch sehr neugierig bin! Vielleicht hast du ja einen anderen Buchtipp, den du teilen möchtest? Ich habe mir für’s nächste Jahr vorgenommen, besonders nach Büchern mit einer anderen Perspektive aufs Thema zu suchen – nach Büchern zum Thema von BIPoC Autor*innen – schreib mir gerne, wenn du dazu eine Empfehlung hast!

PS:
Interessieren dich eher historische Färbungen, aber ganz praxisnah? Mit Jenny Dean’s „A Heritage of Colour. Natural Dyes Past and Present“ gibt es dazu auf knapp 160 Seiten auch ein sehr lesenswertes Büchlein. Hier nähert sich die Autorin experimentell und praktisch dem an, wie historisch in Großbritannien gefärbt wurde.

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Pflanzenfärben 1×1: Diese Stoffe kannst du mit Pflanzen färben

Brennprobe mit Naturfasern und Synthetikfaser-Mix

Um das Färben mit Pflanzen gut zu verstehen, solltest du nicht nur Pflanzen kennenlernen, sondern auch deine Stoffe. Stoffe, gewebt oder gestrickt, umgeben uns ständig. Gleichzeitig wissen wir oft nicht viel über sie und ihre Eigenschaften, wenn wir sie nicht zufällig durch Studium oder ähnliches erkundet haben. Geht’s dir auch so? Dann bekommst du hier einen kleinen Überblick!

Beim Färben mit Pflanzen bekommst du die besten Ergebnisse auf Stoffen aus natürlichen Fasern. Das können tierische Fasern wie Seide, Wolle und andere Tierhaare sein, oder pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Leinen oder Hanf.
Stoffe aus verschiedenen dieser Naturfasern (zum Beispiel einen Stoff aus Baumwolle und Wolle) kannst du ebenso mit Pflanzen färben. Dabei richtest du dich dann nach der empfindlichsten Faser in der Mischung: In dem Beispiel wäre das die Wolle, die bei zu großer Hitze/Reibung verfilzen könnte.

Hast du einen Stoff, der neben einer Naturfaser auch synthetische Fasern, wie zum Beispiel Polyester, enthält? Dann kommt es beim Färben darauf an, wie groß der synthetische Anteil ist. Grundsätzlich kannst du auch ganze Kleidungsstücke färben. Die werden aber in den allermeisten Fällen mit Polyestergarn genäht – und die Nähte nehmen in dem Fall die Farbe nur leicht oder gar nicht an.
Hast du Stoffe, die schon länger im Schrank lagen oder die du geschenkt bekommen hast, und weißt gar nicht, woraus sie genau bestehen? Dann zeige ich dir weiter unten eine einfache Methode, um es herauszufinden.

Mit diesem Trick kannst du die Stoffe unterscheiden

Hast du auch so ein Schulfach oder Modul im Studium, das sich im Nachhinein als eines der spannendsten entpuppt hat? Das dir jetzt in verschiedenen Lebenslagen ganz unerwartet hilft? Nach über zehn Jahren Abstand: Textilkunde ist dieses Fach für mich. Ich kann mich daran besser erinnern als an vieles aus meinem (Modedesign-)Studium – das hätte ich damals nie geglaubt, und so besonders spannend fand ich es auch nicht.
Und was kann daran für dich interessant sein? Die Lupe zum Fadenzählen habe ich nach der letzten Klausur wohl nie benutzt, aber seitdem etliche Male eine Brennprobe gemacht, um Fasern zu erkennen. Griff und Optik von Stoffen geben natürlich schon Hinweise auf die Zusammensetzung, aber die Brennprobe verrät einem noch mehr. Vielleicht ist das alles schon ein alter Hut für dich? Ich hatte vorher noch nie davon gehört und finde es wahnsinnig nützlich.

So machst du eine Brennprobe

Nimm für die Brennprobe am besten eine Pinzette, und such dir eine feuerfeste Unterlage. Von deinem Stoff kannst du einen schmalen Streifen schneiden. Hast du den Verdacht, dass der Stoff aus verschiedenen Fasern besteht, versuche diese einzeln zu testen. Dafür kannst du besonders Webstoffe an der Schnittkante etwas aufribbeln. Dann „pflückst“ du dir Garne aus der Schuss- und Kettrichtung (die ist parallel zur Webkante) und die für die Brennprobe nehmen.

Im Video ist die Reihenfolge von oben nach unten: Mix Baumwolle-Synthetik; Baumwolle; Seide; Wolle; Mix Wolle-Synthethik.
Wenn du genau hinschaust, kannst du da schon einige Unterschiede zwischen den Fasern erkennen – achten solltest du bei einer Brennprobe auf folgendes:

  • Ist der Stoff leicht entzündlich? Wie verhält sich die Flamme: lebhaft flackernd, oder erlischt sie schnell? Ist sie hell, eher dunkel, bläulich?
  • Wonach riecht der Rauch?
  • Wie sieht die Asche oder der Brennrückstand aus? Wenn ein fester Rückstand bleibt, kannst du ihn zerreiben?

Baumwolle, Leinen, Hanf: Schaut man sich Gewebe aus diesen pflanzlichen Fasern genauer an, sind Baumwollwebgarne in der Regel glatter/regelmäßiger. Am Brennverhalten kann man sie aber nicht so gut unterscheiden. Baumwolle brennt schnell und mit einer hellen Flamme, sie glüht nach und lässt sich leicht auspusten. Der Rauch riecht wie beim Verbrennen von Papier, auch die Asche sieht ähnlich aus, und ist sehr fein.
Wolle: Die Flamme erlischt schnell, im Vergleich zu Baumwolle ist sie gedämpfter. Der Rauch riecht nach verbranntem Haar. Es bleibt ein blasiger, schwarzer Rückstand, der sich aber leicht zerbröseln oder zerreiben lässt.
Seide: Brennverhalten, Geruch, Rückstand wie bei Wolle – lässt sich aber optisch und am Griff meist gut von Wolle unterscheiden.

Fasermischungen aus Natur- und Synthetikfasern

Im Video zeige ich noch zwei Mischfasern, die uns im Alltag häufig begegnen.
Baumwolle und Polyester: Der Stoff brennt rasch und hell, rußt, und schmilzt tropfenförmig. Der Rauch riecht nicht nach Papier, sondern verbranntem Plastik. Es bleibt ein glänzender, schwarzer Rückstand, der sich nicht verreiben lässt. (Erst anfassen, wenn es abgekühlt ist!)
Wolle und Polyester: Dieses Strickgarn könnte man optisch für reine Wolle halten. Bei der Brennprobe wird der Unterschied sichtbar. Die Flamme brennt hell und lebhaft. Es riecht leicht nach verbranntem Haar, aber auch aromatisch nach Plastik. Der Brennrückstand lässt sich nicht vollständig zerbröseln.

Wenn du noch mehr lesen möchtest, bei Wikipedia gibt es eine Tabelle, die besonders die verschiedenen synthetischen Fasern noch genauer nach ihrem Brennverhalten listet.

Tencel, Modal, Viskose – synthetische Fasern aus natürlichen Rohstoffen

Außerdem gibt es noch die auf den ersten Blick etwas verwirrenden synthetischen Zellulosefasern: zum Beispiel Tencel, Modal, Viskose. Die werden alle synthetisch hergestellt, aber haben den gleichen Grundbaustein wie natürliche Pflanzenfasern, Zellulose. Wenn du zur Herstellung und Nachhaltigkeit dieser Fasern noch mehr lesen möchtest, empfehle ich dir sehr diesen Artikel von Fashion Changers.
Von allen dieser Stoffe habe ich verschiedene Proben gefärbt. Dabei haben nicht alle Stoffe die Farben gleich gut angenommen. Ich vermute, die Unterschiede haben mit der Veredelung der Faser oder der Textilkonstruktion zu tun. Aber grundsätzlich kannst du diese Stoffe auch mit Pflanzen färben!

Und Jersey mit Pflanzen färben?

Ob dein Stoff gewebt ist, oder eine Maschenware wie Jersey, ist also nicht so entscheidend. Wichtig ist sozusagen der Inhalt, die Faserzusammensetzung. Jersey wird manchmal schon fast synonym für elastische Synthetik-Mix-Stoffe verwendet. Jersey ist per se durch die Herstellung schon elastisch, auch wenn er nur aus reiner Baumwolle besteht. Wenn man sich Jersey ganz genau anschaut, kann man sehen, dass er aus Maschen besteht, wie eine Strickmütze, nur viel kleiner, und denen verdankt er seine Dehnbarkeit.

Mehr zum Thema Beizen für’s Färben mit Pflanzen gibt es hier:

Pflanzenfärben 1×1: Was ist Beizen?

Aluminiumbeizen fuer Pflanzenfarben

„Was ist dieses Beizen?“ Hast du dich das auch schon gefragt? Wenn du vom Beizen nur eine vage Vorstellung hast, dann weißt du wahrscheinlich schon, dass es „irgendwie ziemlich wichtig“ ist. Ist Beizen ein Thema, vor dem du Respekt hast, oder das dich sogar vom Färben mit Pflanzen abgehalten hat? Nach diesem Artikel fühlst du dich damit sicherer.

Die Beizen ermöglichen, pflanzliche Farben zu „fixieren“ – ich nenne es ungern so, denn das Wort verkürzt ziemlich, dafür kann man sich aber direkt was darunter vorstellen. Das Beizen ist wichtig für gut haltbare Pflanzenfarben, und es erfordert auch ein bisschen Präzision. Aber wenn du es einmal verstanden hast, kannst du es wirklich ohne Probleme selber machen!

Fehler Nummer 1: Essig statt Beize

In Workshops wird mir oft Folgendes erzählt: Erste Färbeversuche hätten gar nicht funktioniert, obwohl einer Anleitung zum Färben gefolgt wurde. Diese Anleitung hat zum Beispiel Essig als Beize genannt, oder auch Backpulver, das helfen sollte, pflanzliche Farben im Stoff zu fixieren. Schon mal vorab: Bitte nicht nachmachen! Funktioniert nämlich mit den Pflanzenfarben so nicht.

So funktionieren pflanzliche Farbstoffe

Um ganz am Anfang zu beginnen – sehr viele der pflanzlichen Farbstoffe gehören zu den sogenannten „additiven“ Farbstoffen*. Einfach gesagt bedeutet das, dass sie sich nicht direkt mit der textilen Faser (also dem Stoff oder Garn, das du färben möchtest) verbinden können. Sie brauchen etwas zum „addieren“, sozusagen ein Mittelstück zum Andocken an die Faser. Mit dem können sie dann eine Bindung eingehen. Dieses Mittelstück (bildlich stelle ich es mir als Brücke vor) ist in dem Fall die Beize: sie verbindet sich einerseits mit dem Textil, und auf der anderen Seite mit dem Farbstoff.

*Außer diesen, auch additiven Beizfarbstoffen genannt, gibt es noch einige „substantive“ Farbstoffe. Die können sich auch ohne Beize mit einer Faser verbinden.

Die Wirkung der Beize

Zum einen nehmen vorgebeizte Fasern, ob Stoff oder Garn, beim Färben mit Pflanzen die Farbe besser (oder überhaupt nennenswert) an. Und zum anderen ist vor allem auf lange Sicht die Haltbarkeit der Farben besser! (Der zweite wichtige Faktor für die Farbechtheit ist übrigens die gewählte Pflanze, denn verschiedene pflanzliche Farbstoffe haben hier ganz verschiedene Eigenschaften. Aber das ist ein anderes Thema.)

Die Funktion der Beize ist also, eine stabile Bindung zwischen Textil und Farbstoff zu ermöglichen. Die Art der Beize, für die du dich entscheidest, hat außerdem noch einen Einfluss auf das Farbergebnis. Zum Teil einen großen Unterschied, wie den zwischen Zitronengelb und Dunkelgrau!

Beizen sind Salze

Wenn wir beim Pflanzenfärben von Beizen sprechen, dann meinen wir damit bestimmte Salze verschiedener Metalle – nicht aber das Speisesalz aus der Küche, Natriumchlorid. Die anfangs genannten Essig und Backpulver sind keine Metallsalze. Sie können Pflanzenfarben verändern (bei manchen Farben sogar sehr radikal), das liegt dann aber an der Veränderung des pH-Werts und verbessert hier nicht die Farbechtheit.

Aus Umwelt- und Gesundheitsgründen sind für mich und dich hier vermutlich vor allem Salze von Aluminium und Eisen relevant.

Wenn man in alten bis sehr alten Färbebüchern liest, findet man auch Rezepte mit anderen Metallsalzen, zum Beispiel Chrom- oder Blei-Beizen. Die werden heute in der Hausfärberei aber überhaupt nicht (mehr) verwendet. Auch wenn man sich auf die beiden oben genannten Beizen beschränkt, kann man ein großes Farbspektrum und gute Haltbarkeit erreichen.

Sicherheit beim Beizen

Beizen im Sommer: im großen Topf an der frischen Luft.
Ich beize gern größere Mengen Stoff auf Vorrat, und im Sommer im liebsten draußen.

Ich empfehle dir, von Anfang an ein paar Regeln beim Umgang mit Beizen zu verinnerlichen – damit bist du, und alle Personen und Haustiere in deinem Haushalt, immer sicher. Im Großen und Ganzen kannst du dir diese Regeln generell für das Färben mit Pflanzen einprägen.

Töpfe und Löffel, die zum Beizen verwendet werden, werden nicht mehr für Lebensmittel verwendet. Wenn du gerade erst beginnst, genügt dir auch ein einziger Topf. Vielleicht findest du einen (aus Edelstahl oder Emaille) auf dem Flohmarkt. Und wenn du dazu vielleicht noch zwei 10-Liter Eimer hast, um Flüssigkeiten zu „parken“, reicht das vollkommen.

Erhitzt du deine Beize, dann achte darauf, deinen Arbeitsraum gut zu belüften, wenn du nicht draußen arbeiten kannst. Trage Gummihandschuhe, wenn du Beize anmischst, oder in die flüssige Beize greifen möchtest. Nicht weil die Beize in üblicher Konzentration ätzend wäre, sondern weil auch die Haut Stoffe absorbieren kann – nur mal angenommen, du möchtest die nächsten vier Jahrzehnte weiter Beizen und mit Pflanzen färben, da könnte sich wahrscheinlich ganz schön was ansammeln… Beschrifte Beizgefäße deutlich mit ihrem Inhalt, lasse sie nicht offen stehen, und Kinder oder Haustiere nicht unbeaufsichtigt damit.

Einige Beizen oder Hilfsstoffe sind sehr feine Pulver – bevor du die in Wasser löst, trage beim Verarbeiten auch einen Atemschutz, gegebenenfalls auch eine Schutzbrille.

Falls bei dir jetzt alle Alarmglocken läuten: Hier gilt einfach „Vorsicht ist besser als Nachsicht“. Das mit der Atemmaske ist vielleicht erstmal lästig – aber letztlich trägst du sie hier nur beim Abwiegen und Einrühren, also wirklich nur für eine kurze Weile.

Aluminiumsalze zum Beizen: Alaun und Kaltbeize

Hauptsächlich gibt es zwei bis drei verschiedene Formen von Aluminium, mit denen Färber*innen arbeiten. Alaun, dessen Kristalle ähnlich aussehen wie Zucker (Kaliumaluminiumsulfat); Aluminiumacetat (oder essigsaure Tonerde), welches man in Deutschland soweit ich weiß nicht in Pulverform kaufen kann; und das häufig als Kaltbeize (oder Kaltbeize-AL) bezeichnete Aluminiumtriformiat, ein sehr feines Pulver (mit Atemmaske arbeiten).

Zwei Beizen: Alaun und Kaltbeize.
links Alaun, körnig wie Zucker; rechts Kaltbeize, fein wie Puderzucker

Welche du benutzt, ist ein bisschen persönliche Vorliebe, oder vielleicht kannst du eine Beize auch einfacher einkaufen. Im Atelier ist die Kaltbeize meine Lieblingbeize – aber für zuhause oder für Anfänger ist auch Alaun toll, weil es durch seine Kristallform keine „Staubgefahr“ zum Einatmen bietet.Für all diese Aluminiumbeizen gibt es verschiedene Rezepte, die zum Teil für verschiedene Fasern „optimiert“ sind. Lass dich nicht irritieren, wenn du ein Rezept empfohlen bekommen hast, und dann ein anderes findest. Auch beim Beizen führen verschiedene Wege ans Ziel. (Nur nicht der Weg, bei dem du Essig zum Beizen nehmen sollst…) Wähle die Methode, die für dich und deine Werkstatt oder Wohnung und deine freien Zeitfenster am besten passt. Meine Lieblingsbeizen besprechen wir ausführlich in den Kursen und im Onlineworkshop.

Beizen mit Eisen

Eisen lässt sich als Eisensulfat (auch Eisenvitriol gennant) in Kristallform kaufen, oder als sogenannter Eisenessig selbst ansetzen. Den Eisenessig kannst du mit Eisenteilen (wie zum Beispiel alten Nägeln), Essigessenz und etwas Wasser selbst anmischen, und dann warten, bis sich etwas tut – das Eisen liegt dann in Form von Eisenacetat vor.

Ich persönlich arbeite lieber mit Eisenessig, aber ein klarer Vorteil von Eisensulfat als Salz ist natürlich, das die Dosierung viel einfacher ist.

Besonders Eisen kann nämlich Fasern brüchig machen, wenn du zuviel davon benutzt. Wenn du also Eisenessig verwendest, verdünne ihn erstmal ordentlich. Diese Eigenschaft von Eisen ist auch der Grund, warum ich es eher selten als Vorbeize nutze, sondern vorsichtig dosiert als Nachbeize. Hier wird eine (verdünnte) Eisenlösung benutzt, um nach dem Färben die Farbe weiter zu entwickeln. Mir ist diese Reihenfolge lieber.

Noch ein letzter Tipp zum Abschluss: Wenn du irgendwo eine Beize kaufst, vielleicht eine, die dir ganz neu ist, dann achte einfach auf die mitgelieferten Sicherheitshinweise. Also das Kleingedruckte, das man gerne übersieht… Die sind für dich eine gute Erinnerung, worauf du beim Umgang mit dem Stoff achten solltest.

Das Thema ist so groß, dass bestimmt noch weitere Artikel dazu folgen. Hast du noch Fragen, oder Wünsche dafür?

Möchtest du noch mehr? Hier gibt es ein (sehr unterhaltsames) Video von maiLab, in dem es auch um Aluminiumsalze (hier in Deos) geht.

Alle Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, doch inhaltliche Fehler können sich einschleichen. Bitte mach dich auch selbst schlau, womit und wie du beizt. Achte auf den richtigen Umgang mit Metallsalzen und arbeite nicht mit dir unbekannten Substanzen. Ich übernehme keine Haftung für etwaige negative Folgen.

Natürlich gelb färben mit Goldrute

Gelbe Stoffe gefaerbt mit Goldrute und Faerbetopf

Ab dem späten Sommer ist sie kaum zu übersehen, steht in voller Blüte: Dann ist der Zeitpunkt gekommen zum Gelb färben mit Goldrute. Wenn ich meinen Garten heute, am 1. September 2020, mit Bildern aus den Vorjahren vergleiche, begann ihre Blütezeit wohl dieses Jahr schon früher als in den Vorjahren. Aber es ist trotzdem noch nicht zu spät dafür!

Ich zähle die Goldrute im Garten mit zu den Färberpflanzen, und sie wächst dort ganz ohne mein Zutun. Die ausdauernde Staude vermehrt selbst sich durch Samen, vor allem aber über Rhizome (also unterirdisch) und ist bei uns vom Nachbarsgarten übergewandert. Ich ernte sie reichlich, und wo sie Beete zu übernehmen droht, buddel ich sie aus.

Am häufigsten sieht man bei uns die Kanadische Goldrute, Solidago canadensis. Sie gilt als sogenannter Neophyt, wurde also nach 1492 in Europa eingeführt. Der Name lässt es anklingen, sie ist in Nordamerika heimisch. „Neophyt“, eingeschleppte invasive Art, beides klingt erstmal nicht so gut. Aber in Deutschland ist die Kanadische Goldrute, die nicht in böser Absicht eingewandert ist, sondern als geschätzte Zierpflanze nach Europa gebracht wurde, tatsächlich nur in begrenzten Gebieten ökologisch problematisch. In den meisten Gebieten hat sie laut dem Bundesamt für Naturschutz „relativ wenig Auswirkungen auf schutzwürdige Elemente der Tier- und Pflanzenwelt“. Also Entwarnung. Und nicht nur das, die Goldrute ist durchaus wertvoll. Sie blüht spät und wird von Insekten umschwirrt, gilt als Heilpflanze – und sie färbt!

Färben mit Goldrute

Ich sammle gern auch Goldrute, um sie zu trocknen und im Winter damit zu färben, habe aber schon häufiger gehört, dass viele Färber*innen damit nicht so gute Ergebnisse hatten. Einfach und direkt tolle, leuchtende Gelbtöne färbst du am besten mit frischer Goldrute. Im Vergleich mit anderen gelben Pflanzenfarbstoffen, wie der Färberkamille und dem Färberwau, nehme ich bei der Goldrute eher mehr Pflanzenmaterial für intensive Farbergebnisse. Aber weil sie ja praktisch überall und in Massen wächst, ist das kein Problem, solange der Färbetopf groß genug ist!
Gelb Färben kann man mit den Blüten, oder mit Blüten und Blättern, ersteres färbt etwas reinere Töne. Ich achte beim Erhitzen der Pflanzenteile und beim Färben darauf, dass es nicht zu heiß wird. Wenn der Sud länger sprudelnd kocht, passiert es manchmal, dass die Stoffe statt einem satten Gelb eher einen bräunlichen Stich bekommen.

Wie immer beim Färben mit Pflanzen: gut Ding will Weile haben. Auch die Vorbereitung von Stoff oder Wollgarn ist wichtig. Besonders auf pflanzlichen Stoffen wie Baumwollgewebe ist das Vorbeizen sehr wichtig (also generell, aber hier noch viel wichtiger als bei manch anderer Färberpflanze). Auf Wolle und Seide werden die Färbungen der Goldrute in jedem Fall kräftiger – was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, mit Baumwollstoffen zu experimentieren!

Hier habe ich soviel Goldrute gesammelt, wie in meinen Topf passte. Ich habe weder Pflanzen noch Stoffproben abgewogen – aber alle Stoffe waren vorher schon gebeizt. Und immer wieder finde ich es spannend, wie sich unterschiedliche Beizen auf die Farbe auswirken! Die Blüten habe ich mit Wasser aufgegossen, und sie in etwa zwei Stunden langsam erwärmt und simmern lassen. Zum Färben habe ich alles durch ein Tuch gegossen, die Blüten ausgedrückt, und dann Stoffe und Wollgarn hineingegeben. Und nach der ersten Runde habe ich noch weitere Stoffe gefärbt, um den Farbsud zu erschöpfen.

Goldrute trocknen für den Winter

Zum Trocknen schneide ich die Triebe der Goldrute so ab, dass ich vor allem Blüten und wenige Blätter ernte. Wenn es schon kleine Seitentriebe gibt, schneide ich oberhalb davon, damit es hier bald wieder blüht. Am besten ist es die Blüten zu ernten, bevor sie sich vollkommen geöffnet haben. Später geerntete Blüten reifen beim Trocknen zu flauschigen Samen aus.
Zum Trocknen hänge ich die Blüten in Sträußen kopfüber auf, oder lege sie auf Papier oder ein Gitter. Der Platz dafür sollte trocken und schattig sein – ich mache das direkt in der Gartenlaube. Danach bewahre ich sie in großen Papiertüten oder Stoffbeuteln auf. Möchtest du Platz sparen? Dann streife die trockenen Blätter und Blüten von den Stängeln ab, bevor du sie verpackst.

Wenn ich dann mit der Goldrute färben möchte, weiche ich die trockenen Pflanzenteile erst einmal über Nacht kalt ein, bevor ich sie vorsichtig erhitze.

Einfach blau färben mit Indigo: Salz und frischer Färberknöterich

Frische Blaetter von Japanischem Indigo zum Faerben

Diese Methode zum blau färben mit Indigo ist mir inzwischen besonders lieb, weil sie so zugänglich ist. Ohne viel Zubehör kann ich direkt von den Pflanzen im Garten das Indigoblau aus frisch gepflückten Blättern kneten. Am besten funktioniert es mit den frischen Blättern vom Färberknöterich (auch Japanischer Indigo), Polygonum tinctorum. Aber auch mit Waid, Isatis tinctoria, ergaben sich schöne Farben, wenn auch heller. Alles was es dazu braucht, ist eine kleine Menge Salz und den Stoff. Im Vergleich zu den verschiedenen Küpen, mit denen man sonst blau färbt, ist das eine enorme Vereinfachung!

Ein japanisches Rezept geht um die Welt

Vor der Anleitung noch ein wenig Kontext: Zum ersten Mal habe ich von dieser „salt rub method“ in einer Facebook-Gruppe gelesen. „Indigo pigment extraction methods“ empfehle ich allen Indigo-Interessierten. Eine globale Community stellt hier spannende Fragen und teilt Experimente. Die Gruppe ist eine echte Bereicherung! Egal ob du in Kübeln gärtnerst oder auf einem großen Acker, hier findest du andere, die das gleiche probieren, hilfreiche Dokumente und einen Platz für Fragen, die trotzdem noch auftauchen. Gegründet hat die Gruppe Brit Boles, als seaspellfiber bei Instagram zu finden.
Aus der Gruppe kenne ich dieses Video, in dem eine japanische Indigofärberin unter anderem die Salz-Methode demonstriert. Sehr sehenswert! Die Färberei liegt nördlich von Kyoto. Mit Japanisch-Kenntnissen kannst du dich auf der Webseite ja mal umschauen.

Und so färbst du blau mit Indigo und Salz

Diese Methode funktioniert am besten auf tierischen Fasern wie Seide und Wolle. Pflanzliche Fasern kannst du mit Sojamilch vorbehandeln, wenn du sie mit dieser Methode färben möchtest.
Pflücke die Blätter vom Färberknöterich – für eine kräftige Farbe sollte es wenigstens das Doppelte vom Stoffgewicht in Blättern sein. Arbeite möglichst rasch nach dem Pflücken: diese Methode funktioniert dank der Enzyme in der Pflanze, und die werden durch Wärme mit der Zeit abgebaut.
Ich zerrupfe die Blätter einmal, und beginne einen Esslöffel Salz dazuzugeben. Nun wird die Blattmasse mit dem Salz geknetet, bis mehr und mehr Flüssigkeit austritt – je nach Menge der Blätter gebe ich noch etwas Salz dazu. Anschließend gebe ich den Stoff (vorher in Wasser eingweicht und ausgedrückt) in die Masse, und massiere die Flüssigkeit in den Stoff. Wenn du Wolle färbst kann das Reiben die Fasern filzen. In dem Fall knete nur vorsichtig die Flüssigkeit in die Faser.


Je nach Erntezeitpunkt und Faser variieren die Töne von Blau bis zu eher türkisgrünen Tönen. Besonders variabel waren meine Farbergebnisse mit Waidblättern – richtige Blautöne habe ich nur mit dem Färberknöterich bekommen. Möchtest du Blau färben, wie man es sich eher unter Indigo vorstellt, dann empfehle ich dir, eher in einer Küpe zu färben.
Aber auch mit der Salzmethode kannst du Töne vertiefen. Dafür färbst du mehrmals nacheinander. Allerdings brauchst du dafür dann wieder frische Indigoblätter, anders als bei einer Küpe, in der man etliche Farbzüge nacheinander färben kann.
Ich hoffe, du probierst diese Methode aus! Ich freue mich jedes Jahr darauf, wenn die Pflanzen endlich soweit sind.

Lokale Farbe, globaler Kontext

Ich finde es großartig, und wichtig, Färberpflanzen ganz lokal und unkompliziert zu erleben. So wird der Garten oder Hinterhof zur Ressource, und wir können selbst Stoffe färben mit Mitteln, die verständlich und greifbar sind. Für mich ist das ein ganz wichtiger Teil einer gelebten nachhaltigen Kleiderkultur. Und es ist so ein tolles, ermächtigendes Erlebnis! Gleichzeitig frage ich mich mehr und mehr, wo die Grenze zu kultureller Aneignung ist. Auch in diesem Fall. (Viele interessante Gedanken dazu gibt es in den Beiträgen zu #decolonisethegarden bei Instagram.)


Die (Weiter-)Verbreitung von Pflanzen ist „natürlich“, und Teil ihrer Überlebensstrategie. Auch gibt es eine lange Geschichte von Menschen, die Pflanzen gehegt, kultiviert und mit sich genommen und damit weiterverbreitet haben. Aber ich möchte genau hinschauen, wie leicht wird die Realität der Kolonialisierung umerzählt und unsichtbar gemacht. Wie der Rest unserer Welt sähen auch unsere Gärten sehr anders aus ohne Beutezüge der Kolonialmächte. Die nicht nur Sklaven, Waren, Reichtum, fremde Pflanzen verschifften, sondern dabei auch die Idee, dass die Welt unser Garten ist, in dem wir uns überall bedienen können. Ungerechterweise dürfen sich nur manche bedienen, und andere ackern, um den Garten zu pflegen, und selbst ureigene Kulturtechniken und religiöse Praktiken sind Teil des Selbstbedienungsbüffets. Die Idee ist tief verankert und trägt quasi eine Tarnkappe – lange habe ich sie deswegen gar nicht bemerkt. Umso mehr ein Grund, jetzt genauer hinzugucken. Hast du dazu Gedanken? Wir können uns gern in den Kommentaren dazu austauschen!

Zum Abschluss noch eine Buchempfehlung für alle, die selbst Indigo anbauen und ernten möchten: John Marshalls „Soulful Dyeing for All Eternity. Singing the Blues“. Es lohnt sich wirklich, auch wenn der Import nicht günstig ist. Es ist definitiv eines meiner liebsten Bücher.