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Natürlich gelb färben mit Goldrute

Ab dem späten Sommer ist sie kaum zu übersehen, steht in voller Blüte: Dann ist der Zeitpunkt gekommen zum Gelb färben mit Goldrute. Wenn ich meinen Garten heute, am 1. September 2020, mit Bildern aus den Vorjahren vergleiche, begann ihre Blütezeit wohl dieses Jahr schon früher als in den Vorjahren. Aber es ist trotzdem noch nicht zu spät dafür!

Ich zähle die Goldrute im Garten mit zu den Färberpflanzen, und sie wächst dort ganz ohne mein Zutun. Die ausdauernde Staude vermehrt selbst sich durch Samen, vor allem aber über Rhizome (also unterirdisch) und ist bei uns vom Nachbarsgarten übergewandert. Ich ernte sie reichlich, und wo sie Beete zu übernehmen droht, buddel ich sie aus.

Am häufigsten sieht man bei uns die Kanadische Goldrute, Solidago canadensis. Sie gilt als sogenannter Neophyt, wurde also nach 1492 in Europa eingeführt. Der Name lässt es anklingen, sie ist in Nordamerika heimisch. „Neophyt“, eingeschleppte invasive Art, beides klingt erstmal nicht so gut. Aber in Deutschland ist die Kanadische Goldrute, die nicht in böser Absicht eingewandert ist, sondern als geschätzte Zierpflanze nach Europa gebracht wurde, tatsächlich nur in begrenzten Gebieten ökologisch problematisch. In den meisten Gebieten hat sie laut dem Bundesamt für Naturschutz „relativ wenig Auswirkungen auf schutzwürdige Elemente der Tier- und Pflanzenwelt“. Also Entwarnung. Und nicht nur das, die Goldrute ist durchaus wertvoll. Sie blüht spät und wird von Insekten umschwirrt, gilt als Heilpflanze – und sie färbt!

Färben mit Goldrute

Ich sammle gern auch Goldrute, um sie zu trocknen und im Winter damit zu färben, habe aber schon häufiger gehört, dass viele Färber*innen damit nicht so gute Ergebnisse hatten. Einfach und direkt tolle, leuchtende Gelbtöne färbst du am besten mit frischer Goldrute. Im Vergleich mit anderen gelben Pflanzenfarbstoffen, wie der Färberkamille und dem Färberwau, nehme ich bei der Goldrute eher mehr Pflanzenmaterial für intensive Farbergebnisse. Aber weil sie ja praktisch überall und in Massen wächst, ist das kein Problem, solange der Färbetopf groß genug ist!
Gelb Färben kann man mit den Blüten, oder mit Blüten und Blättern, ersteres färbt etwas reinere Töne. Ich achte beim Erhitzen der Pflanzenteile und beim Färben darauf, dass es nicht zu heiß wird. Wenn der Sud länger sprudelnd kocht, passiert es manchmal, dass die Stoffe statt einem satten Gelb eher einen bräunlichen Stich bekommen.

Wie immer beim Färben mit Pflanzen: gut Ding will Weile haben. Auch die Vorbereitung von Stoff oder Wollgarn ist wichtig. Besonders auf pflanzlichen Stoffen wie Baumwollgewebe ist das Vorbeizen sehr wichtig (also generell, aber hier noch viel wichtiger als bei manch anderer Färberpflanze). Auf Wolle und Seide werden die Färbungen der Goldrute in jedem Fall kräftiger – was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, mit Baumwollstoffen zu experimentieren!

Hier habe ich soviel Goldrute gesammelt, wie in meinen Topf passte. Ich habe weder Pflanzen noch Stoffproben abgewogen – aber alle Stoffe waren vorher schon gebeizt. Und immer wieder finde ich es spannend, wie sich unterschiedliche Beizen auf die Farbe auswirken! Die Blüten habe ich mit Wasser aufgegossen, und sie in etwa zwei Stunden langsam erwärmt und simmern lassen. Zum Färben habe ich alles durch ein Tuch gegossen, die Blüten ausgedrückt, und dann Stoffe und Wollgarn hineingegeben. Und nach der ersten Runde habe ich noch weitere Stoffe gefärbt, um den Farbsud zu erschöpfen.

Goldrute trocknen für den Winter

Zum Trocknen schneide ich die Triebe der Goldrute so ab, dass ich vor allem Blüten und wenige Blätter ernte. Wenn es schon kleine Seitentriebe gibt, schneide ich oberhalb davon, damit es hier bald wieder blüht. Am besten ist es die Blüten zu ernten, bevor sie sich vollkommen geöffnet haben. Später geerntete Blüten reifen beim Trocknen zu flauschigen Samen aus.
Zum Trocknen hänge ich die Blüten in Sträußen kopfüber auf, oder lege sie auf Papier oder ein Gitter. Der Platz dafür sollte trocken und schattig sein – ich mache das direkt in der Gartenlaube. Danach bewahre ich sie in großen Papiertüten oder Stoffbeuteln auf. Möchtest du Platz sparen? Dann streife die trockenen Blätter und Blüten von den Stängeln ab, bevor du sie verpackst.

Wenn ich dann mit der Goldrute färben möchte, weiche ich die trockenen Pflanzenteile erst einmal über Nacht kalt ein, bevor ich sie vorsichtig erhitze.

Färberpflanzen im Garten – Sommer

Collage von zwei Bildern: links ein orangeleuchtender Strauß von Schwefelkosmee, rechts ein Koerbchen voller Blüten von Ringelblume, Mädchenauge und Schwefelkosmee

Neue Webseite, neuer Blog – zum Sprung ins kalte Wasser gibt es einen kurzen Rundgang zu den Färberpflanzen im Garten. Im Frühjahr habe ich viel Saatgut für Färberpflanzen verschickt, und natürlich selbst auch vorgezogen. Statt wie geplant mit einem neuen Workshop zum Färbergarten zu starten, gab es mit Corona plötzlich überhaupt keine Workshops mehr – deshalb habe ich meine Anzucht auf Instagram geteilt. (Den ganzen Prozess gibt es bei Instagram noch @still_garments in den Highlights). Und hier geht es jetzt weiter.

Blau: Die Indigo-Pflanzen

Färberknöterich, Polygonum tinctorum, und Waid, Isatis tinctoria, zwei so verschiedene Pflanzen für denselben Farbstoff, das kostbare Indigo. Der Waid, zuerst angeschlagen nach einem Hagel im Juni, nun etwas angeknabbert, ist noch kleiner als im letzten Jahr um diese Zeit. Vom Knöterich gab es sogar schon eine erste Ernte, vor allem um die Pflanzen nach dem Ausknipsen der Triebe zu mehr und buschigerem Wachstum zu ermuntern. Ich bin gespannt, denn nach zwei sehr warmen Sommern ist dieser bisher immer wieder recht kühl, und auch windig, nicht das ideale Klima für den Knöterich. Auch beim Waid hängt der Farbstoffgehalt eng mit der Menge an Sonnenstunden zusammen.

Färbende Blüten ernten

Auf größere Indigoernten warte ich also noch. Und hoffe, es wird bald wieder sonniger dafür! Bei den blühenden Färberpflanzen hat das Ernten aber inzwischen begonnen – Tagetes, Tagetes erecta (in diesem Jahr habe ich zwei verschiedene großblütige Arten), leuchtende Schwefelkosmee, Cosmos sulphureus, und das filigrane Färber-Mädchenauge, Coreopsis tinctoria.

…und Ringelblume, Calendula officinalis, auch diese Blüten können zum Färben verwendet werden. Aber die sammle ich lieber, um damit Ölauszüge herzustellen.

Etwas holprig läuft bisher das Thema gelbe Färberpflanzen im Garten: Färberwau, Reseda luteola, und Färberkamille, Anthemis tinctoria. Von beiden gab es schon die ersten Ernten, aber ob es da gut weitergeht, weiß ich nicht. Jungpflanzen vom Wau sind im Frühjahr immer wieder verschwunden, ob durch Vögel oder Schnecken, ich weiß es nicht. Übrig geblieben sind nur wenige Pflanzen. Im Herbst werde ich diese zweijährige Pflanze dann wieder aussäen, für den nächsten Versuch.


Besonders die zweijährigen Färberkamille-Pflanzen haben schon üppig geblüht, und dann sind einige binnen weniger Tage eingegangen, stark von Läusen befallen. In dem Fall vertraue ich sonst auf Nützlinge wie die Marienkäferlarven und Zeit, aber das Rezept scheint diesmal nicht funktioniert zu haben. Bleibt die Zuversicht, dass die übrigen Pflanzen sich behaupten!

Rote Färberpflanzen im Garten

Und zuletzt noch ein Blick auf den Krapp, auch Färberröte, Rubia tinctorum. Wenn ich mich tatsächlich traue, steht dort am Ende des Sommers endlich eine Ernte an. Das ist etwas Besonderes: als einzige der Pflanzen, die ich zum Färben anbaue, sitzt der begehrte Farbstoff hier in den Wurzeln. Die Ernte wird erst ab dem dritten Jahr empfohlen. Dann sind die Wurzeln schön dick und kräftig.
Ich habe auch zwischendurch nicht geschummelt, und schon die ein oder andere Wurzel ausgebuddelt zum Testen: Das kann man durchaus machen (mit Vorsicht), wenn die Neugier groß ist. Die älteren Krapppflanzen blühen zur Zeit. Viele der Blüten wirken etwas angeknabbert, weshalb es im Herbst wohl wieder nur eine Handvoll Samen zu ernten gibt. Die Pflanzen aus diesem Jahr wachsen und ranken langsam aber sicher – sie haben auch noch drei Sommer Zeit, bevor hier die Ernte ansteht.