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Plane deinen Färbergarten

Färbergarten planen: Färberpflanzen für Garten und Balkon

Ich gärtnere in einem Berliner Schrebergarten, mit begrenztem Platz, ohne Gewächshaus, und außer Färberpflanzen möchte ich auch Gemüse und Obst ernten. Diese Färberpflanzen hier sind meine “Grundausstattung”, und werden jedes Jahr wieder angebaut, auch wenn es eng ist… Ich färbe gerne mit ihnen, sie funktionieren in meinem Garten und bieten auch den Insekten was, denn der Garten ist ja nicht nur für mich.
Als ich damit anfing, war es für mich hilfreich, verschiedene Pflanzen anzubauen, um sie kennenzulernen – dafür von allem nur wenig.
Wenn du noch weniger Platz hast, nur in Töpfen gärtnerst, oder dich auf ein paar konzentrieren möchtest, hilft dir dieser Artikel bei der Entscheidung.

Die meisten Pflanzen ziehe ich in der Wohnung vor, anfangs nur auf den Fensterbrettern. Inzwischen habe ich noch ein Regal mit Pflanzenleuchten, weil der Platz sonst nicht für all das Gemüse und Färbepflanzen reicht. Noch ausführlicher über’s Vorziehen und die Ansprüche der Färberpflanzen habe ich im E-Book Farbe ernten geschrieben.

Pflanzen zum Gelb färben

Wau (Reseda luteola)

Der Wau ist zweijährig (meist zumindest), und bildet im ersten Jahr nur eine grundständige Blattrosette aus – eher unscheinbar, diese Färberpflanze. Wau ist aber eine der historisch wichtigen Färberpflanzen.
Der enthaltene Farbstoff Luteolin hat eine bessere Lichtechtheit als viele andere gelbe Farbtöne. Das Gelb ist intensiv, manchmal schon fast neon-grell, mit einer Tendenz zum Grünstich. Wenn du das mildern möchtest, mische Wau mit anderen Färberpflanzen.
Im zweiten Jahr bildet die Pflanze dann eine Blütenkerze mit vielen kleinen Blüten – traditionell wird dann geerntet. Du solltest Wau also für zwei Jahre den Platz reservieren.

Färberkamille (Anthemis tinctoria)

Färberkamille ist (auf dem Papier) eine mehrjährige Staude, wird aber häufig auch nur ein oder zwei Jahre alt. Ich habe eine Färberkamille im Garten, die vier Jahre lang wiederkam – zwischendurch habe ich sie kräftig zurückgeschnitten, wenn sie nicht gut aussah. Ich säe aber auch jedes Jahr ein paar neue Pflänzchen aus, da nicht alle Pflanzen so langlebig sind.

Zum Ernten pflücke ich regelmäßig die Blütenköpfe, und ein Rückschnitt einmal im Jahr kann die Pflanze verjüngen. Blüht lange, bis in den Winter hinein.
Ihr Gelbton ist weicher und wärmer als beim Wau.

Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Vielleicht hast du diese Pflanze schon im Garten, oder wunderst dich, dass ich sie hier mitzähle? Sie ist vielen ja geradezu ein Dorn im Auge, gilt als invasives Unkraut, andere schätzen sie als wichtige Bienenweide, Tee- und Heilpflanze. Als wenn das nicht reicht, Färberpflanze ist sie auch noch.
Die Goldrute verbreitet sich nicht nur über Samen, auch unterirdisch via Rhizom, und ist darin ziemlich gut. Ich lasse sie im Garten gern stehen, wo Platz ist (vor allem als Sichtschutz finde ich sie nicht schlecht in einem recht gut einsehbaren Schrebergarten…). An anderen Stellen buddele ich sie aus. Ich genieße, wie sie von Hummeln, Bienen und anderen Insekten besucht wird, freu mich an den gelben Blüten und ein Teil wandert in den Färbetopf.

Und wenn du vielleicht von Wau oder Färberkamille nur wenig hast, kannst du deinen Färbetopf mit Goldrute auffüllen! Möchtest du Blüten trocknen zum Färben im Winter, solltest du sie ernten, bevor sie richtig aufgeblüht sind. Sonst reifen sie noch aus und statt gelber Blüten hast du dann viele Samen mit dem fluffigen ‘Pappus’.

verschiedene Stoffe mit Goldrute gefärbt

Färberpflanzen für Apricot | Orange | Rost

Färber-Mädchenauge (Coreopsis tinctoria)

Das Färber-Mädchenauge wird auch Schöngesicht genannt, und ist eine filigrane einjährige Sommerblume, die recht hoch werden kann. Vielleicht bringst du sie in einem gemischten Blumenbeet unter. Oder du füllst ein Beet nur mit dieser Pflanze, das finde ich wunderschön. Ich pflanze sie im Gemüsegarten, da wo Ecken auf Beeten frei bleiben.
Im Sommer kannst du ziemlich regelmäßig Blüten ernten. Ich versuche immer nur einen Teil zu ernten, und beim nächsten Gartenbesuch dann den nächsten, so dass Blüten für die Insekten stehen bleiben.

Färbt apricot, je höher das Pflanze-Faser-Verhältnis ist, wird es ein Rostorange oder sogar fast Rotbraun auf Wolle.

Schwefelkosmee (Cosmos sulphureus)

Die Schwefelkosmee wird nicht so hoch wie das Schmuckkörbchen (Cosmos bipinnatus), das du vielleicht aus Gärten kannst. Du könntest die beiden kombinieren, und die Schwefelkosmee vor die höheren Sorten pflanzen. Ich reserviere zwischen Gemüsebeeten gern einfach einen Streifen für die Schwefelkosmee, als kleinen Farbfleck. Sie ist einjährig, also belegt das Beet nur eine Saison lang.

Auch hier kann man regelmäßig die Blüten ernten, die etwas größer, aber nicht so zahlreich sind wie beim Mädchenauge. Wenn man nur wenig Blüten nimmt zum Färben, bekommt man ähnlich wie beim Mädchenauge zarte Pfirsichtöne. Nimmt man mehr der Blüten, zeigt sich der Unterschied: Dann bekommt man intensive, leuchtende Orangetöne.

Färbertagetes (Tagetes erecta)

Die Färbertagetes wird besonders groß (bis etwa 80cm) und buschig – sie braucht im Färbergarten auf jeden Fall mehr Platz, als die niedrigen Tagetesvarianten, die man häufig aus Blumenbeeten an öffentlichen Plätzen kennt.
Wenn ihr Standort und Boden gut tun, wird diese Tagetes wirklich prächtig, und bildet viele ihrer großen Blüten. Tagetes sind gut zur Mischkultur, aber dann solltest du ausreichend Platz für sie einplanen. Dafür blüht sie dann ausdauernd, bis der erste Frost kommt.

Färbt verschiedene Gelb- und Orangetöne. Mit besonders intensivgelben Blüten habe ich auch schon unerwartet leuchtend Gelbgrün gefärbt.

Rot färben mit Pflanzen

Krapp, Färberröte (Rubia tinctorum)

Krapp enthält Farbstoffe in den Wurzeln, besonders das rot färbende Alizarin. Wenn du ihn anpflanzen möchtest, beachte dass er seinen Platz im Färbergarten länger als andere Pflanzen beansprucht. Die Pflanze ist mehrjährig, und damit die Wurzeln schön dick sind und reichlich Farbstoff enthalten, wird die Ernte erst nach zwei, besser drei Jahren empfohlen. Krapp kann in Beeten wachsen, ich habe ihn gern in großen Kübeln und Wannen. Das erleichtert die Wurzelernte, wenn die Zeit reif ist. Krapp wird recht hoch, oder eher lang – auch mit Stütze ranken die Stängel bei mir nicht so sehr hoch, sie fallen eher um. So bilden sie zum Teil auch Absenker. Blätter und Stängel haben kleine Widerhaken! Ich würde Krapp nicht zu dicht an einen Pfad oder deinen Sitzplatz pflanzen.

Krapp gehört zur Familie der Rötegewächse, zusammen mit anderen Pflanzen die du vielleicht schon kennst. Darunter die Labkräuter, wie das Wiesenlabkraut und Echtes Labkraut, oder der Waldmeister. Weniger bekannt ist vielleicht der Färbermeister.
Sie enthalten in ihren Wurzeln auch ein wenig der begehrten Farbstoffe. Aber ihre Wurzeln werden nicht so dick und kräftig wie die beim Krapp.

Du kannst natürlich mit frischen Wurzeln färben. Traditionell hat man die Wurzeln nach der Ernte noch trocknen lassen und gelagert. Dabei wandeln sich mit der Zeit Inhaltstoffe um, und die Färbungen werden stärker rot.

Pflanzen zum Blau färben

Färberknöterich (Polygonum tinctorum oder Persicaria tinctoria)

Färberknöterich wird auch Japanischer oder Chinesischer Indigo genannt. Die Pflanze ist einjährig, und wächst gut in Beeten und Gefäßen. Hauptsache, die Bedingungen stimmen: Sonnig und nährstoffreicher Boden. Wenn etwas nicht passt, bekommen die Blätter eine Rotfärbung. Das kann zum Beispiel zu intensive Sonne nach dem ersten Auspflanzen sein, besonders wenn die Pflanzen nicht abgehärtet wurden – das sollte aber wieder vorübergehen. Auch starke Winde und ausgetrocknete Böden können das verursachen. Der Farbstoffgehalt in den Blättern ist höher, wenn es den Pflanzen gut geht, und es viel Sonnenschein gibt.

Wie beim Waid gewinnt man Indigofarbstoff aus den Blättern. Das Pigment kann extrahiert werden oder eine Küpe direkt mit frischen Blättern gemacht werden. Der Färberknöterich eignet sich bestens für die Salzmethode, die simpelste Variante, natürlich blau zu färben.

Waid (Isatis tinctoria)

Waid gehört zu den Kreuzblütlern, das solltest du bei der Gartenplanung bedenken. Und er gehört zu den zweijährigen Pflanzen. Zur Indigogewinnung erntet man die Blätter im ersten Jahr – im zweiten Jahr enthalten sie weniger Farbstoff. Im zweiten Jahr blüht der Waid, und bildet eine hohe Blütenkerze mit vielen leuchtend gelben Blüten. Ein Insektenmagnet, der nach den Obstbäumen aber vor den meisten Sommerblumen blüht. Schon deshalb lasse ich alle Waidpflanzen zur Blüte kommen, und ernte die Samen. Die besten Samen kommen wieder zur Aussaat, die anderen nehme ich zum Färben – die sind für Bundle Dye schön. Wenn du nicht möchtest, dass sich Waid wild versamt, ernte alle Samenstände, oder schneide gleich die verblühten Stängel zurück.

Waid ist robust, was kühle Temperaturen betrifft. Wenn es drinnen eng ist, ziehe ich Waid nicht drinnen vor, sondern säe draußen.
Auch später im Jahr finde ich ihn etwas robuster als den Färberknöterich. Er gedeiht in nährstoffreichem Boden auch weitestgehend sich selbst überlassen, solange die niedrigen Pflanzen nicht überwuchert werden. Auch in heißen Sommern muss ich ihn seltener gießen. Leuchtet ja auch ein, Waid wurde in Europa schon sehr lang kultiviert und passt gut in unsere klimatischen Bedingungen. (…noch? frage ich mich, während ich tippe.)

Pflanzen die Lila | Grau | Petrol färben

Diese Pflanzen enthalten Anthocyane, deren Farbtöne je nach Faser und Färbeverhältnis variieren. Außerdem reagieren sie sensibel auf pH-Veränderung, und gehören zu den eher flüchtigen Farben.

Hopi Black Dye Sonnenblume (Helianthus annuus)

Diese Sonnenblume wird sehr hoch, und wird im Laufe des Sommers am besten abgestützt, damit sie bei Wind nicht umknickt. Sie ist also nicht gut für kleine Pflanzgefäße geeignet.
Sie hat meist eine große Hauptblüte, und viele weitere Nebenblüten. Sie ist eine traditionelle Färberpflanze der Hopi-Völker und zum Färben werden die dunklen Kerne geerntet. Ich nehme die Kerne am liebsten für Bundle Dye. Ich ernte nicht alle Blütenköpfe, sondern lasse auch welche im Garten – die Vögel freuen sich. Am Sonnenblumenbuffet habe ich auch den einzigen Buchfink im Garten gesehen.

Schwarze Stockrose (Alcea rosea ‘nigra”)

Stockrosen (auch Malven oder Bauernrose genannt) sind zwei- bis mehrjährig. Im ersten Jahr bilden sie nur eine Blattrosette, im zweiten bilden sie dann bis 2m hohe Blütenstängel. Die Blüten kannst du also erst im zweiten Jahr ernten. Ich zupfe die Blüten ab und trockne sie, nachdem sie sich wieder geschlossen haben. So können sich die Blumen noch versamen. Wenn alle Blüten vor der Samenreife zurückgeschnitten werden, treiben die Malven eher noch ein weiteres Jahr erneut aus.

Ähnlich wie die Sonnenblume würde ich die Stockrose nicht für Gefäße empfehlen, sie hat eine lange Pfahlwurzel und gedeiht besser, wenn sie nach unten ordentlich Platz hat.
Stockrosen nicht zu dicht pflanzen. Sie sind anfällig für Malvenrost, eine Pilzerkrankung. Stehen sie nicht luftig und können gut abtrocknen, sind sie besonders gefährdet.

Dunkle Blueten von schwarzer Stockrose
Schwarze Stockrose

Es gibt noch andere Blumen, die ähnlich färben: Zum Beispiel tiefdunkle Dahlien und Skabiosen oder die Schokoladenkosmee. Wenn du die zum Färben nehmen möchtest, würde ich Sorten mit den dunkelsten, fast schwarzen Blüten wählen.

Pflanzen für Kübel und Töpfe

Suchst du nach Färberpflanzen, die sich gut für den Balkon eignen? Als erstes fallen mir da Coreopsis und Schwefelkosmee ein. In großen Töpfen (ab etwa 18 Liter) habe ich auch schon prächtige große Färbertagetes gezogen.
Färbertagetes und das Färbermädchenauge werden recht hoch. Wenn das nicht gut zu deinem Standort passt: Es gibt kompaktere, niedrige Sorten von Coreopsis – und auch ganz verschiedene Tagetesarten. Färbertagetes eignen sich besonders gut für den Färbetopf, weil sie so große gefüllte Blüten haben, werden aber auch ziemlich groß. Kleinere Sorten mit kleineren Blüten, sind nicht so ergiebig, aber trotzdem toll für Bundle Dye. Besonders schön finde ich kleine Gewürztagetes – die duften wunderbar, vielleicht magst du sie auch im Tee. Und die kleinen filigranen Blüten sind wunderschön in Bundle Dye-Färbungen.

In ausreichend großen Kübeln oder Hochbeeten kannst du natürlich auch Färberkamille anpflanzen, Wau und Waid. Die letzten beiden haben Pfahlwurzeln, brauchen also nach unten mehr Platz als ein kleiner Topf oder Balkonkasten bieten. Und Krapp eignet sich auch gut für das Pflanzen in Behälter, das mache ich selbst auch im Garten so. Wähle kein zu kleines Gefäß (ich würde ab 20L wählen, besser mehr), dann überstehen die Krapppflanzen darin auch gut den Winter. Und trocknen im Sommer nicht zu schnell aus.

Grundsätzlich: Pflanzen in Kübeln u.ä. brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit. Sie trocknen schneller aus und müssen wahrscheinlich auch etwas mehr gedüngt werden – je weniger Erde in den Topf passt, umso mehr solltest du darauf achten.

Und wann ist eine gute Zeit zum Aussäen?

Informationen zum richtigen Zeitpunkt findest du auf Saattüten, oder hier bei meinen Saat-Empfehlungen. Aber natürlich hängt das auch von deinem Wohnort ab! Mit meinem Garten in Berlin kann ich mich gut an diese allgemeinen Empfehlungen halten. Es gibt aber auch in Deutschland Ecken, in denen es milder ist, und wo Aussaat und Auspflanzen schon früher möglich sind. Andernorts, zum Beispiel in Höhenlagen, ist beides erst später empfehlenswert.

Nicht zu früh vorziehen: Zurückrechnen vom letzten Frost

Wenn du neu bist in dem Thema, und keine Anprechperson mit Gartenerfahrung hast: Entscheidend ist vor allem, wann ist mit dem letzten Frost (oder Nächten unter sechs Grad, für empfindliche Pflanzen) zu rechnen. Wenn du kein Gewächshaus oder drinnen viel Platz mit kühler Temperatur und Pflanzlichtern hast, dann ist dieses Datum wichtig. Die Dauer der Sonnenstunden kann man auch noch betrachten, aber als nicht-gelernte Gärtnerin reicht mir die Temperatur zur Orientierung.

Für mich ist das Mitte Mai (2021 war es aber etwas später, und da wurde es für mich schon ganz schön eng, denn der Platz in der Wohnung wächst ja leider nicht mit den Pflanzen mit). Langsam wachsende Pflanzen wie Wau säe ich bis acht Wochen vor diesem Zeitpunkt aus, die meisten anderen eher sechs bis vier.
Sonnenblumen, die schnell wachsen, höchstens zwei bis drei Wochen früher – wenn die zu lange drinnen bleiben müssen, fehlt ihnen Licht und die Pflanzen können so nicht kräftig und robust heranwachsen.

Also, wenn du kein (beheiztes) Gewächshaus oder ähnliches hast: Säe lieber nicht zu früh aus, egal ob du draußen direkt säst, oder Pflanzen wie ich vorziehst.
Für mich genügt es, Färberpflanzen im April vorzuziehen, und die Sonnenblumen kommen erst im Mai dran.

Hast du noch Tipps für den Färbegarten, oder eine Frage? Eine Lieblingspflanze? Ziehst du Pflanzen vor wie ich, oder säst du direkt draußen?

Saatgut für den Färbegarten – und Tipps vom Vorziehen bis zur Ernte

Natürlich gelb färben mit Goldrute

Gelbe Stoffe gefaerbt mit Goldrute und Faerbetopf

Ab dem späten Sommer ist sie kaum zu übersehen, steht in voller Blüte: Dann ist der Zeitpunkt gekommen zum Gelb färben mit Goldrute. Wenn ich meinen Garten heute, am 1. September 2020, mit Bildern aus den Vorjahren vergleiche, begann ihre Blütezeit wohl dieses Jahr schon früher als in den Vorjahren. Aber es ist trotzdem noch Zeit zu Färben!

Ich zähle die Goldrute im Garten mit zu den Färberpflanzen, und sie wächst dort ganz ohne mein Zutun. Die ausdauernde Staude vermehrt selbst sich durch Samen, vor allem aber über Rhizome (also unterirdisch) und ist bei uns vom Nachbarsgarten übergewandert. Ich ernte sie reichlich, und wo sie Beete zu übernehmen droht, buddel ich sie aus.

Am häufigsten sieht man bei uns die Kanadische Goldrute, Solidago canadensis. Sie gilt als sogenannter Neophyt, wurde also nach 1492 in Europa eingeführt. Der Name lässt es anklingen, sie ist in Nordamerika heimisch. “Neophyt”, eingeschleppte invasive Art, beides klingt erstmal nicht so gut. Aber die Kanadische Goldrute ist nicht in böser Absicht eingewandert, sondern als wurde von Menschen gezielt als Zierpflanze nach Europa gebracht und später auch als Bienenweide gepflanzt. In Deutschland wird sie tatsächlich nur in begrenzten Gebieten als ökologisch problematisch eingeordnet. Auch wenn sie sich schnell etabliert hat und auch weiter verbreitet, in den meisten Gebieten hat sie laut dem Bundesamt für Naturschutz “relativ wenig Auswirkungen auf schutzwürdige Elemente der Tier- und Pflanzenwelt”. Also Entwarnung. (Anders sieht es in Teilen Österreichs aus. Und in der Schweiz steht sie auf der Schwarzen Liste der Neophyten.) Und nicht nur das, die Goldrute ist durchaus wertvoll, in vieler Hinsicht. Sie blüht spät und wird von Insekten umschwirrt, gilt als Heilpflanze – und sie färbt!

Färben mit Goldrute

Ich sammle gern auch Goldrute, um sie zu trocknen und im Winter damit zu färben, habe aber schon häufiger gehört, dass viele Färber*innen damit nicht so gute Ergebnisse hatten.

Nachtrag: Vielleicht haben durchwachsene Farbergebnisse mit trockener Goldrute auch etwas mit der Wasserqualität zu tun. Mein Berliner Leitungswasser ist einerseits sehr hart, und hat dabei einen neutralen bis minimal alkalischen pH-Wert. Ist dein Wasser sehr weich/sauer, und du hast keinen Erfolg mit dieser Färbepflanze, probiere doch mal Kreide (Calciumcarbonat) zuzusetzen. Hier hat Catherine Ellis über den Zusammenhang von gelben Farbstoffen und pH-Wert geschrieben, sehr interessant!

Einfach und direkt tolle, leuchtende Gelbtöne färbst du am besten mit frischer Goldrute. Im Vergleich mit anderen gelben Pflanzenfarbstoffen, wie der Färberkamille und dem Färberwau, nehme ich bei der Goldrute eher mehr Pflanzenmaterial für intensive Farbergebnisse. Aber weil sie ja oft eben gleich ziemlich geballt auftritt, ist das kein Problem, solange der Färbetopf groß genug ist!
Gelb Färben kann man mit den Blüten, oder mit Blüten und Blättern, ersteres färbt etwas reinere Töne. Ich achte beim Erhitzen der Pflanzenteile und beim Färben darauf, dass es nicht zu heiß wird. Wenn der Sud länger sprudelnd kocht, passiert es manchmal, dass die Stoffe statt einem satten Gelb eher einen bräunlichen Stich bekommen.

Wie immer beim Färben mit Pflanzen: gut Ding will Weile haben. Auch die Vorbereitung von Stoff oder Wollgarn ist wichtig. Besonders auf pflanzlichen Stoffen wie Baumwollgewebe ist das Vorbeizen sehr wichtig (also generell, aber hier noch viel wichtiger als bei manch anderer Färberpflanze). Auf Wolle und Seide werden die Färbungen der Goldrute in jedem Fall kräftiger – was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, mit Baumwollstoffen zu experimentieren!

Hier habe ich soviel Goldrute gesammelt, wie in meinen Topf passte. Ich habe weder Pflanzen noch Stoffproben abgewogen – aber alle Stoffe waren vorher schon gebeizt. Und immer wieder finde ich es spannend, wie sich unterschiedliche Beizen auf die Farbe auswirken! Die Blüten habe ich mit Wasser aufgegossen, und sie in etwa zwei Stunden langsam erwärmt und simmern lassen. Zum Färben habe ich alles durch ein Tuch gegossen, die Blüten ausgedrückt, und dann Stoffe und Wollgarn hineingegeben. Und nach der ersten Runde habe ich noch weitere Stoffe gefärbt, um den Farbsud zu erschöpfen.

Goldrute trocknen für den Winter

Zum Trocknen schneide ich die Triebe der Goldrute so ab, dass ich vor allem Blüten und wenige Blätter ernte. Wenn es schon kleine Seitentriebe gibt, schneide ich oberhalb davon, damit es hier bald wieder blüht. Am besten ist es die Blüten zu ernten, bevor sie sich vollkommen geöffnet haben. Später geerntete Blüten reifen beim Trocknen zu flauschigen Samen aus.
Zum Trocknen hänge ich die Blüten in Sträußen kopfüber auf, oder lege sie auf Papier oder ein Gitter. Der Platz dafür sollte trocken und schattig sein – ich mache das direkt in der Gartenlaube. Danach bewahre ich sie in großen Papiertüten oder Stoffbeuteln auf. Möchtest du Platz sparen? Dann streife die trockenen Blätter und Blüten von den Stängeln ab, bevor du sie verpackst.

Wenn ich dann mit der Goldrute färben möchte, weiche ich die trockenen Pflanzenteile erst einmal über Nacht kalt ein, bevor ich sie vorsichtig erhitze.

Färberpflanzen im Garten – Sommer

Collage von zwei Bildern: links ein orangeleuchtender Strauß von Schwefelkosmee, rechts ein Koerbchen voller Blüten von Ringelblume, Mädchenauge und Schwefelkosmee

Neue Webseite, neuer Blog – zum Sprung ins kalte Wasser gibt es einen kurzen Rundgang zu den Färberpflanzen im Garten. Im Frühjahr habe ich viel Saatgut für Färberpflanzen verschickt, und natürlich selbst auch vorgezogen. Statt wie geplant mit einem neuen Workshop zum Färbergarten zu starten, gab es mit Corona plötzlich überhaupt keine Workshops mehr – deshalb habe ich meine Anzucht auf Instagram geteilt. Den ganzen Prozess gibt es bei Instagram noch in den Highlights gespeichert. Und hier geht es jetzt weiter.

Blau: Die Indigo-Pflanzen

Färberknöterich, Polygonum tinctorum, und Waid, Isatis tinctoria, zwei so verschiedene Pflanzen für denselben Farbstoff, das kostbare Indigo. Der Waid, zuerst angeschlagen nach einem Hagel im Juni, nun etwas angeknabbert, ist noch kleiner als im letzten Jahr um diese Zeit. Vom Knöterich gab es sogar schon eine erste Ernte, vor allem um die Pflanzen nach dem Ausknipsen der Triebe zu mehr und buschigerem Wachstum zu ermuntern. Ich bin gespannt, denn nach zwei sehr warmen Sommern ist dieser bisher immer wieder recht kühl, und auch windig, nicht das ideale Klima für den Knöterich. Auch beim Waid hängt der Farbstoffgehalt eng mit der Menge an Sonnenstunden zusammen.

Färbende Blüten ernten

Auf größere Indigoernten warte ich also noch. Und hoffe, es wird bald wieder sonniger dafür! Bei den blühenden Färberpflanzen hat das Ernten aber inzwischen begonnen – Tagetes, Tagetes erecta (in diesem Jahr habe ich zwei verschiedene großblütige Arten), leuchtende Schwefelkosmee, Cosmos sulphureus, und das filigrane Färber-Mädchenauge, Coreopsis tinctoria.

…und Ringelblume, Calendula officinalis, auch diese Blüten können zum Färben verwendet werden. Aber die sammle ich lieber, um damit Ölauszüge herzustellen.

Etwas holprig läuft bisher das Thema gelbe Färberpflanzen im Garten: Färberwau, Reseda luteola, und Färberkamille, Anthemis tinctoria. Von beiden gab es schon die ersten Ernten, aber ob es da gut weitergeht, weiß ich nicht. Jungpflanzen vom Wau sind im Frühjahr immer wieder verschwunden, ob durch Vögel oder Schnecken, ich weiß es nicht. Übrig geblieben sind nur wenige Pflanzen. Im Herbst werde ich diese zweijährige Pflanze dann wieder aussäen, für den nächsten Versuch.


Besonders die zweijährigen Färberkamille-Pflanzen haben schon üppig geblüht, und dann sind einige binnen weniger Tage eingegangen, stark von Läusen befallen. In dem Fall vertraue ich sonst auf Nützlinge wie die Marienkäferlarven und Zeit, aber das Rezept scheint diesmal nicht funktioniert zu haben. Bleibt die Zuversicht, dass die übrigen Pflanzen sich behaupten!

Rote Färberpflanzen im Garten

Und zuletzt noch ein Blick auf den Krapp, auch Färberröte, Rubia tinctorum. Wenn ich mich tatsächlich traue, steht dort am Ende des Sommers endlich eine Ernte an. Das ist etwas Besonderes: als einzige der Pflanzen, die ich zum Färben anbaue, sitzt der begehrte Farbstoff hier in den Wurzeln. Die Ernte wird erst ab dem dritten Jahr empfohlen. Dann sind die Wurzeln schön dick und kräftig.
Ich habe auch zwischendurch nicht geschummelt, und schon die ein oder andere Wurzel ausgebuddelt zum Testen: Das kann man durchaus machen (mit Vorsicht), wenn die Neugier groß ist. Die älteren Krapppflanzen blühen zur Zeit. Viele der Blüten wirken etwas angeknabbert, weshalb es im Herbst wohl wieder nur eine Handvoll Samen zu ernten gibt. Die Pflanzen aus diesem Jahr wachsen und ranken langsam aber sicher – sie haben auch noch drei Sommer Zeit, bevor hier die Ernte ansteht.