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DIY: Tinte aus Pflanzen selbermachen

Tinte aus Pflanzen selbergemacht

Wie schon zu Ostern bin ich auch in der Adventszeit wieder kreativ geworden: Ich wollte gern eine Farbe oder Tinte aus Pflanzen herstellen, mit der ich Karten und Geschenkanhänger zeichnen kann. Am liebsten aus Pflanzen, die einfach zu bekommen sind. Einige Tage nach dieser Überlegung tauchte eine Avocado in der Küche auf, und da wusste ich auch, wie ich das Ganze anstelle.* Tinte aus Avocadokernen!

Natürlich musste ich das unbedingt ausprobieren, als wegen Weihnachten eigentlich sehr viel zu tun war. Aber vielleicht ist das ja auch ein Projekt für dich.

Für meine Tinten habe ich den frischen Kern und die Schale einer Avocado benutzt. Wie beim Färben könntest du stattdessen auch getrocknete oder gefrorene Kerne benutzen, und du musst auch nicht Kerne und Schale zusammen benutzen. Ich habe beides frisch verwendet, kurz nachdem die Avocado gegessen wurde. Und mit einer einzigen Avocado kannst du auf jeden Fall schon was anfangen für dieses Projekt!

*Wenn du ungern Avocados einkaufst, oder sie dir gar nicht schmecken, kannst du in Restaurants oder Cafés fragen, ob sie ein paar Kerne für dich aufheben. Hol sie dann nur rasch ab, damit sie nicht anfangen zu schimmeln.

Das brauchst du für deine Pflanzentinte

  • Schale und Kern einer Avocado
  • Waschsoda ist toll, aber es geht auch ohne
  • einen kleinen Topf (für dieses Projekt benötigst du nicht unbedingt einen extra Färbetopf, da nur Lebensmittel(-reste) und eventuell Soda benutzt werden)
  • ein Teesieb oder ähnliches
  • verschließbares Glas zum Aufbewahren
  • Pinsel oder Federn

Tinte aus Avocadokernen Nr. 1: Pur

Tinte Nr. 1: Nach mehrmaligem Erhitzen im Laufe einiger Tage, und reudziert. Oben pur, in der Mitte mit etwas Gummi Arabicum.

Für meinen ersten Versuch habe ich den Kern der Avocado in kleine Würfel geschnitten, und auch die Schale in kleinere Stücke gerissen. Zusammen habe ich sie dann im Topf mit wenig Wasser bedeckt, kurz erhitzt und dann ohne weitere Hitze ziehen lassen. Ich wollte nicht viel Energie dafür verbrauchen, und hatte auch Geduld. Deswegen habe ich in den nächsten zwei Tagen die Hitze oben auf dem Herd vom Backen im Ofen benutzt, um die Farbe der Tinte zu intensiveren. Wenn du deine Tinte stark erhitzt, weil es schneller gehen soll, achte auf den Wasserstand. Wenn viel Wasser verdunstet, gieße etwas nach. Aber nicht zuviel, damit deine Tinte nicht verwässert.

Wenn du mit deiner Farbintensität zufrieden bist, kannst du das ganze durch ein feines Sieb gießen, oder durch ein Mulltuch abseihen.

Entweder zeichnest du mit der Tinte nun direkt, oder du erhitzt sie noch einmal vorsichtig, um die Flüssigkeit noch zu reduzieren. Ich habe das hier kurz gemacht, da mir die Farbe sonst etwas zu zart war.

Schneller + dunkler, Tinte aus Avocadokernen Nr. 2: Mit Waschsoda

Tinten Nr. 2 mit Soda – von auch ohne Erhitzen war die Tinte von Anfang an dunkler als Tinte Nr. 1 in den ersten Tagen.

Für meinen zweiten Versuch habe ich die gleiche Schale und Kern noch einmal benutzt. Diesmal habe ich sie nicht nur mit frischem Wasser bedeckt, sondern auch eine Löffelspitze Waschsoda dazugegeben. Und obwohl ich sie auch vorher schon benutzt hatte, ist die Tinte hier dunkler geworden, und das schon vor dem Erhitzen.

Waschsoda hat einen alkalischen pH-Wert, und es genügt schon eine sehr sparsame Menge. Du wirst die Wirkung schnell sehen! Die Farbstoffe in Avocadokern und -schale gehören zu denen, die sich gut für einen „alkalischen Farbauszug“ eignen. Der veränderte pH-Wert beeinflusst nicht nur, wie die Farbe aussieht, sondern hilft in dem Fall auch, schnell mehr Farbe aus dem Pflanzenmaterial zu locken.

Also wenn du Waschsoda zu Haus hast, würd ich das sehr empfehlen!* Mir gefällt auch die kräftigere Farbe sehr gut, vor allem geht es aber wirklich viel schneller. In dem Fall musst du deine Tinte wahrscheinlich nur kurz erhitzen, bis sie kräftig aussieht.

Und das Schöne ist, dass wirklich ziemlich viel Farbe in nur einem Kern + Schale steckt! Wenn du mehr Tinte brauchst, wiederhole das Ganze einfach. Ich habe diese Tinte über drei Tage so stehen lassen, und in der Zeit nur die aufsteigende Hitze vom Brot backen für den Topf benutzt.

Waschsoda wird auch Reine Soda oder kalzinierte Soda genannt, und du findest sie in Drogerien bei den Reinigungsmitteln oder Waschpulvern. Wenn du sie benutzt, beachte die Hinweise auf der Verpackung, sie sollte nicht in die Augen kommen.

*Vielleicht hast du ersatzweise andere alkalische Hilfsstoffe im Haus. Du könntest auch Natron oder Backpulver ausprobieren. (Aber ohne Gewähr, ich setze immer auf Waschsoda).

Tinte aus Pflanzen andicken

Tinte mit Gummi Arabicum angedickt zum Stempel. Die organische Struktur vom Papier ist sichtbar.

Besonders die Farbe der Avocados wird ohnehin schnell etwas andicken, wenn du sie bei kleiner Hitze reduzierst.

Es gibt aber auch verschiedene natürliche Verdickungsmittel, schon lange für Tinten verwendet werden. Die können auch verhindern, dass sich Feststoffe in der Tinte schnell am Boden absetzen.
Ich habe dafür gemahlenen Gummi Arabicum benutzt. Die dickere Tinte ließ sich dann auch für meine Stempel benutzen – ich hatte dafür kein gutes Stempelkissen, sondern nur Küchenpapier. Wenn du Stempelfarbe machen möchtest, solltest du dir dafür einen geeigneten Stoff suchen, dann funktioniert es auf jeden Fall besser als bei mir!

Du könntest mit anderen Harzen experimentieren, Stärke, Honig, Gelatine…

Pflanzentinte aufbewahren

Die Tinte hält sich gekühlt und gut verschlossen Tage bis Wochen im Kühlschrank. Das hängt auch von den benutzten Pflanzen ab, und davon, ob/welche Zutaten zum Andicken dazugibst.

Einige ätherische Öle, wie Nelkenöl, beugen auch Schimmel vor. Du kannst an dein Glas mit Tinte ein bis zwei Tropfen davon geben. Bitte sparsam dosieren und auch hier die Sicherheitshinweise auf der Verpackung beachten, ätherische Öle sind enorm konzentriert und sollten daher sehr bedacht benutzt werden.

Färben mit Kompost: Andere Pflanzen zum Ausprobieren

Für mehr Tintenexperimente mit Zutaten von zu Hause kannst du gelbe oder rote Zwiebelschalen nehmen. Oder Granatapfelschalen, Teesatz von schwarzem Tee und im nächsten Herbst wieder die grünen Hüllen von Walnüssen.

All diese Pflanzen(teile) sind recht gut zugänglich, und landen ohnehin im Kompost. Bevor das passiert, kann man mit ihnen noch färben! Oder in unserem Fall Tinte machen.

Vom bereits benutzten Schwarztee würde ich für das Projekt etwas mehr sammeln, da der anders als die anderen Zutaten ja schon einmal aufgegossen wurde.

Du merkst vielleicht, ich nehme nicht gern ganze Lebensmittel zum Färben, sondern deren Abfälle, auch wenn es nur um wenig Tinte geht.

Farbechtheit von pflanzlichen Farben

Aber die hier aufgezählten Pflanzen(-abfälle) sind nicht nur wegen dem Minimal-Waste-Gedanken eine gute Wahl. Sie enthalten alle bestimmte Farbstoffe, die von Hause aus eine recht gute Haltbarkeit mitbringen. Zwiebelschale und Walnusshülle besitzen besondere Farbstoffe, die auch ohne Beize in der Lage sind, sich mit Fasern zu verbinden (substantive Farbstoffe). Und Avocadoschale-/kern, Granatapfelschale sowie schwarzer Tee enthalten Tannine. Tannine gehören zu den Gerbstoffen und können helfen, Farben haltbarer zu machen.
Diese Tinte hält sicher nicht für die Ewigkeit, aber sie wird auch nicht in kürzester Zeit verblassen.

Flüchtige Farben – nicht alle Pflanzen können färben

Diese besonderen Eigenschaften haben andere erstmal sehr farbige Pflanzen aus dem Küchenbereich nicht: Spinat, rote Bete, Rotkohl, allerlei blaue und rote Beeren liefern flüchtige, also kurzlebige Farben. Denn sie sind zwar von außen bunt, aber haben nicht die zum Färben wichtigeren Inhaltsstoffe. Ich esse sie deswegen lieber, als damit zu färben. Aber für ein kleines Projekt, zum Beispiel auch mit Kindern, können die natürlich auch mal interessant sein!

Tinte aus Pflanzen für Fortgeschrittene

Ich wollte meine Tinte erstmal einfach und auch “kindgerecht” halten. Wenn du dich mit dem Färben schon auskennst, und Beizsalze hast, kannst du aber auch damit experimentieren. Die Kombination aus Beize und Farbstoff kann wie beim Färben auch bei der Tinte die Farbechtheit verbessern.

Alle Avocado-Tinten – zweite von links mit Eisenessig, links alle gemischt.

Ich habe an meine Avocado-Tinte noch wenig selbst angesetzten Eisenessig gegeben. Die Farbe wird damit, wie erwartet, sofort viel dunkler. Dafür neigt die Eisen-Avocadotinte auch mehr dazu, sich am Boden abzusetzen. Wenn dich das stört, verzichte auf das Eisen, oder gib etwas Gummi Arabicum dazu.

Walnusshüllen-Tinte, die dunklere ist mit etwas Eisenessig gemischt.

Mir gefällt das Zeichnen mit der Tinte so gut, dass ich schon die nächste angesetzt habe! Diesmal mit den äußeren Walnusshüllen, die ich zum Färben immer im Atelier habe.

Ich habe früher viel gezeichnet und auch mit Acrylfarben gemalt. Weil ich die Materialien nicht mochte, habe ich mit der Zeit einfach damit aufgehört. Mit Farbe gearbeitet habe ich stattdessen beim Färben mit Pflanzen. Diese einfache DIY-Tinte hat sicher nicht die Beständigkeit vieler gekaufter Farben, dafür weiß ich was drin ist. Für mich schließt sich da ein Kreis, und das waren bestimmt nicht meine letzten Tinten-Versuche!

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Ostereier mit Pflanzen färben

Eier faerben mit Blueten, Tee und Zwiebeln

Ostereier mit Pflanzen färben kann ein einfaches und spannendes Projekt mit Kindern sein – oder du machst es einfach für dich selbst, so wie ich in diesem Jahr!

Jetzt steht schon das zweite Ostern während der Coronapandemie bevor. Zwar habe ich schon lange keine Ostereier mehr gesucht, aber als Kind war das mein allerliebstes Familienfest. Und um mich etwas zu trösten, dass Familienbesuche nicht möglich sind, habe ich an dieses mir früher so liebe Ritual angeknüpft, und mal wieder selbst Ostereier gefärbt. Deswegen geht es hier auch ausnahmsweise nicht um das Färben von Textilem.

Es gibt verschiedene Methoden dafür, und eigentlich musst du dabei nur zwei Dinge beachten: Eierschalen nicht zerbrechen, und ausschließlich lebensmittelsichere Pflanzen verwenden.

Ich habe mich für eine Kontaktfärbung der Ostereier entschieden: Im Prinzip werden die Eier dabei zu kleinen Bundle-Dye-Bündeln. Ich habe die (rohen) Eier mit den Färbepflanzen zusammen in kleine Stoffstücke eingewickelt. Färbst du mit Kindern? Dann koche die Eier einfach vor. Ich habe Webstoffe genommen, die ich ohnehin überfärben möchte – du könntest auch etwas Elastisches verwenden, Jersey, Feinstrümpfe, dann liegen die Pflanzenteile noch platter an der Eierschale an.


Und dann: Ab in den Kochtopf, zum hart kochen und färben – die Dauer ist von der Größe der Eier abhängig. (Sollte eine Schale rissig werden, dann gehört das Ei in den Kühlschrank und sollte bald gegessen werden. Intakte, hartgekochte Eier, die nicht abgeschreckt werden, können auch bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.) Lass das Ganze nach der Kochzeit noch auskühlen. Dann kannst du die Ostereier auswickeln und die Pflanzenteile entfernen. Ich habe einen Pinsel und auch vorsichtig einen feuchten Schwamm dafür benutzt. Ganz besonders erstrahlen deine gefärbten Eier, wenn du sie mit einem kleinen Tröpfchen Öl einreibst.


Möchtest du möglichst viele Farbnuancen und Abdrücke erkennen, dann verwende dafür weiße Eier. Ich hatte zwei sehr helle und drei dunkle Eier. Benutzt du verschiedene Pflanzen, und möchtest nicht, dass die Pflanzen sich vermischen, dann solltest du die Eier lieber dämpfen, statt sie wie ich zusammen in einen Topf mit Wasser zu geben.

Pflanzen zum Eierfärben

Ich habe in der Küche gestöbert nach Pflanzen zum Färben, und mich für gelbe und rote Zwiebelschalen entschieden, Hibiskusblütentee, und dazu noch ein paar getrocknete Blüten aus dem Garten – Orange Cosmea, Färbermädchenauge und Färberkamille, Stockrose.
Die Kamillenblüten sind recht dick und liegen nicht so gut an, alles andere hat aber gut geklappt. Meine Favoriten: Mal wieder die bescheidene Zwiebelschale, und Hibiskusblüten.

Was auch sicher gut geht: Streifen von Rotkohl, roter Bete, violetter Möhre. Gerade beim Schreiben frage ich mich, ob nicht auch schwarze Linsen ein lustiges Muster machen! Das Tolle am Färben der Ostereier ist ja, dass die Farben vergänglich sein dürfen – und alles hier genannte, das in Violett- und Blautönen färben gehört zu diesen eher flüchtigen Farben (Rote Bete, Rotkohl, violette Blüten…). Für das Färben von Stoffen und Kleidung eignen sich diese Pflanzen deswegen nur bedingt. Aber die Ostereier werden ja nicht allzu alt!


Wie immer gilt, auch Natürliches kann giftig sein. Wenn du schon verschiedene Färberpflanzen zu Hause hast – nicht alle davon sind als lebensmittelsicher zugelassen, bitte recherchiere dazu einmal, bevor du sie für Essbares benutzt! Krapp zum Beispiel wurde früher medizinisch und als Lebensmittelfarbstoff verwendet, aber heute nicht mehr.

Für einfarbige Eier kannst du stattdessen auch Farbsude herstellen: Dafür die Pflanzen mit genügend Wasser bedecken und köcheln, bis der Sud kräftig aussieht. Zutaten aus der Küche könnten zum Beispiel gelbe oder rote Zwiebelschalen sein, Kurkuma, Rotkohl, Rote Bete, Hibiskustee…
Ich wünsch dir viel Freude beim Eierfärben!


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