Schlagwort: Färberpflanzen

Wilde Färberpflanzen sammeln

Wiese mit Faerberpflanzen, bluehender Wilder Moehre

Die sommerliche Fülle an Pflanzen und Blüten lockt gerade! Zum dran Schnuppern beim Spazieren, zum verträumt Anstarren beim auf-der-Wiese-liegen oder zum Sammeln und Färben.
Wenn du beim Sammeln von Wildpflanzen ganz neu bist, dann möchte ich dir dafür ein paar Punkte zur Orientierung geben. Und am Ende stelle ich dir noch drei Pflanzen vor, die du bestimmt finden wirst.

Pflanzen sorgen für uns – Pflanzen stellen Nahrung her, Medizin, Fasern, die uns kleiden und wärmen, sind uns bei Regen auch mal ein Dach über dem Kopf, und Farbstoffe enthalten sie auch. Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen, oder? Wenn ich mir das bewusst mache, empfinde ich große Dankbarkeit dafür. Und ich möchte diese Großzügigkeit mit Rücksicht und Respekt erwidern.

Bei aller Fülle, der Wald, die Wiese, ist kein Supermarkt – nicht alles ist immer in zuverlässiger Menge „erhältlich“, und die Regale werden auch nicht regelmäßig aufgefüllt. Das heißt auf gar keinen Fall, dass wir uns aus der Natur fern halten sollen, im Gegenteil – es bedeutet, dass wir sie kennenlernen sollten.

Kennst du deinen Ort?

Das ist zum rücksichtsvollen Sammeln wichtig – wo befinde ich mich? In geschützten Gebieten sollte nicht gesammelt werden. In Parks und Gartenanlagen können verschiedene Regeln gelten. Besonders an Orten die von vielen Menschen besucht werden, wie innerstädtischen Parks, sammle ich lieber Laub oder zum Beispiel Eicheln, wenn sie auf den Boden gefallen sind (oder nach Schnittarbeiten). Gibt es an einem Ort nur wenige Blüten, oder sind gerade die allerersten Frühblüher erwacht? Dann haben Insekten, die Pollen oder Nektar sammeln, Vorrang.
Ein schöner Nebeneffekt vom „Ort kennenlernen“ ist auch das Zuhause-Gefühl, das vielleicht mit der Zeit wächst, wenn du den Ort, die Pflanzen um dich herum eine Weile genauer beobachtest!

Lerne die Pflanze kennen

….die du pflücken möchtest. Es gibt einige Giftpflanzen, manche davon sind fast schon Doppelgänger von ungiftigen Pflanzen. Es gibt so viele Färberpflanzen, dass es meist eine gute Alternative zu giftigen Pflanzen gibt.

Wenn du unsicher bist, fotografiere die Pflanze, dann kannst du sie bestimmen lassen (oder dein Glück mit einer Bestimm-App versuchen). Ein Foto vom Standort, und eines von den Blättern, dem Stiel, der Blüte/Frucht – damit kann man sogar besser bestimmen, als mit einem Zweig oder einem einzelnen abgepflückten Blatt. Und die Pflanze kann an Ort und Stelle bleiben. Am allerbesten lerne ich auf Wildpflanzen-Führungen von anderen Menschen. Da prägen sich mir die Merkmale von Pflanzen viel besser ein, als beim Nachschlagen in Büchern.

Aber zurück zum Sammeln: Nur mitnehmen, wenn du die Pflanze erkennst. Und nur abschneiden, wenn du sie auch mitnehmen möchtest. Vielleicht kennst du diese Regel auch vom Pilzesammeln?

Es gibt natürlich auch seltene, geschützte Pflanzen – vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit (leider) nicht so groß, dass du eine solche findest. Aber auch deshalb ist es wichtig, keine unbekannten Pflanzen zu pflücken.

Bist du im Wald unterwegs, oder auf unberührten Wiesen? Ab April und den Sommer über solltest du dich beim Sammeln auf den Wegen halten, besonders, wenn du mit dem Ort und der Tierwelt nicht so vertraut bist. Bodenbrütende Vögel und andere Tiere sollten in dieser Jahreszeit möglichst ungestört bleiben. Die gute Nachricht ist, dass es entlang von Wegen ohnehin oft auffallend vielseitige Pflanzen gibt!

Und wie läuft das Sammeln nun ab?

Also, du bist nicht in einem besonders geschützten Gebiet, die Pflanzen vor dir sind nicht selten. Wie sammelst du nun?
Überraschenderweise gibt es zur rechtlichen Seite dazu eine sehr anschauliche Vorgabe: Die „Handstraußregelung“:
„Jeder darf danach wild lebende Blumen, (…) sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Ich habe schon verschiedene Versionen davon gehört – nimm nicht mehr als du benötigst, und nur, wenn ausreichend wächst.

Ernte so, dass es auch hinterher noch unberührt aussieht – für mich heißt das, ich ernte nur, wenn es viele Pflanzen gibt, und nehme von jeder einzelnen nur wenig (Blüten/Blätter…). Ich ernte zum Beispiel beim Beifuß die Spitzen, statt ganzer Pflanzen. Das regt sogar noch zum Wachstum an. Eine Freundin sagte vor kurzem „wenn ein Insekt auf der Blüte, ein Vogel auf einem Ast sitzt, haben sie Vorrang“ und sie lässt ihnen die Pflanzen. Auf einer Veranstaltung von Wildwärts gab es den Tipp „ein Teil für dich, ein Teil für die Pflanze, und ein Teil für die Feen“ – der natürlich vor allem für Kinder sehr einprägsam ist!

Geben und Nehmen

In Braiding Sweetgrass von Robin Wall Kimmerer (seit Kurzem auch auf Deutsch erhältlich) gibt es zur Honorable Harvest, der ehrbaren Ernte, ein ganzes Kapitel, das wirklich zu lesen lohnt. In ihrer indigenen Tradition sind Respekt und Gegenseitigkeit wichtige Werte. Das heißt unter anderem – nimm nie das erste und nie das letzte was du siehst (also unter Umständen nichts). Die Pflanzen sorgen für uns, wie können wir das respektvoll erwidern? Die Natur ist großzügig, sie schenkt – und wo man beschenkt wird, nimmt man nur, was man verbrauchen kann, man teilt, man stiehlt nicht. Es ist nicht der Platz für Gier, denn es gibt keinen Mangel. Das klingt für uns ungewohnt, aber es gilt auch, die Pflanzen vor dem Ernten um Erlaubnis zu bitten. Vielleicht kannst du für dich davon einiges mitnehmen?

Ich ernte in der freien Wildbahn keine Wurzeln zum Färben. So können Stauden wieder austreiben. Ich lasse Blüten stehen, damit sie Samen bilden können. Und für störrische Stiele ist es gut, Schere oder Messer dabeizuhaben, um nicht versehentlich ganze Pflanzen zu entwurzeln. Ich sammle in Stoffbeuteln oder Papiertüten, in denen vorher Obst oder Gemüse war, so kann man die Pflanzen gut luftig transportieren. Und wenn ich dran denke, habe ich noch eine Plastiktüte dabei, um etwas anderes zu sammeln, umherliegenden Müll nämlich. Für ein bisschen praktische Gegenseitigkeit zwischen mir und meiner Umwelt.

Drei Färberpflanzen, die du bestimmt finden kannst

Zumindest sehe ich diese drei Pflanzen zur Zeit ständig, auch wenn ich durch die Stadt spaziere.

Beifuß, Artemisia vulgaris

…ist eine traditionelle Heilpflanze, die früher sehr vielseitig benutzt wurde. Man hat mit ihr auch fettige, schwere Speisen gewürzt, um die Verdauung zu unterstützen. Für beides wird der Beifuß heute wohl nur noch selten genutzt, also warum nicht mal zum Färben testen?

Du erkennst den Beifuß vor allem an seinen gefiederten Blättern mit der typischen hellen, silbergrauen Unterseite.

Ich habe ihn zum Färben kurz vor der Blüte geerntet. Aber wenn du wie viele auf Beifuß allergisch reagierst, lässt du diese Pflanze vielleicht gleich ganz stehen. Meinen Beifuß-Strauß habe ich vom Straßenrand geerntet, auf dem Weg zu unserem Gärtchen. Dort sieht man ihn sehr häufig, auch auf Brachen, an Baustellen und in Parks, die nicht ständig gemäht werden.

Ich bin die Straße ein Stück entlang spaziert, mit Schere wegen der festen Stängel, und habe von jeder Pflanze nur wenige Spitzen geerntet. Und dabei auch schon viel Goldrute erspäht, die auch bald in der ganzen Stadt erblühen wird.

Stoffe und Wolle gefaerbt in hellen Grüntönen, mit einem getrockneten Beifuß-Blatt

Kanadische Goldrute, Solidago canadensis

Über die Goldrute kannst du an anderer Stelle auch ausführlich lesen. Sie gehört auf jeden Fall zu den Färberpflanzen, die reichlich wachsen, und ist wie der Beifuß auch eine Heilpflanze. Du kannst zum Färben sowohl Blätter als auch Blüten verwenden. Ich ernte besonders gern die Blütenstände mit den oberen Blättern, bevor die Knospen sich öffnen.

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man die Goldrute auch jetzt, Mitte Juli schon überall. Aber sobald sie im späten Sommer blüht, ist sie mit den leuchtend gelben Blüten wirklich nicht zu übersehen!

In einigen Gegenden gibt es sogar die Empfehlung, diese Pflanze zu entfernen, da sie sich mit ihren Rhizomen stark ausbreiten kann. Sie kann in bestimmten Biotopen andere Pflanzen verdrängen, und so hat die Kanadische Goldrute, einst als Zierpflanze eingeführt, meist keinen guten Ruf.

In meinem Garten darf sie bleiben. Ich ernte, und entferne, wo sie überhand nimmt. Damit färbe ich dann, oder mach mir auch mal einen Tee. Und genieße ansonsten die Blüten, und die Scharen von Insekten, die sie anlocken.

Also, vielleicht gibt es bei dir in der Nähe ja auch Aktionen, um in besonders geschützten Landschaften die Goldrute zu entfernen? Dann kannst du dabei nach Herzenslust ernten. Das gilt aber nicht überall: Ansonsten gelten für die Goldrute aber die selben Regeln wie für andere Wildpflanzen. Aber einen Färbetopf kann man mit dieser häufigen Pflanze sicher füllen.

Wilde Möhre, Daucus carota

Weil ich die wunderbaren Doldenblüten dieser Pflanze so liebe, ernte ich sie tatsächlich nicht. Du kannst nämlich stattdessen auch mit dem Grün von Karotten färben – in beiden Fällen kannst du leuchtende Gelbtöne färben.
Aber dieses Jahr habe ich sie teils in so großer Menge gesehen, dass ich doch einen Strauß hätte pflücken können. Und die Wilde Möhre eignet sich gut, weil sie anders als viele andere Doldenblütler gut und sicher identifizierbar ist. In dieser Familie gibt es einige giftige Pflanzen, und viele Doldenblütler sehen sich doch ziemlich ähnlich. Zum Beispiel ist der Wiesenkerbel, als ungiftige Färberpflanze, sehr leicht mit dem giftigen Taumel-Kälberkropf oder dem sehr giftigen Gefleckten Schierling zu verwechseln.

Also, die Wilde Möhre unterscheidet sich einerseits durch die Form ihrer Blütenstände, die wie feine, dichte Nester oder Spitzendeckchen aussehen. Und du kannst nach der Haupt-Dolde Ausschau halten – die hat bei der Wilden Möhre in der Mitte eine rote oder fast schwarze Blüte. Die hat bei uns keiner der giftigen Doldenblütler. Zum Färben kannst du Blütenstände und Blätter ernten.

Ich habe viele interessante Gespräche zu diesem Thema gehabt, die diesen Artikel inspiriert haben. Zum Beispiel mit Julia vom Berliner Zauberkraut, die biologische Reiniger herstellt, und Tash von Avantgarden.Life, die unter anderem Pflanzen-Führungen anbietet.

Und hier hat Julia auch noch etwas zum Thema geschrieben, mit Beiträgen aus der Hexenküche Community (die im Frühjahr 2020 entstand, und regelmäßig tolle Kräuter- und Pflanzenprodukte präsentiert).

Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen. Du solltest keine unbekannten Pflanzen sammeln oder damit färben. Ich übernehme keine Haftung für etwaige negative Folgen.

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Natürlich gelb färben mit Goldrute

Gelbe Stoffe gefaerbt mit Goldrute und Faerbetopf

Ab dem späten Sommer ist sie kaum zu übersehen, steht in voller Blüte: Dann ist der Zeitpunkt gekommen zum Gelb färben mit Goldrute. Wenn ich meinen Garten heute, am 1. September 2020, mit Bildern aus den Vorjahren vergleiche, begann ihre Blütezeit wohl dieses Jahr schon früher als in den Vorjahren. Aber es ist trotzdem noch nicht zu spät dafür!

Ich zähle die Goldrute im Garten mit zu den Färberpflanzen, und sie wächst dort ganz ohne mein Zutun. Die ausdauernde Staude vermehrt selbst sich durch Samen, vor allem aber über Rhizome (also unterirdisch) und ist bei uns vom Nachbarsgarten übergewandert. Ich ernte sie reichlich, und wo sie Beete zu übernehmen droht, buddel ich sie aus.

Am häufigsten sieht man bei uns die Kanadische Goldrute, Solidago canadensis. Sie gilt als sogenannter Neophyt, wurde also nach 1492 in Europa eingeführt. Der Name lässt es anklingen, sie ist in Nordamerika heimisch. „Neophyt“, eingeschleppte invasive Art, beides klingt erstmal nicht so gut. Aber in Deutschland ist die Kanadische Goldrute, die nicht in böser Absicht eingewandert ist, sondern als geschätzte Zierpflanze nach Europa gebracht wurde, tatsächlich nur in begrenzten Gebieten ökologisch problematisch. In den meisten Gebieten hat sie laut dem Bundesamt für Naturschutz „relativ wenig Auswirkungen auf schutzwürdige Elemente der Tier- und Pflanzenwelt“. Also Entwarnung. Und nicht nur das, die Goldrute ist durchaus wertvoll. Sie blüht spät und wird von Insekten umschwirrt, gilt als Heilpflanze – und sie färbt!

Färben mit Goldrute

Ich sammle gern auch Goldrute, um sie zu trocknen und im Winter damit zu färben, habe aber schon häufiger gehört, dass viele Färber*innen damit nicht so gute Ergebnisse hatten.

Nachtrag: Ich vermute, dass diese gemischten Farbergebnisse mit trockener Goldrute etwas mit der Wasserqualität zu tun haben könnte. Mein Berliner Leitungswasser ist einerseits sehr hart, und hat dabei einen neutralen bis minimal alkalischen pH-Wert. Ist dein Wasser sehr weich/sauer, und du hast keinen Erfolg mit dieser Färbepflanze, probiere doch mal Kreide (Calciumcarbonat) zuzusetzen. Hier hat Catherine Ellis über den Zusammenhang von gelben Farbstoffen und pH-Wert geschrieben, sehr interessant!

Einfach und direkt tolle, leuchtende Gelbtöne färbst du am besten mit frischer Goldrute. Im Vergleich mit anderen gelben Pflanzenfarbstoffen, wie der Färberkamille und dem Färberwau, nehme ich bei der Goldrute eher mehr Pflanzenmaterial für intensive Farbergebnisse. Aber weil sie ja praktisch überall und in Massen wächst, ist das kein Problem, solange der Färbetopf groß genug ist!
Gelb Färben kann man mit den Blüten, oder mit Blüten und Blättern, ersteres färbt etwas reinere Töne. Ich achte beim Erhitzen der Pflanzenteile und beim Färben darauf, dass es nicht zu heiß wird. Wenn der Sud länger sprudelnd kocht, passiert es manchmal, dass die Stoffe statt einem satten Gelb eher einen bräunlichen Stich bekommen.

Wie immer beim Färben mit Pflanzen: gut Ding will Weile haben. Auch die Vorbereitung von Stoff oder Wollgarn ist wichtig. Besonders auf pflanzlichen Stoffen wie Baumwollgewebe ist das Vorbeizen sehr wichtig (also generell, aber hier noch viel wichtiger als bei manch anderer Färberpflanze). Auf Wolle und Seide werden die Färbungen der Goldrute in jedem Fall kräftiger – was nicht heißt, dass es sich nicht lohnt, mit Baumwollstoffen zu experimentieren!

Hier habe ich soviel Goldrute gesammelt, wie in meinen Topf passte. Ich habe weder Pflanzen noch Stoffproben abgewogen – aber alle Stoffe waren vorher schon gebeizt. Und immer wieder finde ich es spannend, wie sich unterschiedliche Beizen auf die Farbe auswirken! Die Blüten habe ich mit Wasser aufgegossen, und sie in etwa zwei Stunden langsam erwärmt und simmern lassen. Zum Färben habe ich alles durch ein Tuch gegossen, die Blüten ausgedrückt, und dann Stoffe und Wollgarn hineingegeben. Und nach der ersten Runde habe ich noch weitere Stoffe gefärbt, um den Farbsud zu erschöpfen.

Goldrute trocknen für den Winter

Zum Trocknen schneide ich die Triebe der Goldrute so ab, dass ich vor allem Blüten und wenige Blätter ernte. Wenn es schon kleine Seitentriebe gibt, schneide ich oberhalb davon, damit es hier bald wieder blüht. Am besten ist es die Blüten zu ernten, bevor sie sich vollkommen geöffnet haben. Später geerntete Blüten reifen beim Trocknen zu flauschigen Samen aus.
Zum Trocknen hänge ich die Blüten in Sträußen kopfüber auf, oder lege sie auf Papier oder ein Gitter. Der Platz dafür sollte trocken und schattig sein – ich mache das direkt in der Gartenlaube. Danach bewahre ich sie in großen Papiertüten oder Stoffbeuteln auf. Möchtest du Platz sparen? Dann streife die trockenen Blätter und Blüten von den Stängeln ab, bevor du sie verpackst.

Wenn ich dann mit der Goldrute färben möchte, weiche ich die trockenen Pflanzenteile erst einmal über Nacht kalt ein, bevor ich sie vorsichtig erhitze.

Färberpflanzen im Garten – Sommer

Collage von zwei Bildern: links ein orangeleuchtender Strauß von Schwefelkosmee, rechts ein Koerbchen voller Blüten von Ringelblume, Mädchenauge und Schwefelkosmee

Neue Webseite, neuer Blog – zum Sprung ins kalte Wasser gibt es einen kurzen Rundgang zu den Färberpflanzen im Garten. Im Frühjahr habe ich viel Saatgut für Färberpflanzen verschickt, und natürlich selbst auch vorgezogen. Statt wie geplant mit einem neuen Workshop zum Färbergarten zu starten, gab es mit Corona plötzlich überhaupt keine Workshops mehr – deshalb habe ich meine Anzucht auf Instagram geteilt. Den ganzen Prozess gibt es bei Instagram noch in den Highlights gespeichert. Und hier geht es jetzt weiter.

Blau: Die Indigo-Pflanzen

Färberknöterich, Polygonum tinctorum, und Waid, Isatis tinctoria, zwei so verschiedene Pflanzen für denselben Farbstoff, das kostbare Indigo. Der Waid, zuerst angeschlagen nach einem Hagel im Juni, nun etwas angeknabbert, ist noch kleiner als im letzten Jahr um diese Zeit. Vom Knöterich gab es sogar schon eine erste Ernte, vor allem um die Pflanzen nach dem Ausknipsen der Triebe zu mehr und buschigerem Wachstum zu ermuntern. Ich bin gespannt, denn nach zwei sehr warmen Sommern ist dieser bisher immer wieder recht kühl, und auch windig, nicht das ideale Klima für den Knöterich. Auch beim Waid hängt der Farbstoffgehalt eng mit der Menge an Sonnenstunden zusammen.

Färbende Blüten ernten

Auf größere Indigoernten warte ich also noch. Und hoffe, es wird bald wieder sonniger dafür! Bei den blühenden Färberpflanzen hat das Ernten aber inzwischen begonnen – Tagetes, Tagetes erecta (in diesem Jahr habe ich zwei verschiedene großblütige Arten), leuchtende Schwefelkosmee, Cosmos sulphureus, und das filigrane Färber-Mädchenauge, Coreopsis tinctoria.

…und Ringelblume, Calendula officinalis, auch diese Blüten können zum Färben verwendet werden. Aber die sammle ich lieber, um damit Ölauszüge herzustellen.

Etwas holprig läuft bisher das Thema gelbe Färberpflanzen im Garten: Färberwau, Reseda luteola, und Färberkamille, Anthemis tinctoria. Von beiden gab es schon die ersten Ernten, aber ob es da gut weitergeht, weiß ich nicht. Jungpflanzen vom Wau sind im Frühjahr immer wieder verschwunden, ob durch Vögel oder Schnecken, ich weiß es nicht. Übrig geblieben sind nur wenige Pflanzen. Im Herbst werde ich diese zweijährige Pflanze dann wieder aussäen, für den nächsten Versuch.


Besonders die zweijährigen Färberkamille-Pflanzen haben schon üppig geblüht, und dann sind einige binnen weniger Tage eingegangen, stark von Läusen befallen. In dem Fall vertraue ich sonst auf Nützlinge wie die Marienkäferlarven und Zeit, aber das Rezept scheint diesmal nicht funktioniert zu haben. Bleibt die Zuversicht, dass die übrigen Pflanzen sich behaupten!

Rote Färberpflanzen im Garten

Und zuletzt noch ein Blick auf den Krapp, auch Färberröte, Rubia tinctorum. Wenn ich mich tatsächlich traue, steht dort am Ende des Sommers endlich eine Ernte an. Das ist etwas Besonderes: als einzige der Pflanzen, die ich zum Färben anbaue, sitzt der begehrte Farbstoff hier in den Wurzeln. Die Ernte wird erst ab dem dritten Jahr empfohlen. Dann sind die Wurzeln schön dick und kräftig.
Ich habe auch zwischendurch nicht geschummelt, und schon die ein oder andere Wurzel ausgebuddelt zum Testen: Das kann man durchaus machen (mit Vorsicht), wenn die Neugier groß ist. Die älteren Krapppflanzen blühen zur Zeit. Viele der Blüten wirken etwas angeknabbert, weshalb es im Herbst wohl wieder nur eine Handvoll Samen zu ernten gibt. Die Pflanzen aus diesem Jahr wachsen und ranken langsam aber sicher – sie haben auch noch drei Sommer Zeit, bevor hier die Ernte ansteht.